Anton Kasser: „Schwerpunkt liegt auf Trinkwasser“. Allhartsbergs Bürgermeister Anton Kasser (ÖVP) über Wasserleitungsprojekt, Breitbandausbau, Radwege und die Auswirkungen der Coronakrise.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 05. Juni 2020 (04:35)
Bürgermeister Anton Kasser möchte die für heuer geplanten Projekte trotz finanzieller Einbußen in Folge der Coronakrise umsetzen. Lediglich der Zubau beim Feuerwehrhaus Wallmersdorf ist etwas in Schwebe.
Kössl

NÖN: Die Gemeinderatswahl im Jänner brachte in Allhartsberg keine Veränderungen bei den Mandaten. Sind Sie mit dem Ergebnis zufrieden?

Bürgermeister Anton Kasser: Ich bin zum sechsten Mal als Spitzenkandidat in eine Gemeinderatswahl gegangen und habe die letzten drei Mal über 81 Prozent erreicht. Das ist ein tolles Ergebnis für die ÖVP Allhartsberg und eine große Bestätigung für meine Arbeit als Bürgermeister.

Mehr geht also fast nicht mehr?

Kasser: Ich glaube nicht, denn die SPÖ hat natürlich ihre Stammwählerschaft und die liegt eben bei 17 bis 19 Prozent. Das passt auch so, denn wir arbeiten sehr gut zusammen.

Kurz nach der Gemeinderatswahl traf die Coronakrise das Ybbstal. Wie haben Sie diese Zeit erlebt?

Kasser: Auch wir sind auf der Gemeinde mit dem Betrieb heruntergefahren. Die Bevölkerung in Allhartsberg war dabei sehr diszipliniert und hat die Regierungsmaßnahmen voll mitgetragen, sodass wir diese Zeit gut bewältigen konnten.

NÖN: Ist mittlerweile wieder Normalität eingekehrt?

Kasser: Ja, einigermaßen. Am Gemeindeamt haben wir beinahe wieder Normalbetrieb. Kindergärten und Schulen sind jetzt auch wieder hochgefahren. Auch das funktioniert gut. Wir können die Vorgaben hier, etwa bezüglich der Gruppengrößen, gut erfüllen. Die Kleinkind- und die Nachmittagsbetreuung sind wieder geöffnet und somit ist die Kinderbetreuung in Allhartsberg wieder im gesamten Angebot verfügbar. Dazu ist zu sagen, dass die Schulen auch in der Coronazeit Beachtliches geleistet haben. Wir hatten hier bezüglich der Umstellung auf digitalen Unterricht viele sehr positive Rückmeldungen von den Eltern. Gleiches gilt für den Musikschulbereich. Hut ab vor der Lehrermannschaft!

Während des Lockdowns hat die Gemeinde auch Hilfsdienste angeboten. Wie wurde das angenommen?

Kasser: Wir waren eine der ersten Gemeinden, die das gemacht haben. Die große Nachfrage gab es nicht, aber es gibt natürlich immer wieder einige Wenige, die das brauchen, und für die war das da. Wir haben das gut bewältigt und alle Wünsche erfüllt.

In Folge der Coronakrise haben die Gemeinden mit Mindereinnahmen zu kämpfen. Wie ist die Lage in Allhartsberg? Gibt es hier geplante Projekte, die nun hintangestellt werden müssen?

Kasser: Nein. Für geplante Projekte haben wir Förderzusagen und dieses Geld wird auch fließen. Lediglich der Zubau beim Feuerwehrhaus in Wallmersdorf ist ein bisschen in Schwebe, aber das hat nicht nur mit Corona zu tun. Dieses Projekt wird in Summe 300.000 Euro kosten. Es ist derzeit noch nicht ganz klar, ob wir da nun heuer im Herbst starten oder erst nächstes Frühjahr. Wenn es finanziell wirklich eng wird, wäre das ein Puffer. Das ist auch mit der Feuerwehr so abgesprochen. Die anderen Dinge ziehen wir aber durch.

„Mein Ziel ist es, den Glasfaserausbau in der aktuellen Gemeinderatsperiode im gesamten Gemeindegebiet abzuschließen.“Bürgermeister Anton Kasser

Welche größeren Projekte sind für heuer vorgesehen?

Kasser: Der Schwerpunkt in diesem und im nächsten Jahr liegt auf der Trinkwasserversorgung. Wir sind gerade dabei, gemeinsam mit der Firma Austria Juice vier Trinkwasserhochbehälter zu errichten, wobei die Firma Austria Juice drei Hochbehälter betreibt und die Gemeinde einen. In weiterer Folge werden wir eine Trinkwasserleitung von Amstetten bis zu den neuen Hochbehältern in Kröllendorf errichten. Wir haben uns mit der Stadtgemeinde Amstetten so weit verständigt, dass wir bereits im heurigen Jahr die Leitung von Hausmening bis Kröllendorf bauen und fürs Erste fünf Liter Wasser pro Sekunde bekommen. Für nächstes Jahr ist der Leitungsbau von Amstetten bis Hausmening vorgesehen. Dann haben wir die Möglichkeit, dass wir bis zu 30 Liter Wasser pro Sekunde von Amstetten kaufen. Bei dem Projekt werden wir vom Land NÖ großzügig unterstützt. Die Wasserversorgung ist ein Thema, das die Gemeinden in den nächsten Jahren noch intensiv beschäftigen wird. In den letzten 25 Jahren ist es uns gelungen, sämtliche Liegenschaften der Gemeinde an das Wasserleitungsnetz anzuschließen. Jetzt geht es darum, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten. Mit diesem Projekt ist Allhartsberg gut für die Zukunft gut abgesichert.

Wie sieht es mit der Schaffung von Wohnraum aus?

Kasser: Hier haben wir in Wachtberg gerade 16 Reihenhäuser im Bau. Die ersten acht werden wir im Herbst übergeben. Bei den nächsten acht ist gerade der Baustart erfolgt. Die Nachfrage ist hier sehr gut. Dabei haben wir ein Pilotprojekt am Laufen. So wird bei diesem Reihenhausprojekt kein Regenwasserkanal mehr errichtet, sondern ein sogenanntes Drain-Garden-System angewendet. Es geht dabei darum, das Oberflächenwasser zu speichern und nicht einfach in den Kanal zu leiten. Bauparzellen für Einfamilienhäuser gibt es in Hiesbach und Allhartsberg – da ist die Nachfrage zuletzt etwas zurückgegangen. Im Wohnungsbereich haben wir einige Wohnungen frei.

Wie sieht es mit dem Bau von Radwegen aus?

Kasser: Wir investieren gerade einiges in ein Radwegnetz. So haben wir im Zuge der Sanierung der Landesstraße 92 von Kröllendorf nach Hiesbach schon ein Stück Radweg mitgebaut. Da sind wir gerade dabei, die nächsten zwei Teilstücke in Angriff zu nehmen. Daneben planen wir intensiv den Radweg von Kröllendorf nach Wallmersdorf. Hier möchte ich zumindest den Unterbau heuer noch umsetzen. Da wir die Wasserleitung von Hausmening bis Kröllendorf noch heuer bauen wollen, würden sich hier Synergien ergeben. Mit dem Ausbau des Radwegnetzes werden wir in Sachen abgasfreie Mobilität einen großen Schritt setzen.

Soll dieses Radwegnetz hauptsächlich dem Alltagsradverkehr dienen oder auch touristisch genutzt werden?

Kasser: Das Stück von Wallmersdorf nach Kröllendorf, wo man jetzt auf der Landesstraße fährt, wäre dann ein Teil des Ybbstalradwegs. Ein durchaus großer Anteil soll aber dem Alltagsradverkehr zugutekommen.

Kematen hätte gerne, dass der Ybbstalradweg auf der gegenüberliegenden Ybbsseite verläuft.

Kasser: Das ist gerade in Diskussion. Lässt man den Radweg drüben verlaufen, braucht man eine Brücke über die Ybbs. Da stellt sich die Frage, wer die zahlen soll. Wenn man den Radweg auf unserer Seite baut, könnten wir das relativ einfach und kostengünstig entlang der Eisenbahn machen. Die Strecke wäre auch durchaus imposant, weil man da die Schluchten zur Ybbs hat. Ich bin da aber leidenschaftslos. Wenn entschieden wird, dass der Radweg auf Kematner Seite die bessere Version ist und Kematen die Brücke zahlt, soll das so sein. Ich erwarte mir hier touristisch keinen Rieseneffekt für die Gemeinde.

Wie sieht es mit der Eisenbahnkreuzungssicherung in der Gemeinde aus? Hat man sich hier mit den ÖBB über alle Neugestaltungen und Auflassungen geeinigt oder ist noch etwas offen?

Kasser: Allhartsberg ist abgeschlossen. So wird in Burgstall eine Eisenbahnkreuzung geschlossen, weil hier innerhalb von nur 500 Metern eine weitere ist. Das wurde mit den Anrainern besprochen und war keine große Geschichte. Bei einer zweiten Kreuzung in Allhartsberg-Dorf gab es Diskussionen, diese wird nun aufgelassen. Hier gab es zuletzt noch eine Verhandlung, weil wir uns gegen die Schließung gewehrt haben. Aber da gibt es eine Zumutbarkeits-Regel und nach dieser sind drei Kilometer Umweg für die Landwirtschaft zumutbar. Wir bringen dort aber maximal einen zusammen. Deshalb waren wir hier letztlich auf verlorenem Posten. Die Eisenbahnübergänge beim Bahnhof Kröllendorf und beim Güterweg Brandstetten werden mit Schranken bestückt.

Welche Straßenbauprojekte sind heuer vorgesehen?

Kasser: Wir werden die Siedlungsstraße bei den neuen Reihenhäusern in Wachtberg machen, weil ich mir zur Regel gemacht habe, dass, wenn wir Reihenhäuser übergeben, auch die Straße schon fertig sein sollte. Neu gestaltet soll auch die Ortsdurchfahrt in Kröllendorf werden. Das ist unsere am stärksten befahrene Straße, wobei wir dort den wenigsten Platz haben, weil Kröllendorf ja ganz eng ist. Dennoch wollen wir hier einen Gehsteig zusammenbringen. Auf einem kleinen Stück wird uns das zwar nicht gelingen, ansonsten sind wir da aber auf einem guten Weg. Dieses Projekt, wollen wir im Sommer schon umsetzen. Außerdem gab es in Kröllendorf den Wunsch nach einem Ortsplatz. Es gäbe es ein Grundstück, das passen würde, und da bin ich in einem guten Dialog mit den Bewohnerinnen und Bewohnern.

Allhartsberg ist Teil des Breitbandausbauprojekts der NöGIG. Welches Gebiet umfasst dieses Projekt und wie weit ist man?

Kasser: Von den Haushalten ist bei uns nur etwa ein Drittel dabei. Im Wesentlichen handelt es sich um den Ortskern und ein paar Ausläufer. Da ist derzeit die Ausschreibung noch draußen. Ich denke, dass es in den nächsten vierzehn Tagen eine Entscheidung geben wird, wer den Bauauftrag bekommt, und dann wird über den Sommer wohl die Detailplanung erfolgen. Wir als Gemeinde haben uns aber zwischenzeitlich parallel zum nöGIG-Projekt die Bundesförderung für zwei weitere Breitbandausbaugebiete gesichert – nämlich für die Siedlung Burgstall und die ganze Strecke Richtung Hiesbach. Mein Ziel ist es, den Glasfaserausbau in der aktuellen Gemeinderatsperiode im gesamten Gemeindegebiet abzuschließen.

Wird es im Sommer in Allhartsberg Veranstaltungen geben?

Kasser: Grundsätzlich haben wir alles abgesagt. Sollte sich jetzt mit den Lockerungen noch etwas ergeben, dann wird man sehen. Auch das Ferienspiel findet heuer nicht statt. Wir haben da Veranstaltungen mit 40 bis 60 Kindern. Das schafft man nicht mit den Abstandsregeln, und zehn Kinder zulassen und das elfte dann wegschicken wollen wir auch nicht.