Gasthaus

Erstellt am 19. Februar 2013 | 00:00
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Sanierung der Hauptwasserleitung notwendig.
Von Andreas Kössl

WAIDHOFEN / Zu einem massiven Wasserrohrbruch kam es in den Morgenstunden des vergangenen Montags in der Waidhofner Wiener Straße etwas unterhalb der Ampelanlage zum Parkbad. In etwa drei Metern Tiefe barst die städtische Wasser-Haupttransportleitung. Der plötzliche Druckabfall alarmierte das städtische Wasserwerk, dessen Mitarbeiter in kürzester Zeit vor Ort waren und umgehend mit den Reparaturarbeiten begannen.

Das austretende Wasser strömte den Berg Richtung Kreisverkehr hinab und drang in den Gasthof „Zum Halbmond“ ein. Die Häuser davor seien von der Überschwemmung nicht betroffen gewesen, berichtet Waidhofens Feuerwehrkommandant Johann Neubauer. Der Eingang zum Wirtshaus befinde sich jedoch am tiefsten Punkt.

Gaststube, Küche und Extra-Zimmer des Traditionswirtshauses standen knöchelhoch unter Wasser. Die Feuerwehr führte die Abpumparbeiten durch. Bis in die Abendstunden war „Halbmond“-Wirt Andreas Mischitz mit den Aufräumarbeiten beschäftigt. Überall war Schlamm. Da Montag Ruhetag sei, habe man noch „Glück im Unglück“ gehabt, so Mischitz und zeigt sich erleichtert, dass der Gasthaus-Betrieb trotz des Unglücks uneingeschränkt weitergehen kann.

Versicherung der Stadt kommt für Schaden auf 

Der angerichtete Schaden ist jedoch enorm. Dafür aufkommen soll die Haftpflichtversicherung der Stadt Waidhofen. Die Schadenshöhe steht derzeit noch nicht fest.

Die notwendigen Schritte seien bereits in die Wege geleitet worden, so Bürgermeister Wolfgang Mair und bedauert den Sachschaden. „Es handelt sich um einen Versicherungsfall. Auch wenn dies nur ein kleiner Trost für die Familie Mischitz als Pächter des traditionsreichen Gasthauses ist, so sollte sich dadurch der finanzielle Schaden in Grenzen halten“, so Mair.

„Halbmond“-Eigentümerin Berta Zacharias bangt um die historische Holzverkleidung, die seit über 140 Jahren den Gasthof schmückt, ebenso wie um den alten Lärchenboden in der Gaststube. Die Folgeschäden des Wassereintritts seien hier nicht zu übersehen, der Lärchenboden beginne bereits, sich zu wölben. „Hier ist ein historisches Kulturgut in Gefahr“, so Zacharias, „ich erwarte mir die bestmögliche Unterstützung seitens der öffentlichen Hand.“

Der Wasserrohrbruch vom Montag ist nun schon der dritte derartige Zwischenfall entlang der Wiener Straße innerhalb kürzester Zeit. So barst die Hauptwasserleitung im August auf Höhe des Gasthauses Hehenberger, Ende September kam es nur wenige Meter von der aktuellen Stelle zum Wasserrohrbruch.

Die Hauptleitung sei Mitte der Siebzigerjahre verlegt worden. Trotz einer prognostizierten Lebensdauer von rund 50 Jahren sei es aufgrund der Zunahme des Schwerverkehrs kombiniert mit Temperaturschwankungen in der Wiener Straße immer wieder zu Bruchstellen gekommen, heißt es aus dem Magistrat. Derzeit werde an einem Sanierungskonzept gearbeitet. Verschiedenste Verlegungsvarianten werden geprüft. Für Infrastruktur-Stadtrat Martin Roseneder (SPÖ) hat die Sanierung der Hauptwasserleitung in der Wiener Straße oberste Priorität: „Die Fakten liegen am Tisch. Jetzt muss gehandelt werden“, so Roseneder. Eine vor einem Jahr seitens des Wasserwerks durchgeführte Risikoanalyse habe äußerst schlechte Werte für das Gebiet ergeben. Roseneder rechnet mit Sanierungskosten ab einer Million Euro.

Handlungsbedarf bei Leitungssanierung

Diese Sanierung befindet sich noch nicht im aktuellen Budget, wohl jedoch im mittelfristigen Finanzplan. Finanzstadtrat Werner Krammer kann sich hier eine Umschichtung im Nachtragsvoranschlag vorstellen. Da die Verlegung der Straße bei der Firma Bene verschoben werde, könne man hier das eine vorziehen und das andere nach hinten verlegen. Denn rascher Handlungsbedarf sei zweifelsohne gegeben.

Seitens der WVP plädiert man für eine Verbandslösung, bei der sich die Gemeinden des Wasserverbunds Ybbstal an der Sanierung beteiligen. Es gebe „grundsätzliche Überlegungen“ seitens der Stadt Waidhofen dem bestehenden Wasserverbund Ybbstal beizutreten, so Krammer. Dabei gelte es, eine Reihe technischer Details zu klären, darunter falle auch die bestehende Hauptwasserleitung. Diese führe ja auch durch andere Gemeinden. Außerdem sei angesichts der im Sommer anstehenden Sanierung der Mühlstraße eine Gesamtlösung anzustreben.

„Halbmond“-Eigentümerin Zacharias fordert darüber hinaus entsprechende Maßnahmen im Bereich der Kanalisation, um in diesem Abschnitt Oberflächenwasser abzuleiten und die Gefahr abzufangen. In den letzten Jahren habe man durch den Straßenumbau im Sommer im Zuge von Unwettern mindestens zwanzig Mal das Wasser in der Wirtsstube gehabt. Pläne würden sich bereits in der Schublade befinden, passiert sei jedoch bis jetzt mit dem Verweis auf Sparmaßnahmen noch nichts. Es gelte, ein „historisches Kulturgut für die Öffentlichkeit zu erhalten“.

Im Zuge des Gesamtprojekts werde man sich hier die einzelnen Situationen anschauen und diese auf ihre technische Umsetzbarkeit prüfen, so Krammer.