Waidhofen/Ybbs: Badeplatz ließ Wogen hochgehen

Erstellt am 30. Juni 2021 | 05:25
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Waidhofen/Ybbs: Badeplatz ließ Wogen hochgehen
Beim Schlusswort von Stadtchef Werner Krammer (Mitte) war der Platz von SPÖ-Stadtrat Erich Leonhartsberger (rechts) bereits leer. Der SPÖ-Fraktionschef verließ die Gemeinderatssitzung verärgert vorzeitig.
Foto: Kössl
Tagesordnungspunkt via Dringlichkeit erhitzte Gemüter. SPÖ und Liste FUFU bemängelten fehlendes Miteinander der WVP.

Erst am Ende der Gemeinderatssitzung, die am Montag nach längerer Zeit erstmals wieder in physischer Form im Kristallsaal des Rothschildschlosses über die Bühne ging, gingen die Wogen hoch. Grund dafür war ein Tagesordnungspunkt, der es via Dringlichkeitsantrag auf die Agenda schaffte.

Es ging um die Unterfertigung eines Pachtvertrags mit der Familie Weitmann, der es ermöglicht, einen öffentlichen Ybbs-Badeplatz auf der Zell zu installieren. Dabei handelt es sich um eine 1.221 Quadratmeter große Fläche stadtauswärts kurz vor der Weitmannbrücke, im Bereich des Feuerwehr-Containers. Die Familie Weitmann stellt den Grund unentgeltlich zur Verfügung, die Stadt investiert 8.873 Euro für kleine Adaptierungen.

Badeplatz soll offiziell werden

Das Areal, das derzeit schon als Badeplatz genutzt wird, soll nun offiziell der Bevölkerung zugänglich gemacht werden. „Ich sehe das als Legalisierung eines Zustandes“, sagte Bürgermeister Werner Krammer (WVP). Es war jedoch nicht die Sache an sich, die für Aufregung sorgte, sondern die Tatsache, dass die Opposition über das Vorhaben nicht eingeweiht war.

„Die Ybbs hat zweifellos großes Potenzial als Naherholungsort“, sagte SPÖ-Vizebürgermeister Armin Bahr. „Wir haben das Thema auch vor Kurzem aufs Tableau gebracht. Dass die WVP da nun aufspringt, finde ich gut. Noch besser wäre es allerdings, wenn man uns auch miteinbeziehen würde.“ Beim letzten interfraktionellen Gespräch sei davon nämlich noch kein Sterbenswörtchen zu hören gewesen, hielt der SPÖ-Chef fest.

Kritik auch von Dowalil

FUFU-Stadtrat Martin Dowalil schloss sich der Kritik an. „So ist das eben im Feudalismus. Wenn der Sonnenkönig sagt, das ist so, dann ist das eben so“, meinte Dowalil in Richtung des Stadtchefs. „Ich wünsche mir wirklich eine bessere Zusammenarbeit und nicht dieses Pseudo-Miteinander.“ Es seien in der Sache bis zuletzt noch etliche Dinge ungeklärt gewesen, wehrte sich Bürgermeister Krammer.

„Beim interfraktionellen Gespräch hatte ich das für heuer gar nicht mehr am Radar. Erst heute habe ich erfahren, dass die Familie Weitmann dem Vertrag zustimmt.“ Deshalb habe man den Beschluss noch kurzfristig auf die Tagesordnung genommen, sagte der Stadtchef. Im übrigen sei die Installierung von Ybbs-Badeplätzen ja kein Geheimnis, sondern im Stadterneuerungskonzept verankert.

„Ich verstehe die Aufregung nicht“, meinte WVP-Vizebürgermeister Mario Wührer und konnte sich einen Seitenhieb nicht verkneifen. Die Presseaussendung der SPÖ zur Nutzung der Ybbs habe mehrfach für Aufsehen gesorgt, sagte Wührer. „Zuerst macht man eine Presseaussendung, aber dann bringt man eh nichts zusammen.“

Dagegen verwehrte sich SPÖ-Mandatarin Katharina Bahr. Der SPÖ sei es aufgrund ihrer Mandatszahl nur möglich, Ideen zu äußern. „Darum wollen wir ja eine Zusammenarbeit, damit wir Ideen umsetzen können“, sagte Bahr. WVP-Fraktionsführer Franz Sommer versuchte zu beschwichtigen. „Das Projekt ist ein Gutes.“ Es mache Sinn, es noch jetzt vor den Sommerferien umzusetzen.

SPÖ-Stadtrat verlässt verärgert Sitzung

SPÖ-Fraktionschef Leonhartsberger wollte sich damit nicht zufrieden geben. Er verließ verärgert die Sitzung. Letztendlich wurde der Tagesordnungspunkt mit den Stimmen von WVP, FPÖ und Grünen beschlossen. SPÖ und Liste FUFU enthielten sich der Stimme.

Nach der Sitzung glätteten sich die Wogen zwischen WVP und SPÖ wieder. Nach einem klärenden Gespräch stellten beide Seiten klar, dass man sich in der Sache einig sei und zusammenarbeiten wolle.

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