Waidhofner Stadthistorie im Fokus. Historiker beschäftigten sich mit Stadtwappen und Aufschrift am Stadtturm.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 28. Oktober 2020 (06:05)

Im Zuge der „Black Lives Matter“-Bewegung gab es in Waidhofen zuletzt Diskussionen um das Stadtwappen und die Inschrift am Stadtturm. Ausgelöst wurden diese von einem Waidhofner Zweitwohnsitzer, der sich an die Gemeinderäte wandte und sein Befremden gegenüber dem Mohrenkopf im Wappen und der Aufschrift am Stadtturm zur Türkenbelagerung zum Ausdruck brachte. Schützenhilfe bekam er von der in Waidhofen lebenden Rassismusforscherin Dina Yanni, die im Mohr im Stadtwappen ein herabwürdigendes und diskriminierendes Symbol sieht.

Bürgermeister Werner Krammer kündigte eine kritische Aufarbeitung an. Dazu wurde einerseits das NÖ Landesarchiv zu Rate gezogen, andererseits setzten sich Stadtarchivarin Eva Zankl und Historiker Walter Zambal mit der Thematik auseinander. Das Ergebnis findet sich nun auf der Stadthomepage und wurde in der aktuellen Ausgabe der Stadtnachrichten publiziert.

Wappen bleibt, Tafel soll Turmaufschrift erklären

Einig sind sich die Historiker darüber, dass es sich bei dem Mohrenkopf im Stadtwappen um keine herabwürdigende oder rassistische Darstellung handelt. Die Darstellung sei auf die jahrhundertelange gemeinsame Geschichte mit der Stadt Freising zurückzuführen, heißt es in den Stadtnachrichten. Nach den letzten historischen Erkenntnissen stamme das Motiv aus der Apostelgeschichte.

 „Die Inschrift am Stadtturm zeugt vom aufkeimenden Nationalsozialismus. Sie soll deshalb als Mahnmal erhalten bleiben.“ Stadtchef Werner Krammer

 Bei der Inschrift zur Türkenbelagerung, die im Jahr 1932 anlässlich der Feierlichkeiten zum 400. Jubiläum des Sieges über die Türken am Stadtturm angebracht wurde, sind Zankl und Zambal unterschiedlicher Meinung, wie damit am besten umzugehen sei.

Während Zambal für eine Entfernung der derzeitigen Inschrift plädiert, weil sie zu plakativ sei, und für eine weniger aufdringliche Tafel am Fuße des Stadtturms plädiert, welche die Hintergründe der Errichtung des Stadtturms erläutert, tritt Zankl für das Belassen der derzeitigen Aufschrift ein. Sie sei ein Stück Geschichte, das zur Beschäftigung mit jener Zeit, in der sie entstanden ist, auffordern solle, um mögliche Parallelen zu problematischen Entwicklungen von heute zu erkennen.

Seitens der Stadt hat man sich dazu entschieden, die Inschrift am Stadtturm so zu belassen, sie allerdings mit einer Erklärungstafel vor Ort in einen historischen Kontext zu setzen. „Wir haben dieses Vorgehen bei einem interfraktionellen Gespräch abgestimmt“, sagt Bürgermeister Werner Krammer. „Für mich beschreibt die Inschrift am Stadtturm einerseits ein historisches Ereignis, andererseits zeugt sie vom aufkeimenden Nationalsozialismus in einer schwierigen Zeit.

Sie soll deshalb als Mahnmal erhalten bleiben. Die Hintergründe ihrer Entstehung sollen auf einer Hinweistafel erklärt werden.“ Der Text dafür wurde bereits ausgearbeitet, nun sucht man noch nach einer entsprechenden Tafel, auf der die Erklärung gut sichtbar abgebildet werden kann. „Es ist wichtig, dass man sich mit dieser Thematik nun intensiv auseinandergesetzt hat“, hält der Stadtchef abschließend fest.