Die Wasserzähler kommen

Erstellt am 12. Juli 2011 | 00:00
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GEMEINDERAT / Wasserversorgungsanlage in St. Georgen am Reith wird bis Jahresende saniert. Damit endet die wasserzählerlose Zeit. ÖVP blitzte mit Dringlichkeitsantrag ab.
VON STEFAN HACKL

ST. GEORGEN/REITH / Es war eine historische Sitzung, die vergangenen Freitag im Sitzungssaal der Gemeinde St. Georgen am Reith stattfand. 47 Jahre nachdem Reither Mandatare eine Wasserleitungsordnung abgesegnet hatten, die den Einbau von Wasserzählern vorschrieb, vergab der Gemeinderat tatsächlich den dafür notwendigen Auftrag: 35 Wasserzähler werden im Ortsteil Reith, 75 in Kogelsbach installiert. Die Zeit, in der die Bezieher eine verschwindend geringe, aber von Haushalt zu Haushalt unterschiedliche jährliche Pauschalsumme für das kühle Nass entrichteten, ist ab Anfang 2012 Geschichte. St. Georgen am Reith verabschiedet sich als letzte Gemeinde in Niederösterreich von einer Ära ohne Wasserzähler. Wir beenden damit einen rechtswidrigen Zustand, atmete Bürgermeister Helmut Schagerl (SPÖ) auf. Wir haben uns jahrzehntelang erfolgreich gegen genau diese Maßnahme gewehrt, seufzte ÖVP-Frakionschef Klaus Hobiger.

Seit Jahren Probleme  mit dem Trinkwasser

Der nur mit den Stimmen der Sozialdemokraten gefasste Beschluss verdeutlichte einmal mehr: Das Thema Wasser entzweit die Gemeindepolitik wie kein anderes. Dabei ist die Faktenlage für Außenstehende alarmierend: Seit Jahren haben jene Haushalte im Ortszentrum, die an die Kleine Reithbachquelle angeschlossen sind, massive Probleme mit dem Trinkwasser. Mehrmals wurden bei Untersuchungen Keime nachgewiesen. Die Gemeinde erließ Verordnungen, die das Abkochen des Wassers vorschrieb. Eine Sanierung der Quelle, die früher dem Blindenverband (ÖBSV) und nun dem Landwirt Herbert Danner gehört, debattierten SPÖ und ÖVP schon vor der Gemeinderatswahl 2010 heftig. Am Freitag vergab der Gemeinderat - gegen das geschlossene Votum der Volkspartei - nun die konkreten Firmenaufträge. Die 110 Wasserzähler baut die Firma Kraft aus Göstling ein, Kostenpunkt: 29.890 Euro. Die Installation der beiden Hochbehälter, der Drucksteigerungs- und Desinfektionsanlage erledigt ein oberösterreichisches Unternehmen um 37.064 Euro. Sämtliche Baumeister- und Erdarbeiten verrichtet die Firma Geischläger aus Göstling (109.977 Euro). Mit Kosten für Planung und Bauaufsicht liegt man derzeit bei Gesamtkosten von 196.000 Euro, 14.000 Euro bleiben als Reserve.

Der Bau soll noch heuer abgeschlossen werden, das neue Gebührensystem mit Anfang 2012 gelten. Zuvor soll es intensive Beratungen für die Bürger geben. Jeder kann die Pläne bei mir einsehen, versprach der Ortschef.

VP-Dringliche kam nicht  auf die Tagesordnung

Die ÖVP war mit ihrem Dringlichkeitsantrag schon zu Sitzungsbeginn abgeblitzt. Ohne Diskussion hatte die SPÖ gegen eine Aufnahme auf die Tagesordnung gestimmt. Klaus Hobiger hatte für eine Auslagerung der Reither Versorgungsanlage an eine noch zu gründende Wassergenossenschaft plädiert: Damit hätten wir die Möglichkeit, keine Wasserzähler zu verordnen. Eine Genossenschaft hätte auch Anspruch auf mehr Fördermittel und könnte Eigenleistungen einbringen. Dieser Weg würde eine Teilung zwischen Kogelsbach und St. Georgen am Reith mit sich bringen, entgegnete Schagerl im NÖN-Gespräch.

Für das Projekt nimmt die Gemeinde 140.000 Euro auf. Förderzusagen - vorerst nur mündliche - liegen von Bund und Land vor. Behandelt wird das Reither Ansuchen in der Herbstsitzung des Wassserwirtschaftsfonds.