Bürgermeister Kasser: „Für Gemeinde nicht leistbar“. Allhartsbergs Bürgermeister Anton Kasser (ÖVP) über Eisenbahnkreuzungen, Radbrücke, Wohnen und Wasserversorgung.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 19. Juni 2019 (05:23)
Kössl
Seit nunmehr 24 Jahren ist Allhartsbergs Bürgermeister Anton Kasser im Amt. Bei der Gemeinderatswahl im kommenden Jahr will er für eine weitere Periode kandidieren

NÖN: Herr Bürgermeister, ein großes Projekt, das in der Gemeinde derzeit am Laufen ist, ist der Umbau des Vereinshauses. Was wird da gemacht und wie weit ist man?

Bürgermeister Anton Kasser: Unser Vereinshaus wurde vor 20 Jahren gebaut und hat nun einen Zubau erhalten, damit auch die Landjugend und die Feuerwehrjugend eigene Räumlichkeiten haben. Die Mannschaftsräume der FF Allhartsberg wurden ebenso erweitert und auch die Musikschule bekam Proberäume dazu. Auch ein Lift wurde eingebaut, damit das Gebäude barrierefrei wird. Derzeit laufen die finalen Bautätigkeiten. Am 1. September soll das neue Vereinshaus im Rahmen unseres Marktfestes eröffnet werden.

Wie viel wurde in dieses Projekt investiert?

Kasser: Drei Millionen Euro, wobei da auch die Errichtung des Bauhofs dabei ist. Den haben wir ja als Kellergeschoß der neuen Lagerhalle des Sägewerks Mühlehner errichtet. Die Finanzierung erfolgt über Bedarfszuweisungen und eine Kulturförderung des Landes NÖ sowie durch Eigenmittel der Gemeinde Allhartsberg. Ganz wichtig sind aber die Eigenleistungen der Vereine. Die Feuerwehr und die Landjugend haben sich da gewaltig eingebracht. Das ist ein großer Brocken, den wir uns so finanziell erspart haben.

Auch ein Wohnprojekt ist im Ortszentrum gerade am Laufen.

Kasser: Ja, wir haben da einen weiteren Bereich gleich neben dem Vereinshaus, anschließend an den Südhang erschlossen, um rund 26 Reihenhäuser zu errichten. Dieser Bau erfolgt in drei Etappen in den nächsten sechs, sieben Jahren. Heuer starten wir mit den ersten acht Häusern. Die Straßenarbeiten sind fertig, nun folgt die Kanal- und Wassererschließung. Im Herbst sollten wir dann mit dem Hausbau loslegen können. Im Herbst 2020 bzw. im Frühjahr 2021 könnte die erste Etappe fertig sein.

Die Nachfrage nach Reihenhäusern ist weiter ungetrübt?

Kasser. Wir haben bereits über 20 Bewerber. Das war bislang immer so, dass wir rund 20 Bewerber hatten und dann acht bis zehn Reihenhäuser gebaut wurden. So ist es sich immer ausgegangen, dass die Häuser bei Baubeginn bereits alle verkauft waren. Mittlerweile haben wir 40 Reihenhäuser in der Gemeinde.

Sind diese Bewerber großteils aus dem Ort?

Kasser: Ganz gemischt. Es gibt welche, die früher in eine Wohnung zugezogen sind und jetzt aufgrund von Familienzuwachs in ein Reihenhaus wollen. Es gibt aber auch ganz Junge, die gleich in ein Reihenhaus ziehen. Ich spüre aber, dass wir mehr Bewegung im Reihenhausbereich als im Mehrfamilienbereich haben. Für Einzelhausparzellen gibt es auch Nachfrage, aber nicht so viel.

Woran liegt diese hohe Nachfrage nach Reihenhäusern in Allhartsberg?

Kasser: Ein Reihenhaus hat natürlich den Vorteil, dass es sehr wenig Boden verbraucht. 400 Quadratmeter haben wir pro Haus, wobei das Haus selbst auch 140 Quadratmeter Wohnfläche hat. Das ist dieselbe Fläche wie ein Einfamilienhaus, aber es ist leistbarer.

Wo gibt es noch Bauparzellen?

Kasser: Am Südhang ganz unten gibt es noch welche. Auch in Hiesbach haben wir noch einige Parzellen. Es gibt also noch ein Angebot, aber die große Nachfrage, wie wir sie beim Südhang hatten, ist vorbei.

Der Bevölkerungszuwachs in Allhartsberg ist ungebrochen?

Kasser: Wir haben noch Zuwachs, aber nicht mehr viel. Das ist ein Phänomen, das in allen Gemeinden festzustellen ist, es wird permanent gebaut, die Bevölkerung wächst aber nur minimal.

Wie erklärt sich das?

Kasser: Zum Teil damit, dass die Leute im Ort umziehen, zum Teil damit, dass wir mehr Fläche pro Einwohner haben als vor 20 Jahren. In den alten Bauernhäusern, wo früher zehn Leute gewohnt haben, wohnen jetzt nur mehr zwei. Wie man das in den nächsten Jahren löst, wird eine große Herausforderung. Ich sehe da aber auch eine große Chance, die Ortskerne zu beleben.

Der Ortskern von Allhartsberg ist aber jetzt wieder gut versorgt?

Kasser: Ja, wir haben wieder einen Wirten, der Zuspruch hat und bei dem die Küche passt, und auch unser Kaffeehaus ist gut besetzt. So etwas merkt man erst, wenn es eine Zeit lang nicht so war. Auch unser Nahversorger entwickelt sich positiv. Die Kundenzahlen und der Umsatz gehen nach oben. Und er setzt jetzt auch stärker auf Regionalität, was ich sehr gut finde. Interessant ist, dass viele glauben, dass der Eurospar in Hausmening billiger ist als unser Spar, was aber nicht stimmt, weil man bei Spar einen Preis hat – egal wie groß die Filiale ist. Auch unsere Bank in Kröllendorf ist so weit abgesichert. Und auch am Gesundheitssektor sind wir mit Doktor und Zahnarzt sehr gut versorgt.

Wie sieht es mit dem Breitbandausbau in der Gemeinde aus? Kasser: Allhartsberg ist ja nicht in der Pilotregion. Wir müssen selber schauen, wie wir den Ausbau zusammenbringen. Wir sind da aber ziemlich intensiv unterwegs. Leerverrohrungen werden seit fünf, sechs Jahren bei uns bereits überall mitverlegt. Wenn das Landesmodell mit den Investoren der nöGIG steht, wird es darauf ankommen, wo die ersten 100.000 Haushalte sind, die in den nächsten drei Jahren mit Landesunterstützung an das Breitbandnetz angeschlossen werden können. Da haben wir schon den Fuß in der Tür.

Wie steht es um die Wasserversorgung in Allhartsberg?

Kasser: Wir haben alle Liegenschaften ans Ortswasser angeschlossen. Und wir haben zum Glück einen Wasserspender mit viel Wasser in Top-Qualität. In den letzten Jahren haben wir aber gesehen, dass wir an unsere Grenzen stoßen. Deshalb wollen wir gemeinsam mit der Firma Austria Juice einen großen Hochbehälter im Bereich Anger- holz bauen. Damit könnten wir die Spitzen besser abdecken. Doch wenn das Grundwasser aus ist, hilft auch der Hochbehälter nichts. Deshalb wollen wir uns als nächsten Schritt mit einer zweiten oder sogar dritten Wasserversorgung verstärken. Mit Amstetten gab es schon Gespräche, Gespräche mit Waidhofen werden folgen. Derartige Projekte sollte man regional betrachten. Ich bin dabei, auf Landesebene eine Studie zu initiieren, wo erhoben wird, wie viel Wasser vorhanden ist und wie eine vernünftige Verteilung funktionieren könnte.

Ist Allhartsberg von der Umsetzung der Eisenbahnkreuzungsverordnung betroffen? Gibt es Bahnkreuzungen, die gesichert bzw. aufgelassen werden müssen?

Kasser: Wir haben zwei Kreuzungen mit der Landesstraße, die zwar mit Blinklichtern, aber nicht mit Schranken gesichert sind. Dann haben wir noch zwei Kreuzungen, bei denen es die Diskussion gibt, wie man die Sicherung finanziert. Wir haben auch überlegt, eine zu schließen. Bei der anderen Kreuzung sehe ich aber nicht ein, dass wir auch jene Kosten von der ÖBB verrechnet bekommen, die im Hintergrund laufen und bis zur technischen Anbindung nach Wels reichen. Das ist keine Gemeindegeschichte und kein Straßenerhaltungsthema. Wir zahlen die Hälfte vom Schranken, aber die restliche Systemumstellung bezahlen wir nicht mit. Dass das in jeden Eisenbahnübergang eingerechnet wird, geht nicht. Das kann man sich als Gemeinde nicht leisten.

Zum Radweg im Vorderen Ybbstal: Da ist ja eine Radbrücke zwischen Kematen und Allhartsberg über die Ybbs im Gespräch. Wie weit ist dieses Projekt?

Kasser: Da stellt sich grundsätzlich die Frage, wo der Radweg geführt wird. Geht die Route in Hausmening zum Weißen Kreuz und dann nach Kematen, dann ist Allhartsberg nicht davon betroffen. Dann bräuchte es die Brücke in Kematen über die Ybbs. Dass diese finanzierbar ist, glaube ich derzeit, ehrlich gesagt, nicht. Bleibt die Wegführung so wie bisher durch Hausmening nach Kröllendorf, dann sind wir natürlich betroffen und werden uns auch einbringen. Diese Grundsatzentscheidung ist aber noch offen.

Kommendes Jahr stehen Gemeinderatswahlen an. Werden Sie wieder an der Spitze der ÖVP antreten, um weiter als Bürgermeister für Allhartsberg zu arbeiten?

Kasser: Ein Beschluss fehlt noch, ich gehe aber davon aus.