Pfeifkonzert für Kickl in Seitenstetten. 200 Demonstranten empfingen Ex-Innenminister lautstark in Waidhofen.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 21. September 2019 (18:27)

Einen Empfang der weniger freundlichen Art bereiteten gut 200 Demonstranten am Samstagnachmittag Ex-Innenminister Herbert Kickl in Waidhofen an der Ybbs. Der Spitzenkandidat der FPÖ NÖ war mit FPÖ-Bezirksobfrau Edith Mühlberghuber und etwa 30 weiteren Parteifreunden am Samstag Vormittag von Garsten (OÖ) in die Ybbstalmetropole geradelt, um am Freisingerberg vor Sympathisanten zu sprechen. Erwartet wurde er jedoch von einem Pfeifkonzert.

Zeichen gegen Intoleranz und Rassismus

Die Initiative "Waidhofen stellt sich quer" hatte kurzfristig zum Protestempfang geladen, um ein friedliches Zeichen gegen Intoleranz, Rassismus und rechte Hetze zu setzen. Rund 200 Bürger aus dem gesamten Ybbstal folgten dem Aufruf.

"Wir sind laut,
wir sind mehr,
denn Waidhofen stellt sich quer!

Rechte Hetze darf nicht sein,
Herbert Kickl radle heim!" skandierten die Demonstranten in Richtung des Ex-Innenministers.

Kickl wettert gegen Demonstranten

So übertrieben freundlich dieser den Demonstranten zuwinkte, so scharf fiel dann auch seine Rede an die etwa 50 FPÖ-Sympathisanten wenige Meter - und ungehört von den Demonstranten - entfernt aus. "Die sind zwar die Lauteren, aber wir sind die Gescheiteren", wetterte Kickl. "Die Hälfte von denen ist ja noch nicht einmal wahlberechtigt. Die wurden wohl  aus dem ganzen Land hergekarrt, um zu demonstrieren. Damit haben sie die CO2-Bilanz ordentlich in die Höhe getrieben." Auch gegenüber manchen Lehrern äußerte sich der Ex-Innenminister abfällig. Diese "linken Vögel" würden die jungen Leuten einer Gehirnwäsche unterziehen, schimpfte er. "Demonstrieren ist keine Heldentat. Wir sind die Mutigen. Denn wir stehen für eine Politik des Hausverstands."

Auf seiner Radtour war Kickl aber auch schon vor Waidhofen auf Demonstranten gestoßen. In Seitenstetten hatte ein überparteiliches Bündnis zum Protest aufgerufen. Unter dem Motto:  "Zwickl statt Kickl - Kundgebung gegen Rechtsextremismus" hatten sich, laut Veranstalter, rund 150 Leute im Ortszentrum versammelt, um ein Zeichen gegen den Rechtsruck in der Gesellschaft zu setzen. In den Reden von Mitgliedern der Grünen Seitenstetten, der KPÖ Seitenstetten und der Sozialistischen Jugend wurde vor allem die Solidarität mit denen beschworen die „an der Hetze und Ausgrenzung durch Kickl, Hofer und die FPÖ betroffen sind“, wie die Redner formulierten. Sie forderten eine Gesellschaft „ohne Ausgrenzung und neofaschistische Tendenzen in der Platz für ein würdevolles Leben für alle ist.“

Die gesammelten Spenden gehen an die Organisation „Obdach Wien - Einrichtungen für Flüchtlingshilfe“.

Mehr dazu in der Print-Ausgabe der Ybbstaler NÖN.