Bürgerinitiative kämpft gegen Fliegenplage. Neue Bürgerinitiative will Problem mit der Müllverarbeitungsfirma in der Breitenauer Siedlung in Wr. Neustadt den Kampf ansagen. Firma verweist auf Verbesserungen.

Von Mathias Schranz. Erstellt am 05. August 2020 (05:58)
Rene Gayer, Sprecher der „Interessensgemeischaft Breitenauer Siedlung“, vor der Müllverarbeitungsfirma.
zVg

Die Anrainer der Müllverarbeitungsfirma „FCC Austria Abfallservice AG“, früher bekannt unter „ASA“, haben die Nase sprichwörtlich voll. Denn noch immer plagen sie üble Geruchswolken sowie eine massive Fliegenplage – Grillfeiern im Freien seien vor allem im Sommer praktisch unmöglich, schildern betroffene Bürger.

Die NÖN berichtete 2012 zum ersten Mal von dem Phänomen: Die Firma FCC Austria Abfallservice AG verarbeitet Plastikreste. Zum einen Gewerbeabfälle, zum anderen auch herkömmliche „Gelbe Säcke“ aus den Haushalten. Immer wieder gab es in den letzen Jahren Beschwerden von Bürgern. Allein heuer gingen laut NÖN-Informationen bisher 37 Bürger-Beschwerden aus der Breitenauer Siedlung an eine eigens eingerichtete Stelle am Magistrat, diese wurden an die zuständige Behörde des Landes Niederösterreich weitergeleitet.

Laut den Anrainern liegt das derzeit wieder erhöhte Fliegenaufkommen daran, dass bei der Firma seit Beginn der Coronakrise weniger Gewerbemüll, dafür mehr „Gelbe Säcke“ verarbeitet werden. Florian Scheibe von der Produktionsleitung Österreich der Firma FCC bestätigt zwar, dass derzeit wieder mehr „Gelbe Säcke“ verarbeitet werden, einen direkten Zusammenhang mit den Fliegen könne man daraus aber nicht ableiten.

Firma verweist auf Verbesserungen

Generell habe die Firma in den letzten Jahren einiges gemacht, um die Situation zu verbessern. So wurde etwa ein Biofilter eingebaut, um die Geruchsbelästigung zu entschärfen, gegen die Fliegen würden inzwischen regelmäßig Insektizide gesprüht. „Wir stehen auch in Kontakt mit den Anrainern, die uns dann Rückmeldung geben, welche Maßnahmen funktionieren“, betont Florian Scheibe. Im Gespräch mit der NÖN bestätigten Anrainer zwar den Kontakt mit der Firma, meinen jedoch auch, dass sich für sie nicht viel verändert hat. „Wir leben seit acht Jahren mit den Problemen und es hat sich praktisch nichts verbessert, obwohl Maßnahmen wie Filteranlagen installiert wurden“, sagt Rene Gayer.

Aus diesem Grund wurde jetzt die Bürgerbewegung „Interessensgemeinschaft Breitenauer Siedlung“ gegründet, unter anderem werden derzeit Unterschriften gesammelt, die dann ÖVP-Bürgermeister Klaus Schneeberger überreicht werden sollen. Binnen weniger Tage haben über 170 Menschen unterschrieben. „Wir haben es satt, immer nur Beschwerdemails an diverse Stellen zu schreiben, die dann nicht gelesen werden“, begründet Rene Gayer.

Rückendeckung erhält die Initiative von den Grünen. Gemeinderätin Selina Prünster und Geschäftsführerin Anneliese Weichart haben sich die Situation vor Ort angesehen, „vor allem die Fliegen- und Geruchsproblematik sind völlig inakzeptabel.“ Es gehe jetzt darum, die Situation zu verbessern.

Seitens der Stadt sind die Probleme bekannt, sie würden regelmäßig an die zuständige Stelle des Landes NÖ (der bearbeitende Beamte ist derzeit auf Urlaub) weitergeleitet werden, man fungiere gerne als Vermittler heißt es, man versuche auch, auf die Firma einzuwirken. In der nächsten Zeit soll es auch eine Prüfung geben, ob für die weitere Verarbeitung der „Gelben Säcke“ weitere Schritte notwendig seien.

Eine endgültige Lösung des Problems würde es wohl nur mit einer Absiedlung der Firma geben. Die Stadt hat der Firma schon einmal ein Grundstück zum Kauf (Nahe der städtischen Müllanlage) angeboten, daraus wurde jedoch nichts. Eine Absiedelung sei derzeit kein Thema, sagt Produktionsleiter Florian Scheibe, das gehe auch nicht von heute auf morgen. Langfristig wollte er es jedoch nicht ausschließen.