Regionales Brauhandwerk aus Waidhofen an der Ybbs

Erstellt am 13. August 2022 | 04:06
Lesezeit: 4 Min
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Seit zwei Jahren brauen Manuel Herzog und Mathias Stockinger (von links) nun gewerblich mit ihrem 200-Liter-Kessel.
Foto: Musa-Rois
Herz-Inger Bräu will die Vielfalt der Biergeschmäcker wiederbeleben.

Als Reaktion auf die Vorherrschaft einiger weniger Großbrauereien entstand in den 1970er-Jahren, ausgehend von den USA, die sogenannte Craft-Beer-Szene. Unter Craft-Brauereien versteht man kleine, unabhängige Brauereien, die meist das handwerkliche Können und den kreativen Aspekt des Brauens betonen.

Craft-Beer-Boom auch im Ybbstal

Mittlerweile hat der Craft-Beer-Boom längst Europa erreicht und ging auch am Ybbstal nicht spurlos vorbei. Seit nunmehr zwei Jahren gibt es in Waidhofen Herz-Inger Bräu. Die Firmengründer und Namensgeber Manuel Herzog und Mathias Stockinger verbindet eine langjährige Freundschaft und die Liebe zum Bier. So entstand vor etwa fünf Jahren auch die Idee, sich selbst als Brauer zu versuchen. Manuel Herzog erinnert sich: „Wir saßen in einem Lokal, haben eine Runde bestellt und uns dann gesagt: So geht es nicht weiter, wir können und wollen das Bier, das es überall gibt, so nicht mehr trinken, das können wir besser!“

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Das „Waidhopfener Helle“ ist eines der beliebtesten Biere von Herz-Inger Bräu.
Foto: Herz-Inger Bräu

Herzog und Stockinger begannen also mit einem 50-Liter-Kessel ihre ersten Biere zu brauen. Nachdem diese durchwegs positive Reaktionen im Freundeskreis und in ihren Familien hervorriefen, schlossen die beiden Brauer nach ein paar Jahren den Entschluss, ihre Produktion zu vergrößern und ein Gewerbe anzumelden. „Wir haben dann in einen 200-Liter-Kessel investiert und damit arbeiten wir jetzt“, erzählt Stockinger. Im Jänner 2020 wurde dann die Firma Herz-Inger gegründet. Ihre Produkte fanden auch bald regen Absatz, unter anderem nahm ein beliebtes Waidhofner Lokal das Bier auf seine Getränkekarte. „Schlosswirt Andreas Plappert war unsere erste dauerhafte Kundschaft“, erinnert sich Stockinger.

Die Regionale Verwurzelung ihrer Bierkreationen ist den Brauern auch ein großes Anliegen, wie Herzog erklärt: „Wir bekommen immer mehr positives Feedback aus Waidhofen, besonders freuen sich unsere Kunden, dass es bei uns wieder regionales Bier gibt. Wir versuchen vor allem regional präsent zu sein. Sei es beim Craft Beer Festival im Waidhofner Schlosshof oder bei ,Wein findet Stadt‘. Es ist unsere Heimatstadt, wir sind stolze Waidhofner und wollen auch ein Waidhofner Bier brauen.“

Weihnachtsbock war bisher aufwendigstes Bier

Eines der beliebtesten Biere von Herz-Inger ist das „Waidhopfener Helle“. Die Craft-Brauer bieten aber auch ein Weißbier, ein Pale Ale, ein IPA namens „Hopfala“, einen relativ leichten, auch für die warme Jahreszeit geeigneten Maibock und einen Weihnachtsbock an. „Das ist unser aufwendigstes und, wie ich finde, bestes Bier“, schwärmt Herzog. „Dabei wird zum Beispiel die Würze gestachelt, um den Zucker zu karamellisieren.“ „Dadurch erhält das Bier leichte Karamellnoten“, ergänzt Stockinger. „Es wird dann im Neufass vergoren und für drei Monate gelagert. Je länger im Fass gelagert wird, umso milder ist der Fassgeschmack.“

Auf die Zukunftspläne für Herz-Inger Bräu angesprochen, meint Herzog: „Wichtig ist für uns vor allem die Qualität. Wir wollen klein, aber fein bleiben, gute Biere brauen und für unsere Kunden immer wieder neue Kreationen entstehen lassen – dies verleiht unserer Brauerei ihren Charakter! Natürlich ist es gut, ein wenig zu wachsen, aber das Wichtigste ist und bleibt für uns die Qualität. Wir legen besonders großen Wert auf erstklassige Rohstoffe, damit die Ergebnisse für unsere Kunden Gaumenfreuden auf hohem Niveau bereithalten.“ Stockinger ergänzt dazu: „Es ist einfach eine Herzensangelegenheit!“

Das kreative und handwerkliche Element steht dabei für die Craft-Brauer im Vordergrund. Es gilt aber auch einige alteingesessene Trinkgewohnheiten der Bevölkerung zu durchbrechen. „Wir müssen weg von dem Einheitsbier in Österreich“, sagt Herzog. „Wir müssen wieder hin zu einer Vielfalt, zu den vielen Geschmäckern, die Bier ja kann.“ Ein schwieriger Punkt ist auch, dass Bier in den Köpfen vieler Leute als Billiggetränk abgespeichert ist, solche Preise aber bei handwerklicher Herstellung nicht erzielt werden können. Hier würden sich die Brauer ein Umdenken wünschen.

Die Biere von Herz-Inger sind derzeit direkt von der Brauerei ( herz-inger.at ) sowie in der Vinothek „Flaschenpost“ in Waidhofen erhältlich.