Samtene Katzenlieder von den "Buben im Pelz"

Erstellt am 23. November 2017 | 04:59
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David Pfister und Christian Fuchs (vorne, v.l.) kennt man vom Radiosender FM4. Als Buben im Pelz waren sie am Samstag mit Begleitband und neuem Album „Katzenfestung“ im Bertholdsaal Weyer zu Gast.
Foto: Kössl
Die Buben im Pelz brachten im Bertholdsaal Weyer verwienerischte Songs von Velvet Underground und Material ihres aktuellen Albums „Katzenfestung“ zu Gehör.

Die wirklich großen Songs der Pop- und Rockmusik in den heimischen Dialekt zu übertragen, gelingt nur den ganz Großen der Austropop-Zunft – Wolfgang Ambros mit seinen Bob-Dylan-Vertonungen sei an dieser Stelle genannt und natürlich Austrofred. Meist scheitern die Interpreten aber an den zu großen Fußstapfen.

Auch jene Combo, die am Samstag im Bertholdsaal Weyer konzertierte, hat damit zu kämpfen. Als Die Buben im Pelz haben die beiden FM4-Moderatoren Christian Fuchs und David Pfister auf ihrem ersten Album nämlich dort weitergemacht, wo sie als Neigungsgruppe Sex, Gewalt und gute Laune einst aufgehört haben – dem Verwienerischen von Rock- und Popsongs.

Diesmal hat man sich jedoch keinen Pete-Doherty-Hadern, sondern nichts weniger als das gesamte erste Velvet-Underground-Album – die Banane am Cover wurde zum Würstel – zur Brust genommen. Aus dem Drogen-Beschaffungs-Song „I’m Waiting For The Man“ wurde da „I fohr zum Schwedenplatz“ und aus „I’ll Be Your Mirror“ „Tiaf wia a Spiagl“.

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Foto: Kössl

Das Ergebnis ist jedoch durchwachsen und geht sich auch live nur bedingt aus. Bei schnelleren Nummern, wie besagtem „Schwedenplatz“, „Renn Renn Renn“ („Run Run Run“) und mit Abstrichen bei „Femme Fatale“ oder der Bandnamen gebenden „Venus im Pelz“ („Venus in Furs“) geht das noch ganz gut, bei einem elegisch-intimen Stück wie „Sonntag Morgn“ („Sunday Morning“) scheitert man jedoch auf ganzer Linie – vor allem wegen der gesanglichen Beschränkungen der beiden Front-Buben.

Herzblut und Rockstar-Pose

Das wurde am Samstag auch im Bertholdsaal deutlich, auch wenn die Herren Fuchs und Pfister da mit jeder Menge Herzblut und einem starken Bewusstsein für die gezielt gesetzte Rockstar-Pose ans Werk gingen. Ob Lou Reed tatsächlich im Grab rotiert, wie die beiden Sänger das zu Beginn des Sets vermutet hatten, muss offen bleiben. Womöglich hätte es dem alten Grantler sogar gefallen.

Durchwegs besser kamen live die Stücke der aktuellen BubenPlatte „Katzenfestung“ rüber, eine Sammlung von Eigenkompositionen, die von breitbeinigem Stoner-Rock („Katzenfestung“) über US-College-Rock („Endloser Sommer“) bis zu schwelgerischen Balladen („Alles Leben ist Chemie“) reicht.

So bot sich dem Publikum, nicht zuletzt wegen der hervorragenden Backingband, ein gelungener Konzertabend im Zeichen des verschwitzten Rock’n’Rolls. Als Zugabe gab es noch Adaptionen der Babyshambles („G’fickt für immer“), von MGMT („Scheene Leich“) und Sinead O’Connor.

Angeheizt wurde der Abend von den Steirern Crashing Satellites und ihren den 90er- und Nuller-Jahren verpflichteten Indie-Rock-Songs.