Bürger gegen Handymast

Erstellt am 24. Juli 2012 | 00:00
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Web-Artikel 114
Foto: NOEN
FUNKMAST / Der Baustart für den umstrittenen A1-Handymast im Kematner Heidewald ist erfolgt. Interventionen von Anrainern und Politik blieben bisher erfolglos.

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Unterstützt von ÖVP-Bürgermeisterin Juliana Günther und SPÖ-Ortschef Dieter Fischböck verliehen die Anrainer vergangenen Donnerstag im
Kematner Heidewald mit Schildern ihrem Unmut über den geplanten A1-Handymast Ausdruck.KÖSSL
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VON ANDREAS KÖSSL

KEMATEN / Die gut 40 Bewohner des Kematner Ortsteils Niederhausleiten, die sich vergangenen Donnerstag in der Früh im Heidewald zusammengefunden haben, sind entrüstet. „Uns wurde signalisiert, dass der Handymast hier nicht aufgestellt wird“, so Mario Helperstorfer, einer der Betroffenen. Am Dienstag vergangener Woche fuhr jedoch ein Bautrupp in der Forstheide auf, um mit der Errichtung des umstrittenen A1-Handymastes zu beginnen. „Still und heimlich“, wie Helperstorfer kritisiert, schließlich sei der angedachte Standort von der B122 kaum einsehbar.

Kurzerhand organisierten die Anrainer eine Bürgerversammlung, um auf ihr Anliegen aufmerksam zu machen: Der Funkmast unweit einer Wohnsiedlung und eines Kinderspielplatzes soll verhindert werden. Die Anrainer befürchten gesundheitsgefährdende Strahlung. Geplant ist der Funkmast der Telekom Austria in Kematen schon lange – um die Netzqualität zu verbessern, wie man seitens der Telekom angibt. Hier ansässige Firmen hätten dies gewünscht.

Alternativstandort auf  anderer Seite abgelehnt

Ursprünglich sollte der Handymast auf der gegenüberliegenden Straßenseite ebenfalls in der Nähe einer Siedlung errichtet werden. Dies wurde aber vor den Gemeinderatswahlen 2010 verhindert. Im Herbst 2011 brachte die Telekom dann den jetzigen Standort aufs Tapet.

250 Unterschriften wurden von den Anrainern dagegen gesammelt und der Gemeinde übergeben. Diese schlug daraufhin der Telekom einen Alternativstandort ca. 300 Meter entfernt, ybbsseitig in einer Schottergrube, vor. Ohne Erfolg: Vergangene Woche wurde mit der Errichtung des Mastes begonnen.

„Wir haben hier Haus gebaut und jetzt das. Neben der Strahlung bedeutet das auch einen Wertverlust für uns“, so eine Anrainerin verzweifelt. Dabei sei der Handy-Empfang einwandfrei. Dass die Telekom den vorgeschlagenen Alternativstandort ablehnt, deutet sie als „Machtspiel“. Ebenfalls bei der Bürgerversammlung mit dabei waren Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) und SPÖ-Ortschef Dieter Fischböck, die die Anliegen der Anrainer unterstützen. Bis zum Wochenende führte die Ortschefin noch zahlreiche Gespräche mit der Telekom, weitere Gespräche wurden für Montag nach Redaktionsschluss angesetzt. „Wir bemühen uns intensiv darum, den Bau zu verhindern“, so Günther. Als Gemeinde habe man jedoch rechtlich keine Handhabe. Vorwürfe hagelt es von SP-Obmann Fischböck: Das Vorhaben der Telekom sei der Gemeinde schon wochenlang bekannt gewesen. „Jetzt ist es fünf nach zwölf. Wir hätten vorher schon viele Möglichkeiten gehabt.“

Von Seiten der Telekom hieß es am Freitag, dass die Gemeinde stets in die Standortfindung eingebunden gewesen sei. Man habe alle Bescheide und Genehmigungen und werde deshalb den Handymast an diesem Standort errichten. Wegen gesundheitlicher Bedenken brauche sich niemand Sorgen machen, da alle geltenden Sicherheitsnormen strikt eingehalten werden.