„Ehrenamt ist Ehrensache“

Erstellt am 08. Februar 2011 | 00:00
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PORTRÄT / Pater Georg Haumer ist kein „Gwandlkurat“. Bei Einsätzen schlüpft der Benediktiner in Uniform und ist bei Wettkämpfen in der Neunergruppe aktiv dabei.

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Aktiver Feuerwehrkurat Pater Georg Haumer: „Da muss jeder Griff sitzen, denn die Kameraden verlassen sich aufeinander.“LUGMAYR
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VON LEO LUGMAYR

YBBSITZ / „Ich wollte immer schon Feuerwehrmann werden, aber in Wolfsbach, wo ich aufgewachsen bin, gab es keine Jugendfeuerwehr.“ Der Ybbsitzer Kaplan Pater Georg Haumer zögert nicht, wenn die Sirene heult. Als Feuerwehrkurat schlüpft er in den Drillich, um bei Löscharbeiten, technischen Ausrückungen oder beim Katastropheneinsatz mit anzufassen. Als vergangene Woche in Opponitz das Müllsammelzentrum niederbrannte, war der Ybbsitzer Kaplan in Feuerwehr-Montur vor Ort.

„Wenn man mit Einsatz Gefahr und Arbeit teilt, wird man als Kamerad und erst in zweiter Linie als Priester wahrgenommen“, sagt Haumer. Im Jänner 2006 war er nach einem Gespräch beim Feuerwehrball als Probefeuerwehrmann der FF Ybbsitz beigetreten. Grundausbildung und Prüfungen sowie Schulungen zur Funkerausbildung folgten.

„Wenn Einsätze belasten, bin  ich als Seelsorger gefragt“

Ob sein Dienst als Priester mit dem Einsatz kollidiert? Pater Georg: „Aus der Messe kann ich natürlich nicht weglaufen, wenn ein technischer Einsatz ruft.“ Aber da gebe es auch bei seinen Kameraden berufliche Beschränkungen. Als Benediktinermönch ist ihm nach dem Ordensgrundsatz „Ora et labora („Bete und arbeite“) körperliche Anstrengung jedenfalls nicht fremd. „Man weiß ja, wofür man arbeitet, in der Pfarre genauso wie bei der Feuerwehr.“ Gerade bei belastenden Einsätzen ist er als Seelsorger gefragt: „Wenn die Kameraden etwa bei einem Verkehrsunfall nicht mehr helfen konnten oder eine Ausrückung das Unglück eines Bekannten betraf, dann reden wir oft noch stundenlang darüber.“

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Pater Georg durchlief alle Schritte der Ausbildung. Auch die Funkerkurse absolvierte er.
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Pater Georg: „Ehrenamt ist  eben eine Ehrensache“

Über die eigentlichen Einsätze hinaus engagiert sich Pater Georg Haumer auch beim Training und bei Wettkämpfen in der sogenannten „Neunergruppe“, mit der er freitags trainiert. Das silberne Leistungsabzeichen hat die Gruppe kürzlich erworben: „Das stärkt die Gemeinschaft.“

Freiwilligkeit steht für den Feuerwehrkurat heute hoch im Kurs. „Ehrenamt verstehe ich aus der christlichen Haltung heraus. Es ist wichtig für die Gesellschaft, hat Wert, und Menschen wachsen damit.“

Dass er kein „Gwandlkurat“ ist, der nur zu Zeugsegnungen und Feldmessen ausrückt, bewertet Haumer auch als ein Ergebnis glücklicher Umstände: „Nur dadurch, dass wir in der Pfarre zwei Seelsorger sind, lässt sich mein Engagement bei der Feuerwehr zeitlich irgendwie unterbringen.“