Noch nicht ausgedient: Telefonieren wie anno dazumal. Es gibt sie noch: die guten alten Telefonzellen. Eine NÖN-Recherche, wo sie stehen, und wer sie eigentlich noch nutzt.

Von Hermann Knapp. Erstellt am 07. März 2021 (04:06)
Rechts: Gemeinderätin Christa Dorner und Bürgermeister Martin Schlöglhofer bei der neuen Telefonzelle in Aschbach. Links eingeklinkt: Die Telefonzelle beim Pfarrgarten-Parkplatz in Waidhofen an der Ybbs wurde schon 2010 zu einer Stromtankstelle umgebaut.
Hudler (Aschbach) bzw. Kössl (Waidhofen/Y.)

Am Hauptplatz von Amstetten wird gerade die in die Jahre gekommene Telefonzelle erneuert und auch am Marktplatz in Aschbach wurde kürzlich eine ausgetauscht. „Der Gesetzgeber schreibt vor, dass es eine gewisse Anzahl von öffentlichen Telefonzellen geben muss. Genutzt wird sie bei uns aber wohl nur sehr selten“, sagt Bürgermeister Martin Schlöglhofer. „Ich glaube eigentlich, dass kaum jemand davon Notiz nimmt.“

„Die Telefonzellen-Nutzer sind vor allem Jugendliche, Handybesitzer mit leerem oder defektem Akku, Menschen mit geringem Einkommen und sehr oft Touristen.“ A1-Pressesprecherin Sigrid Bachinger

Dass der Bedarf an Telefonzellen im Handyzeitalter stark zurückgegangen ist, bestätigt man auch bei A1. Tatsächlich verpflichtet der Staat in der sogenannten Universaldienstverordnung das Unternehmen aber dazu, eine flächendeckende Versorgung mit öffentlichen Sprechstellen aufrechtzuerhalten.

„Insgesamt betreibt A1 noch rund 10.000 Telefonzellen in Österreich. Fast in jeder Gemeinde steht zumindest eine“, berichtet A1-Pressesprecherin Sigrid Bachinger.

Hauptsächlich findet man Telefonzellen an Orten öffentlichen Interesses und an neuralgischen Punkten wie zum Beispiel Bahnhöfen oder Fußgängerzonen.

Gemeinderätin Christa Dorner und Bürgermeister Martin Schlöglhofer bei der neuen Telefonzelle in Aschbach.
Hudler

„Die Nutzer sind vor allem Jugendliche, Handybesitzer mit leerem oder defektem Akku, Menschen mit geringem Einkommen und sehr oft Touristen“, sagt Bachinger. Im Bezirk Amstetten stehen derzeit, laut A1, insgesamt noch 110 (davon allerdings 28 indoor). Somit kommt etwa eine Telefonzelle auf 1.000 Einwohner.

In der Stadt Amstetten ist der Schnitt höher, denn da gibt es laut A1 noch 30 Fernsprechanlagen, jene in den Ortsteilen nicht mitgezählt. Wie oft sie genutzt werden, hängt auch vom Standort ab, der oft historisch gewachsen ist. „Wir passen ihn aber auch laufend dem Bedarf an. Zu Verlegungen kommt es zum Beispiel öfter im Zuge von Ortsumgestaltungen“, erklärt die A1-Sprecherin.

Eine Stromtankstelle in Waidhofen

Neuerdings werden Telefonzellen auch als Stromtankstellen genutzt: Seit Mai 2010 hat A1 in ganz Österreich knapp 40 Ladestationen für E-Fahrzeuge errichtet.

Die Telefonzelle beim Pfarrgarten-Parkplatz in Waidhofen wurde schon 2010 zu einer Stromtankstelle umgebaut.
Kössl

Im Bezirk Amstetten gibt es eine Stromtankstelle, und zwar in Waidhofen an der Ybbs beim Pfarrgarten-Parkplatz. Über einen Touchscreen kann man dort auch im Internet surfen.

Einige Telefonzellen-Standorte wurden auch in A1-Paket-Stationen umgewandelt. Im Bezirk gibt es zwei: in Amstetten (Am Frachtenbahnhof 3) und in St. Valentin (Westbahnstraße 29).

Manche Telefonzellen erfüllen inzwischen auch längst eine andere Funktion und wurden zum Beispiel zu Bücherzellen umgestaltet. So kann man sich etwa im Hofmühlpark in Hausmening, am Hauptplatz in Mauer oder vor der Post und am Freisingerberg in Waidhofen kostenlos mit Lesestoff versorgen oder eigene Bücher in der Zelle deponieren.

Auch in Seitenstetten gibt es beim Kinderspielplatz beim Bauhof eine Bücherzelle, die von Gemeindemitarbeitern umgebaut wurde und auch einen neuen Anstrich erhalten hat. Ein früheres Standardwerk sucht man dort allerdings vergebens: das gute alte Telefonbuch.