Hick-Hack wegen Ehrenamtsdienst

Erstellt am 30. April 2013 | 00:00
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Ärger / WYLi-Vereinsobmann Bürgermeister Wolfgang Mair kritisiert Aussagen der Vida-Gewerkschaft. Vize Reifecker stimmt zu.
Von Julia Edermyr

WAIDHOFEN / Für Empörung bei WVP und Bürgerliste UWG sorgten Aussagen des Gewerkschaftsvorsitzenden der Vida Horst Pammer. Er hatte unter anderem den Betrieb des mit Ehrenamtlichen geführten Busses WYLi, der statt des Citybuses am Samstag fährt, als Schädigung des Sozialsystems bezeichnet. Es würden keine Versicherungs- und Pensionsbeiträge für die Fahrer bezahlt. Außerdem würden keine Ruhezeiten eingehalten. (Die NÖN berichtete)

Freiwilligenchor, Freiwilligenzentrum – in Waidhofen werde das Ehrenamt hochgehalten, postuliert Bürgermeister Wolfang Mair: „Diese Aussagen sind ein Angriff aufs Freiwilligenamt!“ Vergangenen Samstag wurde kurzfristig eine Pressekonferenz einberufen. Er war jahrzehntelang selbst Gewerkschaftsfunktionär, stellte Mair klar. Eine Gewerkschaft sei wichtig, aber „mit diesen Aussagen schießt die Vida weit über’s Ziel hinaus.“ Der Betrieb des WYLi funktioniere einwandfrei, es werden bei Bedarf auch neue Gebiete dazu genommen. Noch sei man in der Testphase. Fahrer machen das Ehrenamt gerne. Erzürnt über die Aussagen zeigte sich auch Friedrich Rechberger. Die Vida könne man eigentlich nicht ernst nehmen. „Ich habe mich so geärgert, die Gewerkschaft ist ja zum Großteil auch ein Verein!“, sagt Rechberger.

Auch Andreas Hanger (Rotes Kreuz) ist erschüttert: „Wir sind eine streng überparteiliche Organisation. Wenn es heißt, Ehrenamt ist Sozialbetrug, haben wir das Wort zu erheben.“ Hanger ist sich sicher: „Der öffentliche Haushalt ist zu angespannt, als dass es noch mehr staatliche Leistungen geben wird. Das ist der Holzweg.“ Der Bürgermeister betont: „Man sollte das Ehrenamt hochschätzen, sonst wird es bald keines mehr geben.“ Einer der es wissen muss, ist Zugskommandant Andreas Forster von der Feuerwehr Wirts: „Ohne Ehrenamt ginge es nicht.“

Vizebürgermeister Martin Reifecker stimmt den Aussagen Pammers in einer Aussendung teilweise zu. „Ich teile die Ansicht des Gewerkschaft-Vida-NÖ-Vorsitzenden wie denn ein solcher Verein zu einer Förderung der öffentlichen Hand kommt, wo doch keine der Personen, die mit diesem Bus freiwillig fahren – dafür Geld bekommt und damit auch keine Steuern zahlt.“ Er stellt sich die Frage: „Wo hört das auf? Wo dürfen wir dann Vereinsmitglied werden, um eine Leistung zu erhalten?“

Horst Pammer bleibt dabei: „Das von uns Niederösterreichern in ganz besonderer Art gelebte Prinzip der Freiwilligkeit hat auch Grenzen. Kommunale Grundversorgung ist der Kern jeder Gemeinde, da kann es keine Kompromisse geben.“ Er spielt den Ball zurück: „Der Herr Bürgermeister hat übers Ziel geschossen. Wenn ich seine Auffassung von Freiwilligkeit zu Ende denke, dann sollte er zuerst sein Amt freiwillig im Sinne von ohne Entgelt ausüben.“