Bene AG: Rückkehr aus dem Tief

Erstellt am 24. Mai 2011 | 00:00
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Foto: NOEN
BILANZ / Waidhofner Unternehmen fuhr erneut Verlust ein, sieht sich in Strategie aber bestätigt.

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WAIDHOFEN, WIEN (APA) / Das Waidhofner Unternehmen Bene kämpft nach wie vor mit den Folgen der Krise und einem damit einhergehenden Einbruch am Büromöbelmarkt. „Es waren stürmische zwei Jahre. Die Krise ist von West bis Ost durchgeschwappt“, sagte Bene-Chef Frank Wiegmann am vergangenen Donnerstag bei der Präsentation der Bilanzzahlen für das Jahr 2010/2011.

Obwohl sich ab dem zweiten Halbjahr eine Trendumkehr abzeichnete, hat der börsenotierte Büromöbelhersteller das abgelaufene Geschäftsjahr erneut mit einem Verlust und einem Umsatzrückgang abgeschlossen.

Im Vergleich zum Geschäftsjahr 2009/10 verbesserte sich das Betriebsergebnis (EBIT) auf -8,2 Mio. Euro (-14 Mio. Euro). Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) drehte mit 454.000 Euro sogar ins Plus - im Jahr davor betrug es noch minus 5,2 Mio. Euro. Der Gruppen-Umsatz reduzierte sich um 4,7 Prozent auf 170,8 Mio. Euro. Wiegmann sieht das Unternehmen mit einem Eigenkapitalanteil von 25,9 Prozent gut aufgestellt und schließt Maßnahmen wie eine Kapitalerhöhung aus.

Für 2011/12 hat sich der Bene-Boss eine „deutliche Verbesserung“ bei Umsatz und Ertrag sowie eine Reduzierung des negativen Ergebnisses vorgenommen. Unterm Strich wird Bene aber auch dann noch leicht in den roten Zahlen stecken, erwartet der Vorstandschef.

Die Aktionäre gehen  erneut leer aus

Die Bene-Aktionäre gehen auch heuer wieder leer aus. Aufgrund der Ergebnisentwicklung wird Wiegmann der Hauptversammlung vorschlagen, keine Dividende auszuschütten. Zuletzt hat Bene im Jahr 2007/2008 eine Gewinnbeteiligung ausbezahlt.

Großes Potenzial sieht Wiegmann künftig am asiatischen Markt. Dort mache sich zunehmend ein geändertes Kaufverhalten bemerkbar. Lokale Firmen würden stärker auf westeuropäische Einrichtungen setzen. Zurzeit erwirtschaftet Bene in Asien erst rund 3 Mio. Euro - bei einem Gesamtumsatz von zuletzt 170,8 Mio. Euro.

Basis des Unternehmens bleibe Waidhofen, es gebe „überhaupt keine Überlegungen“, nach Asien zu verlagern, betonte Wiegmann.

Die große Erweiterung des Werks in Gstadt habe man zwar bei Ausbruch der Krise im Herbst 2008 abblasen müssen, zu den Akten wurden die Ausbaupläne nicht gelegt: „Wir werden das Werk in sinnvollen Schritten erweitern. Jede Firma braucht einen Kristallisationspunkt. Und das wird für Bene noch über viele Jahre Waidhofen sein.“ Die Mitarbeiterzahl im Ybbstal werde heuer leicht wachsen.

Wichtigste Märkte bleiben  Österreich und Deutschland

Die größten Märkte der Bene-Gruppe sind Österreich und Deutschland. Während sich der Heimatmarkt im Jahr 2010/11 erholte und die Umsätze um drei Prozent auf 55,1 Mio. Euro anzogen, sackten die Erlöse in Deutschland um 13,4 Prozent auf 44,1 Mio. Euro ab. Voll erwischt hat es den Büromöbelhersteller in Russland mit Umsatzeinbußen von 36,8 Prozent auf 14,9 Mio. Euro. „In Russland ist die Krise zeitverzögert voll angekommen. Auch hier haben wir mittlerweile die Bodenbildung erreicht“, sagte Wiegmann.

Mit dem Ausbau der Bene-Partnerschaften, dem Fokus auf neue Märkte, einem direkten Vertriebssystem und einem Vollsortiment will sich der Büromöbelhersteller weiter den Weg an die Spitze erkämpfen.

In Österreich ist Bene nach eigenen Angaben Marktführer, weltweit habe man sich in den vergangenen 14 Jahren von Platz 24 auf Platz 5 hochgearbeitet, beruft sich Wiegmann auf eine unabhängige Studie. Nummer 1 ist der US-Hersteller Steelcase.

Sich unabhängiger von Wirtschaftszyklen zu machen - diese Lehre zieht Bene aus den vergangenen beiden Jahren. Helfen soll dabei ein breiteres Produktsortiment.

Mit Drehstühlen und Polstermöbeln (PARCS-Serie), die in Deutschland gefertigt werden, erzielt das Unternehmen bessere Margen. Ihren Anteil am Umsatz will Bene weiter steigern.

Produkte mit hoher Marge:  Drehstühle und Polstermöbel

Qualitativ hochwertige Büromöbeln werden laut Frank Wiegmann künftig an Bedeutung gewinnen: „Aus internationalen Umfragen wissen wir, dass sich ein Drittel der Mitarbeiter für ihr Büro schämt. Viele wollen schon jetzt beim Bewerbungsgespräch ihren künftigen Arbeitsplatz sehen. Im Kampf um die besten Plätze wird das immer wichtiger.“