„Froh, arbeiten zu dürfen“. Wie Integration von Menschen mit Beeinträchtigungen gelingen kann, zeigt der Magistrat Waidhofen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 25. April 2019 (07:29)
Kössl
Das „Gedächtnis der Stadt Waidhofen“: Arbeitsassistentin Sabine Parzer, Magis-tratsdirektor Christian Schneider, Personalstadträtin Nadja Koger, Personalchef Christoph Kalteis, Natascha Dengg (ÖZIV Arbeitsassistenz NÖ), AMS-Leiterin Anita Prüller und Verwaltungsarchivleiterin Ulrike Becksteiner (v.l.) mit Brigitte Eichhorn (vorne) im Verwaltungsarchiv des Magistrats.

Ihre Beeinträchtigung hat Brigitte Eichhorn die Arbeitssuche nicht gerade einfach gemacht. An die 150 Bewerbungen hat die Waidhofnerin versandt, bis es mit Hilfe des Arbeitsmarktservice (AMS) und dank Unterstützung des Sozialministeriumservice des Bundes schließlich geklappt hat.

Seit einem Jahr arbeitet Brigitte Eichhorn im Verwaltungsarchiv des Magistrats Waidhofen. Das Gebäude in der Ybbstorgasse ist barrierefrei. So kann es Brigitte Eichhorn mit dem Rollstuhl dank ihrer persönlichen Arbeitsassistentin gut erreichen. In ihrer Arbeitsstätte ist die Waidhofnerin mit der Digitalisierung des Personenstandswesens betraut. Sie ist damit beschäftigt, die Waidhofner Geburtenbücher einzuscannen und in einen digitalen Ordner abzulegen – ein Großprojekt, das sich noch über mehrere Jahre hinziehen wird.

„Ich bin jeden Tag froh, in die Arbeit gehen zu dürfen“, freut sich Brigitte Eichhorn. „Ich fühle mich hier wirklich pudelwohl.“ Die Leiterin des Verwaltungsarchivs Ulrike Becksteiner ist mit ihrer Mitarbeiterin sehr zufrieden. „Das ist eine sehr verantwortungsvolle, aber auch langwierige Arbeit, weil die Akten wirklich Stück für Stück eingescannt werden müssen“, sagt sie. „Dafür bedarf es jemandes, der die nötige Geduld aufbringt und sehr gewissenhaft arbeitet.

Mit Brigitte Eichhorn haben wir dafür die richtige Person gefunden.“ Brigitte Eichhorn habe sich sensationell eingearbeitet, meint auch Personalchef Christoph Kalteis. „Am Magistrat haben wir sehr gute Erfahrungen mit Menschen mit Behinderungen. Für diese Menschen ist es eine gute Chance, sich ins Arbeitsleben zu integrieren.“

„Wir haben die Behindertenquote übererfüllt“, hält Magistratsdirektor Christian Schneider fest. „Ich sehe es als unsere Aufgabe an, Menschen, die es im Arbeitsleben schwerer haben, eine Chance zu geben. Brigitte Eichhorn leistet eine ganz wertvolle Arbeit, schließlich ist das Archiv das ‚Gedächtnis einer Stadt‘.“ Waidhofens AMS-Leiterin Anita Prüller spricht von einer Win-win-Situation. „Brigitte Eichhorn hat eine Beschäftigung, in der sie sich wohlfühlt, und die Stadt erfüllt ihre Behindertenquote.“ 50 Personen mit einer anerkannten Behinderung sind derzeit beim AMS Waidhofen als arbeitslos vorgemerkt.

„Bis Mitte April ist es uns heuer gelungen, dass zwölf dieser Personen eine nachhaltige Beschäftigung erlangen“, sagt Prüller. Aufgrund der guten Wirtschaftslage und des daraus resultierenden Arbeitskräftemangels sei es momentan leichter, auch diese Personengruppe am Arbeitsmarkt zu vermitteln.

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