Alte Technik, in Ybbsitz neu entdeckt

Erstellt am 27. März 2017 | 09:51
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Adi Tazreiter zeigt zwei ihrer Quilts, die sie in mühevoller, monatelanger Handarbeit herstellt und danach verschenkt.
Foto: NOEN, Doris Schleifer-Höderl
Vor Jahren hat die Ybbsitzerin Adi Tazreiter das Quilten für sich entdeckt. Vor vier Jahren absolvierte sie einen Kurs, mittlerweile hat sie bereits elf Steppdecken angefertigt.

Bereits im Jahr 1993 ist Adi Tazreiter durch einen Beitrag in einer Frauenzeitschrift auf das Quilten gestoßen. „Damals entstanden im Flüchtlingsheim in Galina in Vorarlberg die Bosna Quilts. Ich war sofort fasziniert, besuchte dann sogar eine diesbezügliche Ausstellung in Gresten und lag schließlich meinen Freundinnen damit in den Ohren, selbst mit dem Quilten zu beginnen“, berichtet Tazreiter. Vor vier Jahren bekam Adi Tazreiter schließlich zum runden Geburtstag einen Quiltkurs in Purgstall geschenkt. Seither hat die Ybbsitzerin bereits elf aufwendige Quilts aus recycelten Stoffresten und alten Herrenhemden gefertigt.

Ein Quilt besteht aus mindestens zwei, in der Regel aus drei Lagen. Oben befindet sich die „Schauseite“, auch „Top“ genannt, ein wärmendes Vlies aus Wolle, Baumwolle, Seide oder Synthetik bildet die Zwischenlage. Die Rückseite oder die Unterseite besteht zumeist aus einer Stoffbahn, bei Adi Tazreiter aus alter Bettwäsche. Die drei Textilschichten werden mit möglichst kleinen Stichen zusammengenäht, um ein Verschieben insbesondere des Volumenvlieses zu verhindern.

Per Hand oder Maschine

Das Nähen kann sowohl mit der Hand als auch mit einer Näh- bzw. Stickmaschine passieren, wobei beide Techniken eine überzeugte Anhängerschaft haben. Adi Tazreiter bevorzugt das Quilten von Hand. Dafür benutzt sie eine kurze, dünne Nadel, deren Stärke sich nach den verarbeiteten Stoffen richtet. Das Erreichen eines gleichmäßigen Stichbilds erfordert Übung, da die Stiche stets gleich lang und auf Vorder- und Rückseite gleichmäßig sein müssen. So kann es oft Monate dauern, bis ein Quilt fertiggestellt ist.

Adi Tazreiter, die Lektorin einer Regionalzeitung ist, hat jedoch keine Eile. „Für mich ist das Quilten Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit. Da vergesse ich ganz die Buchstaben und Satzstellungen und tauche in die Welt des Quiltens ab“, so Tatzreiter.

Liebe zur Handarbeit bereits jung entdeckt

Schon seit ihrer Jugend liebt die heute 53-jährige Mutter von drei Kindern das Handarbeiten. So ist sie auch eine begeisterte Strickerin. Mit der Ybbsitzer Handarbeitsrunde, der insgesamt sieben Damen angehören, organisiert Tazreiter seit drei Jahren auch den Adventmarkt in Wieselburg. „Einmal im Monat kommen wir zusammen und stellen neben Mode und Accessoires eben auch Quilts her. Den Erlös des Adventmarkts spenden wir dann immer wohltätigen Zwecken in der Region“, so Tazreiter.

Und weil Tazreiter das Handarbeiten nicht lassen kann, zieht sie sich demnächst mit Freundinnen für drei Tage ins Landhotel Yspertal zurück, um ihrem Hobby so richtig frönen zu können.

Geschenk an Freunde

Die gefertigten Quilts verschenkt die Ybbstalerin zumeist an Bekannte und Freunde. „Aber nur an solche, die Handarbeit zu schätzen wissen“, so die 53-Jährige. „Was die Wenigsten wissen, ist, dass Quilt stoffe von China ausgehend im gesamten Orient verbreitet waren. Kreuzritter nutzten den Stoff für Wämser, die sie unter der Rüstung trugen, und brachten die Kunst des Quiltens nach Europa. Eine Kältewelle im 14. Jahrhundert in England führte zu einer weiten Verbreitung von Quiltarbeiten bei Kleidung, Decken und Wandteppichen.“

Ein Leben ohne Quilten wäre für die 53-Jährige kaum mehr denkbar. Momentan arbeitet sie an einem Quilt, der demnächst als Babydecke gute Dienste leisten wird.