Opponitz

Erstellt am 06. Februar 2019, 05:01

von Andreas Kössl

Opponitzerin radelt 2.650 Kilometer für guten Zweck. 2.850 Kilometer radelt die Opponitzerin Karin Harlacher, um ein Bewusstsein für die Krankheit Neurofibromatose zu schaffen.

Die fünfjährige Lara Dobner (vorne, mit Mutter Viktoria Dobner) leidet an Neurofibromatose. Mit ihrer Radtour möchte die Opponitzerin Karin Harlacher ein Bewusstsein für diese noch viel zu wenig beachtete Krankheit schaffen.  |  privat

Wenn es die Zeit und die Witterung zulassen, fährt Karin Harlacher seit der Eröffnung des Ybbstalradwegs die rund 15 Kilometer von Opponitz nach Waidhofen mit dem Fahrrad in die Arbeit. Im April und Mai sowie im Juli des heurigen Jahres möchte die Opponitzerin auf zwei Etappen aufgeteilt 2.850 Kilometer mit dem Rad zurücklegen. Von Donau-eschingen in Deutschland soll es auf dem Donauradweg vom Ursprung der Donau über Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien bis nach Rumänien zur Donaumündung ans Schwarze Meer gehen.

Auf familiärer Spurensuche

Noch nie hat die 48-Jährige, die beruflich bei der Steuerberatungskanzlei Kastner&Schatz als Bilanzbuchhalterin und Lohnverrechnerin tätig ist, eine Radtour in dieser Größenordnung unternommen. Anlass für ihre Reiseplanung war der Tod des Vaters im September des Vorjahres. Martin Harlacher wurde in Weißkirchen (Bela Crkva, im ehemaligen Banat) geboren, während des Zweiten Weltkriegs im Alter von fünf Jahren aber vertrieben.

Nach einer kaum vorstellbaren Odyssee landete er mit einem Teil seiner Familie in einem Barackenlager in Amstetten. In Amstetten besuchte Martin Harlacher dann die Volksschule und erlernte den Tischlerberuf. Später wechselte er zu den ÖBB. „Mein Vater hatte keinen leichten Start ins Leben“, sagt Harlacher. „Er hat über diese Zeit aber nie viel geredet. Erst die letzten Jahre hat er mehr davon erzählt.“ Mit der Tour am Donauradweg möchte sich die Opponitzerin nun auf eine familiäre Spurensuche begeben.

Spendensammeln für Neurofibromatose

„Da mein Vater ein sehr hilfsbereiter Mensch war, der sich unter anderem bei der Bergrettung, bei der Rettung und bei den Naturfreunden engagiert hat, hatte ich die Idee, diese Radreise mit einem guten Zweck zu verbinden“, sagt Harlacher. So möchte sie ihre Fahrt auf dem Donauradweg nutzen, um auf die Krankheit Neurofibromatose aufmerksam zu machen und Spenden zu sammeln.

Ausschlaggebend dafür war ihre Arbeitskollegin Viktoria Dobner, Lohnverrechnerin bei Kastner&Schatz, deren Tochter Lara an dieser seltenen und noch viel zu wenig beachteten Krankheit leidet.
Als Lara eineinhalb Jahre alt war, erhielt die Neuhofner Familie nach einem Gentest die Diagnose, dass Lara Neurofibromatose Typ 1 (NF1) hat. Ein Jahr später wurde dann im Zuge einer MRT-Untersuchung und einer augenärztlichen Kontrolle ein Tumor am Sehnerv von Laras linkem Auge entdeckt. Die Sehkraft des Mädchens sank rapide ab. Eine Chemotherapie wurde gestartet und für Familie Dobner begann eine 18-monatige Reise in eine ungewisse Zukunft, voller Rückschläge, großer organisatorischer Herausforderungen und Entbehrungen für das kleine Mädchen. So durfte Lara wegen der Infektionsgefahr nicht mit anderen Kindern spielen.

Zum Glück zeigte die Behandlung aber letztlich ihre Wirkung und Laras Auge begann sich zu erholen. Die Sehleistung verbesserte sich langsam von fünf auf 60 Prozent.
Mittlerweile ist Lara fünf Jahre alt und besucht den Kindergarten in Neuhofen. „Die Narben der Chemotherapie sind kaum noch zu erkennen“, sagt ihre Mutter. „Lara entwickelt sich gut. Es gibt natürlich leichte Einschränkungen, aber sie ist sehr aufgeweckt und geht mit Freude in den Kindergarten.“

Von Donaueschingen in Deutschland wird Karin Harlacher am Donauradweg 2.850 Kilometer über Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien bis nach Rumänien ans Schwarze Meer radeln.  |  Bardocz Peter/Shutterstock.com; NÖN-Grafik: Bischof

Zur Seite stand Familie Dobner während der schweren Zeit der Therapie und des Bangens vor allem ihre Familie, aber auch Viktoria Dobners Arbeitgeber kam ihr sehr entgegen. „Durch die Unterstützung meiner Arbeitgeberin konnte ich meine Arbeitszeit frei einteilen, sodass ich die Therapien meiner Tochter bzw. jegliche Arzttermine ohne zusätzlichen Druck begleiten konnte“, sagt die 32-Jährige. Der Familie geht es nun darum, darüber aufzuklären, dass Neurofibromatose jeden treffen kann. „Selbst in unserem kleinen Ort gibt es zwei bekannte Fälle von NF1“, sagt die Neuhofnerin.

Ganz wichtige organisatorische Unterstützung bekam Familie Dobner vom in Wien ansässigen Verein NF Kinder. Diesem sollen die Spenden, die im Zuge der Radtour von Karin Harlacher lukriert werden, zugutekommen. In Kooperation mit der medizinischen Universität Wien betreibt der Verein in Wien zwei Tage pro Woche ein NF-Expertise-Zentrum.

„Ziel ist es, für jeden geradelten Kilometer einen Euro zu sammeln. Wir freuen uns über jede noch so kleine Spende.“Karin Harlacher, Opponitz

„Ziel des Vereins ist es, ein Bewusstsein für die Krankheit zu schaffen und durch Forschung bessere Behandlungsmethoden und Medikamente zu ermöglichen“, sagt Karin Harlacher.
„Um den Verein seinem Ziel, NF durch Forschung zu besiegen, ein Stück näher zu bringen, verbinde ich meine Radtour mit einer Spendenaktion. Ziel ist es, für jeden geradelten Kilometer einen Euro zu sammeln. Wir freuen uns über jede noch so kleine Spende.“

Unternehmen, die für mehrere Tagesetappen spenden, werden im Reisebericht bei der Abschlussfeier namentlich und mit Logo erwähnt, wobei eine Tagesetappe etwa 100 Kilometer entspricht.

Symbolisch übergeben werden sollen die Spenden dann im Zuge einer Abschlussfeier am 15. August am Ybbstalradweg beim Strandbad Göstling.

„Und wer möchte, kann auf meiner Radtour gerne auch ein Stück für den guten Zweck mitfahren,“ lädt Karin Harlacher ein.