Biebers Fenster zur Natur

Erstellt am 12. Juli 2011 | 00:00
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Foto: NOEN
INTERVIEW / Intendant Thomas Bieber zieht im NÖN-Gespräch mit Leo Lugmayr Bilanz über den Klangraum und kündigt Gidon Kremers Rückkehr zu Projekt:natur an.

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Intendant Mag. Thomas Bieber bereitet das Herbstfestival Projekt:
natur vor: Da Gidon Kremer nicht zu toppen ist, kommt er dieses Jahr wieder. ZVG
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NÖN: Das Klangraumfestival schlug heuer alle Rekorde: Prominente Künstlerinnen sorgten für einen ausverkauften Kristallsaal. Ist der Intendant zufrieden?

Bieber: Ja, sehr. Es waren fünf wunderbare Abende, an denen viel Musik passiert ist. Musik, die wirklich berührt. Ein Beispiel: Bei Alina Pogostkina dachte ich gar nicht mehr an ein Recital mit Violine und Klavier, da stand nicht mehr die Virtuosität einer Violinsolistin mit ihrer Stradivari im Vordergrund, da ging es nur noch um pure Musik. Das macht sehr glücklich, und ich glaube, vielen Besuchern ist es bei den Konzerten ähnlich ergangen wie mir. Glück im Unglück war die spontane Zusage von Ildiko Raimondi, für die erkrankte Daniela Fally einzuspringen. Was für eine wunderbare Stimme!

NÖN: Da stellt sich die Frage nach Plänen. Gibt es für das Herbstfestival Projekt:natur schon ein Programm?

Bieber: Das Programm ist fertig und wird in den nächsten Tagen präsentiert.

NÖN: Ist das Programm von 2010 mit Gidon Kremer, Baiba und Lauma Skride, Elisabeth Möst und Netnakisum überhaupt noch zu toppen?

Bieber: Da Gidon Kremer nicht zu toppen ist, kommt er dieses Jahr wieder. Er hat sich ja in Waidhofen sehr wohl gefühlt. Auch Herbert Schuch besucht uns, er war die Sensation bei unserem piano forte-Zyklus, als er für die erkrankte Mihaela Ursuleasa eingesprungen ist. Herbert Schuch ist übrigens Gewinner dreier großer, internationaler Klavierwettbewerbe. Spannend wird auch unser Konzert in den ehemaligen Fabrikshallen der Filterbau GmbH in Waidhofen. Freundlicherweise werden uns die leeren Fabrikshallen für ein letztes Konzert zur Verfügung gestellt. Es erklingen Bachs Goldberg Variationen in einer Fassung für Streichtrio, mit elektronischen Interventionen von Karlheinz Essl. Danach wird das Gebäude abgerissen. Unser neuer Philharmoniker Herbert Maderthaner wird die Oboe in ihrer Vielfalt vorstellen, Emily Cox, die Tochter des Winzerkönigs, wird rezitieren. Und Ausnahmeposaunist Dave Taylor wird sich gemeinsam mit dem Tubisten Jon Sass zu einem Improvisationshappening treffen. Das ist aber erst die Hälfte des Programms.

NÖN: Haben Sie besondere Wünsche für den Herbst?

Bieber: Viele zufriedene Besucher, dann bin ich wunschlos glücklich.

NÖN: Wie steht es wirtschaftlich? Alle Festival-Verantwortlichen jammern, dass die Sponsoren aus der Wirtschaft auslassen.

Bieber: Das trifft zum Teil leider zu. Ein großes Problem ist immer ein Wechsel in den Führungsetagen. Die neuen Geschäftsführer unterstützen ganz selten die Projekte der Vorgänger.

Und neue Unternehmen als Sponsoren zu gewinnen, ist heute um ein Vielfaches schwieriger. Glücklicherweise halten uns viele Sponsoren, auch große Unternehmen aus der Region, die Treue. Manchmal haben wir auch das Glück, von zukünftigen Sponsoren angesprochen zu werden, dass sie unsere Festivals gerne unterstützen würden. Das sind dann schon sehr schöne Momente.