Bahn: Das Vorbild fährt wieder

Erstellt am 17. April 2012 | 00:00
Lesezeit: 3 Min
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr
Web-Artikel 6882
Foto: NOEN
INFOABEND / Ybbstalbahn-Entwicklungsgemeinschaft stellt in Hollenstein neue Vision vor: Deutsche Regionalbahn ähnelt nicht nur im Namen der Ybbstalbahn.

Web-Artikel 6882
Am Podium beantwortete der Ilztalbahn-Geschäftsführer Prof. Dr. Thomas Schempf die Publikumsfragen. Moderator Franz Haider und Symphoniker Prof. Martin Ortner (v.l.) führten durch den Infoabend.
Foto: NOEN

VON MARKUS HUEBMER

HOLLENSTEIN / Am Ybbsufer, vis-a-vis des Hollensteiner Ortszentrums, wartet am Freitagnachmittag ein Bus der stündlich verkehrenden Mostviertellinie MO1 auf seine Abfahrt. Im Gasthaus Rettensteiner, das sich am anderen Ufer der Ybbs befindet, motiviert die Ybbstalbahn-Entwicklungsgemeinschaft (YEG) ihre Mitglieder und das Publikum, weiter für die Ybbstalbahn zu arbeiten.

Der Feststellungsbescheid für die Auflassung der Bahnlinie wurde zwar schon erlassen (die NÖN berichtete), der YEG-Info-abend brachte jedoch neue Luft in die Lunge der Pro-Bahn-Aktionen. Gastredner vor rund 100 Zuhörern war Thomas Schempf von der Ilztalbahn in Bayern. Der Geschäftsführer der gleichnamigen „Ilztalbahn GmbH“ berichtete von der Regionalbahn, die zwischen Passau und Freyung nahe der Grenze zu Tschechien verkehrt und im Jahr 2011 wiedereröffnet wurde.

Der Einstellung des Personenverkehrs folgte 2005 die Stilllegung der gesamten Strecke. Der Endbahnhof nahe der tschechischen Grenze ist auch Eingang des Nationalparks „Bayerischer Wald“. Der Tourismusmagnet am Streckenende und die reizvolle Barockstadt Passau halfen nichts. Die Deutsche Bahn stellte den Betrieb ein. „Drei Schwachstellen waren 2002 Anlass, aus technischen Gründen die 47 Kilometer lange Strecke zu sperren“, erinnerte sich Schempf.

Ilztalbahn-Chef sagt:  „Es kann sich lohnen“

Gleichzeitig forcierte eine Radwegfördergemeinschaft den Bau eines Radwegs auf der alten Bahntrasse. Den dafür vorgesehenen Abbau der Gleisanlagen konnten die Ilztalbahn-Befürworter verhindern. „Die Kommunalpolitiker mussten ihre Wunden lecken“, so Schempf, der wie seine Mitstreiter als Eisenbahnverrückter bezeichnet worden war. Der Einsatz für den geplanten Radweg war hoch: Das Kostenvolumen hätten zum größten Teil EU-Förderungen und das Land Bayern gedeckt. Daher lautete der Tenor, dass die Bahn viel mehr koste und der Radweg billiger käme.

Die Ilztalbahn nahm 2011 nach zahlreichen Verhandlungen und umfangreichen baulichen Maßnahmen den Betrieb an Wochenenden und Feiertagen wieder auf.

Der Nürnberger Betriebswirtschaftler sprach den Bahnfreunden, in ihrer Bestrebung die Ybbstalbahn zu retten, Mut zu: „Es kann sich lohnen!“

Seine Liebe zur Ybbstalbahn brachte Professor Martin Ortner, ein Mitglied der Wiener Symphoniker mit Ybbsitzer Wurzeln, auf der Gitarre zum Ausdruck: „Die Ybbstalbahn, die unermüdlich das viel gewundene Tal durchfährt“, sang er den Refrain des Ybbstalbahn-Lieds.

Viele Fragen aus dem  Podium nach Präsentation

Die bayerische Vorbildbahn bedurfte großer Bemühungen der damaligen Bahnaktivisten, die mit ehrenamtlicher Arbeit die Reaktivierung vorantrieben. Der Erfolg war nach der Präsentation Anregung zu Fragen ans Podium.

Dr. Thomas Schempf antwortete auf die Fragen. Dr. Madeleine Petrovic, Landessprecherin der Grünen, und auch YEG-Obmann Ing. Siegfried Nykodem meldeten sich zu Wort.

Die Parallelen zwischen der Ilztalbahn in Bayern und der Ybbstalbahn sind für die Bahnaktivisten augenscheinlich. Moderator Franz Haider sagte zum Wortlaut der deutschen Schmalspurstrecke: „Ilztalbahn, das hört sich fast so an wie Ybbstalbahn.“