„Es ist etwas paradox“

Erstellt am 24. April 2014 | 00:00
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Foto: NOEN, Kössl
NÖN-Gespräch / Der Ybbsitzer Bürgermeister Josef Hofmarcher über Straßenverlegung und Nostalgiebahn, fehlenden Zuzug und Bildung, Hochwasserschutz und anstehende Feste.

NÖN: In Ybbsitz hat man mit der Generalsanierung der Neuen Mittelschule ein großes Projekt am Laufen. Wie weit ist man da?

Bürgermeister Josef Hofmarcher: Grundsätzlich ist uns die Bildung in Ybbsitz sehr wichtig. Erst vor eineinhalb Jahren haben wir den Kindergarten-Neubau eröffnet. Bei der Generalsanierung der Hauptschule sind wir nun in die fünfte Saison gestartet: Nachdem der Klassentrakt neu gestaltet wurde, folgt nun die Generalsanierung des Turnsaals. Ab September soll dieser dann wieder benutzbar sein. Der Turnsaal ist uns sehr wichtig – nicht nur für die Schule, sondern auch für die Vereine und für unsere Jugend.

Auch die Verlegungsarbeiten an der B22 schreiten voran.

Aufgrund der günstigen Witterung und dem guten Zusammenwirken von Straßenbauabteilung und Baufirma ist man genau im Zeitplan. Bereits im Juni soll die Straße seiner Bestimmung übergeben werden.

Der Radweg daneben wird dann auch bereits im Juni wieder befahrbar sein?

Die Wiederherstellung des Radwegs ist natürlich Teil dieses Straßenausbauprojekts. Die Straße wird so weit zum Berg rücken, damit auch bachseitig entsprechend Raum für den Radweg ist.

Wo aber verläuft das sechs Meter breite Infrastrukturband, welches nach der Abtragung der Bahngleise erhalten werden soll? Da gibt es doch gewisse Engstellen.

Es ist so, dass vom Asphaltband der Bundesstraße 1,5 Meter frei bleiben und ab dort dann diese sechs Meter frei gehalten werden. Auf einer Länge von etwa 600 bis 700 Metern wird der Radweg auf diesem Infrastrukturstreifen verlaufen.

Was halten Sie von der Nostalgiebahn zwischen Waidhofen und Ybbsitz, die nun im Raum steht?

Der Verein Radwegverband Ybbstal hat den Bahnfreunden angeboten, dass das Trassenband bereitsteht, sollte es ein genehmigungsreifes Projekt geben und die Finanzierung geklärt sein. Bis jetzt habe ich da noch nichts vorliegen.

Ist das nicht ein Problem, wenn der Radweg dann auf Teilen dieses Trassenbandes verläuft?

Probleme sind grundsätzlich dazu da, dass sie gemeistert werden. Und wenn die Betreiber guten Willens sind, dann können – bei einer professionellen Planung – die Herausforderungen genau festgestellt und Aufwendungen bewältigt werden.

Wie ist der derzeitige Stand beim Kauf des Bahnhofs? Dieser wurde zuletzt von der Gemeinderats-Tagesordnung runtergenommen.

Das haben wir abgesetzt, damit keine Missstimmung in die weiteren Gespräche hineinkommt. Es ist wichtig, dass das Areal im öffentlichen Besitz bleibt. Ich habe immer gesagt, sollte es hier ein genehmigungsreifes Projekt geben, bei dem die Finanzierung gesichert ist, dann hat die Gemeinde, sollte sie die Besitzerin des Areals sein, sicher kein Problem damit, die dafür notwendigen Bereiche bereitzustellen.

Inwiefern hat man in Ybbsitz mit Abwanderung zu kämpfen?

Der Begriff Abwanderung stimmt nicht ganz. Wir haben mit einem massiven Geburtenrückgang zu kämpfen. Es ist etwas paradox. Wir haben eine gute Arbeitsplatzsituation, im Vergleich eine geringe Arbeitslosigkeit, aber die Leute werden weniger. Was wir brauchen, sind junge Familien mit Kindern und Zuzug. Da geht es darum, dass man Wohnraum schaffen muss.

Wie schaut es da aus? Welche Projekte sind hier am Laufen?

Grundsätzlich sind wir ja gut aufgestellt. Wenn bei uns jemand eine Wohnung sucht, dann hat er eine kurze Wartezeit. Wir sind aber auch gerade dabei, das Haus des Lebens zu errichten. Hier werden 27 betreubare Wohnungen geschaffen. Das gesamte Projekt wird vom Verein AGYL begleitet. Langfristig wünscht man sich dort ein Mehrgenerationenhaus. Das war immer schon mein Ziel. Wir streben dabei an, auch das Zentrum zu verdichten, damit es Leben im Ortskern gibt.

Gibt es auch Baugründe?

Hier ist die Situation etwas schwierig, weil wir Hochwasser- und Rutschgebiete haben. Es gibt wenige Flächen, die geeignet sind bzw. muss man diese erst bekommen.

Ybbsitz setzt ja nun schon seit Jahren erfolgreich auf das Schmieden. Was wird in diesem Zusammenhang heuer geboten?

Das Schmieden ist unsere Einzigartigkeit und die leben wir auch. Wir haben die Schmiedeweihnacht, den Messermarkt, das Fest „Wein trifft Eisen“ und das FERRACULUM, das alle zwei Jahre stattfindet. Heuer steht dieses unter einem besonderen Stern: 150 Jahre Gesangsverein Ybbsitz werden gefeiert. Im Zuge des FERRACULUMs findet auch der feierliche Abschluss der Arbeiten beim sogenannten „Schwarzen Haus“ statt. Hier entsteht eine Schmiedeherberge, welche großzügigerweise von Frau Kommerzialrat Waltraud Welser finanziert wird.

Welche Projekte werden derzeit noch in der Gemeinde umgesetzt?

Da uns der öffentliche Verkehr sehr wichtig ist, schaffen wir derzeit Verbesserungen im Haltestellenbereich. Nach Ostern wird in der Ortsmitte mit dem Bau einer Busbucht Richtung Waidhofen begonnen. Auch im Gurhof und beim Sportplatz werden neue Haltestellen angelegt.

Wie steht es mit dem Hochwasserschutz?

Hier tut die Gemeinde sehr viel. Eine positive Entwicklung gibt es beim Prollingbach. Da geht man jetzt in Zusammenarbeit mit den betroffenen Grundeigentümern in die Detailplanung. 2016 könnte mit dem Bau begonnen werden. Die dafür nötigen Fördermittel wurden uns vom Lebensministerium in Aussicht gestellt.

Werden Sie 2015 wieder als Bürgermeister kandidieren?

So fern ich gewählt werde, werde ich gerne bereitstehen weiter für die Marktgemeinde Ybbsitz und ihre Bürger zu arbeiten.