108 Waggons: Zum Ersten, Zweiten und zum Dritten!

Erstellt am 24. April 2012 | 00:00
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Web-Artikel 13892
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AUKTION / 155.040 Euro spülte die Verwertung von 108 Waggons in die NÖVOG-Kasse. 50 Bieter ritterten um das Alteisen.

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NÖVOG-Geschäftsführer Gerhard Stindl ist im Kerschbaumer-Saal 108 Waggons losgeworden.
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VON LEO LUGMAYR

WAIDHOFEN / Im letzten Moment wurde der vierachsige Personenwagen, Baujahr 1908, mit der Versteigerungsposition „2“ noch von der Auktionsliste verschoben. Das Bundesdenkmalamt hatte kurz vor der Versteigerung im Saal des Gasthauses Kerschbaumer seine Hand schützend über ihn gehalten. Alle anderen Fahrzeuge hatten am vorigen Donnerstag nach zwei Stunden die Besitzer gewechselt. Ein Bahndienstwaggon in Opponitz wurde als Billigster um 360 Euro verkauft, ein Rollwaggon aus Gmünd erzielte als Rekord 2.200 Euro.

Rund 50 Interessenten teilten sich die Schmalspurbahndienstwaggons, Holztransporter und Güterwaggons. Sie werden verschrottet oder in Polen, Rumänien und Bulgarien auf Museumsstrecken wieder auf Schiene gehen. Bis zu 13 Tonnen sind die Wagen schwer. „Großteils Eisen“, verrät ein Schrotthändler, der das Metall um 230 Euro pro Tonne in Deutschland weiterverkauft. Bei einem neun Tonnen schweren Rollwaggon, der um 1.000 bis 1.500 Euro unter den Hammer kam, ist die Spanne gering und der Aufwand groß: Denn 15% Käufergebühr und 20% Mehrwertsteuer sowie Verschub- und Verladekosten kommen noch extra dazu.

Ein besseres Geschäft ist da schon die Renovierung der Garnituren. „Für einen runderneuerten Waggon kann man in Rumänien 40.000 Euro erlösen“, weiß ein Fachmann von einem Eisenbahn-Museumsverein.

NÖVOG ist von Andrang  und Erlös überrascht

Zufrieden mit dem Erlös von 155.040 Euro zeigte sich NÖVOG-Chef Dr. Gerhard Stindl: „Einen derartigen Erfolg hätten wir nie erwartet.“ Auch für das Dorotheum war die Auktion eine Premiere. Auktionator Manfred Humer: „Wir hatten keine Erfahrungswerte.“

Spätestens am 25. Mai müssen die Wagen von ihren Standorten abtransportiert sein. Sonst fallen 20 Euro Lagergebühr pro Tag an. Nur der denkmalgeschützte Waggon bleibt am Alpenbahnhof St. Pölten. „Und wird dort weiter vor sich hinrosten“, vermutete ein Bieter, der ihn gerne für eine Museumsbahn ersteigert hätte.