Die Diskutanten

Erstellt am 26. Februar 2013 | 00:00
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Von Andreas Kössl WAIDHOFEN / Im Zuge der herannahenden Landtagswahl lud die NÖ Landesschülervertretung in Kooperation mit der NÖN am Freitag in die HAK Waidhofen zur Podiumsdiskussion.

Von Andreas Kössl

Im Zuge der herannahenden Landtagswahl lud die NÖ Landesschülervertretung in Kooperation mit der NÖN am Freitag in die HAK Waidhofen zur Podiumsdiskussion. Rund 200 Schüler nutzten die Möglichkeit, sich zu informieren.

Am Podium stellten sich mit Lukas Michlmayr (ÖVP), Sebastian Schuller (SPÖ), Karl-Heinz Knoll (FPÖ) und Hikmet Arslan (Grüne) Vertreter aller im Landtag vertretenen Parteien der Diskussion. HAK-Schülerin Angelika Groß, die sich auch in der Landesschülervertretung engagiert, stellte die Fragen. Die Diskutanten hatten eine Minute Zeit zu antworten.

Grundsätzlich einig war man sich, dass die Veränderung der politischen Landschaft durch das Antreten zahlreicher kleiner Fraktionen eine Bereicherung darstellt. Michlmayr und Schuller kamen in diesem Zusammenhang jedoch nicht umhin, Kritik am Antreten des „Team Stronach“ zu äußern. Er habe ein Problem damit, wenn „gut situierte Herren“ sich Politiker kaufen würden, so Schuller. Was mache das für Sinn, wenn Stronach jetzt kandidiere und am 4. März wieder Richtung Kanada unterwegs sei, fragte Michlmayr.

Einig war man sich auch darüber, dass man den öffentlichen Verkehr in der Region weiter forcieren müsse. Das Top-Jugend-Ticket des Landes sei eine gute Sache, solle aber auch in Oberösterreich gelten, so Michlmayr. Eine Ausweitung forderte auch Schuller. Wichtig sei aber auch eine Verbilligung für Studenten und eine höhere Taktfrequenz der Öffis. Ein Jahresticket um 365 Euro bzw. ein Tagesticket für einen Euro für ganz NÖ regte Arslan an. Was die Finanzierung betreffe, so finanziere man sehr viel, das sei eine Frage der Einstellung, so der Grüne. Knoll beklagte die Einstellung der Ybbstalbahn, das Buskonzept als Ersatz sei der falsche Weg.

Emotional wurde es erstmals, als das Gespräch auf die vielzitierte Politikverdrossenheit zu sprechen kam. Das Land NÖ habe Wohnbaugelder verzockt, so der Vorwurf von FP-Mandatar Knoll. Genau das sei der Grund für die Politikverdrossenheit, so Michlmayr. Da werde populistisch mit Zahlen herumgeworfen. Obwohl dies zugegebenermaßen weniger als erwartet gewesen sei, habe man 800 Millionen Euro Gewinn gemacht. Außerdem hätten SPÖ und FPÖ die Veranlagungen mitbeschlossen. Das stimme zwar, man habe aber „massiv andere Werte erreicht als vereinbart“, so Schuller, und forderte, aus den Rohstoffbörsen auszusteigen. Die Spekulation auf Nahrungsmittel sei ein Verbrechen. „Mit Steuergeldern spekuliert man nicht“, so der Grüne Arslan dazu.

Ebenfalls nicht ohne Emotionen ging es her, als Schüler Markus Reitmann die Themen Asyl und Integration in die Runde warf. Man müsse Menschen, die Asyl suchen, Schutz bieten, so Arslan. Der Begriff Asylant sei jedoch, auch durch die FPÖ, mittlerweile nur negativ besetzt. Menschen, die Asyl suchen, seien „natürlich herzlich willkommen“, so FP-Gemeinderat Knoll, gegen „Asylmissbrauch“ gehöre aber vorgegangen. „Ich glaube nicht, dass Strache das auch so sieht, dass Asylsuchende herzlich willkommen sind“, konterte Schuller.

Auf die Frage, welcher anderen Partei man jeweils am nächsten stehe, gingen die Grünen als eindeutiger Gewinner hervor. Sowohl Schuller als auch Michlmayr präferieren eine grüne Zusammenarbeit, während Arslan sich in sozialen Belangen der SPÖ am nächsten sieht. Lediglich zur FPÖ wollen die Vertreter der drei übrigen Fraktionen Abstand wahren. „Eine Partei, die seit 1950 nicht weitergedacht hat, ist nicht spannend“, so Schuller. Kuschelkurs mit den dreien schlägt auch FPÖ-Mann Knoll keinen ein. Er fühlt sich in Waidhofen der UWG am nächsten.

Die Diskutanten

Lukas Michlmayr (ÖVP): Der 25-jährige Bezirksobmann der Jungen Volkspartei und Gemeinderat in Haag kandidiert an fünfter Stelle der ÖVP-Bezirksliste für die Landtagswahl. Der Student setzt im Kampf um Vorzugsstimmen neben persönlichen Gesprächen auch auf das Internet.

Sebastian Schuller (SPÖ): Der Amstettner Gemeinderat und stellvertretende Bezirksvorsitzende der Sozialistischen Jugend kandidiert auf dem siebenten Platz der SPÖ-Bezirksliste für die Landtagswahl. Jugend und Soziales sind Schwerpunktthemen des 24-jährigen Krankenpflegers.

Karl-Heinz Knoll (FPÖ): Der Waidhofner Bezirksparteiobmann ist schon mit 18 Jahren der FPÖ beigetreten. Knoll ist Verkaufsleiter bei der Firma Joka und sitzt seit 2003 im Waidhofner Gemeinderat. Er kandidiert an dritter Stelle auf der Bezirksliste.

Hikmet Arslan (Die Grünen): Der türkischstämmige Gemeinderat aus Neunkirchen ist studierter Politikwissenschafter. Er ist als Mitarbeiter der Landesgeschäftsführung der Grünen tätig. Arslan kandidiert in Neunkirchen an zweiter Stelle der Bezirksliste.