Hermann Schuller legt alle Ämter nieder

Erstellt am 10. April 2012 | 00:00
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hermann schuller
Foto: NOEN
DIFFERENZEN / WVP berücksichtigte ÖAAB-Teilbezirksobmann bei Nachnominierung nicht. Er zog daraus die Konsequenzen.

VON STEFAN HACKL

WAIDHOFEN / Die Enttäuschung ist dem 58-Jährigen ins Gesicht geschrieben. Vergangene Woche legte Langzeit-Gemeinderat Hermann Schuller alle politischen Ämter zurück – in der Waidhofner Volkspartei ebenso wie beim Arbeitnehmerflügel NÖAAB, wo er seit Ende der 90er-Jahre Teilbezirksobmann für das Ybbstal und seit zwei Jahren Mitglied der Landesleitung war.

„Ich kann gewisse Vorgangsweisen nicht mehr mittragen“, erklärt Schuller. Was war geschehen? Am Montagabend der Vorwoche besetzte der WVP-Stadtparteivorstand die restlichen sechs der insgesamt 20 Gemeinderatssitze nach. Die ersten 14 Personen hatten den Einzug direkt über das Persönlichkeitswahlsystem geschafft.

Schuller: „Habe gehofft,  dass meine Leistung zählt“

Schuller ging davon aus, nachnominiert zu werden, weil er sich seit 1997 im Gemeinderat voll einsetzte, zuletzt im Bereich Verkehr, nachdem ihn Bürgermeister Wolfgang Mair zum persönlichen Verkehrsreferenten bestellt hatte.

Auch zu einer mündlichen Zusage von Parteichef Werner Krammer sei es laut Schuller gekommen. Die ÖAAB-Stadtgruppe mit Obmann Fritz Hintsteiner bestimmte jedoch Volksschuldirektorin Ulrike Bauer und Klinikum-Betriebsrat Karl Streicher für die freien Sitze. „Dafür hat es aber gar keinen richtigen Vorstandsbeschluss des ÖAAB gegeben“, ärgert sich Schuller und betont: „Ich habe mir diesen Schritt nicht leicht gemacht. Das tut mir weh, weil ich immer gerne für die Stadt, die WVP und den ÖAAB gearbeitet habe. Aber irgendwann muss einmal ein Aufschrei gemacht werden.“

Fritz Hintsteiner weist darauf hin, dass auch die Abdeckung der Sprengel bei der Entscheidung eine Rolle gespielt habe. Die Wähler würden sich zudem eine personelle Erneuerung erwarten.

Hintsteiner selbst gab in der Stadtrat-Frage nach: Das dem ÖAAB zugeordnete Mandat von Franz Hofleitner fällt nicht ihm, sondern Beatrix Cmolik zu. Schriftlich festgehalten wurde vom WVP-Parteivorstand allerdings, dass „die nächste frei werdende ÖAAB-Stadtratsposition durch Fritz Hintsteiner besetzt werden wird“.

WVP-Parteichef Krammer hofft, dass Schullers Rückzug nicht endgültig ist: „Die WVP braucht Hermann Schuller im engsten Umfeld. Er ist einer der engagiertesten Menschen, die ich kenne.“