Várdai begeisterte mit sechs Cellosuiten von Bach. Einzigartiger Solist, einzigartiges Instrument, einzigartiges Programm: Standing Ovations!

Von Red. Ybbstal. Erstellt am 13. Juni 2019 (02:40)
Leo Lugmayr
István Várdai mit seinem einzigartigen Stradivari-Cello „Jacqueline du Pré“, das einen Wert von rund 20 Millionen Euro darstellt.

Nicht oft hat man die Gelegenheit, die sechs Solosuiten für Violoncello von Johann Sebastian Bach, Bachwer-keverzeichnis BWV 1007 bis 1012, an einem Abend hören zu können.

Der Klangraum Waidhofen und Intendant Thomas Bieber machten dies möglich. Am Pfingstsonntag bot man Musikliebhabern dieses ausgesprochene Vergnügen. Noch dazu, wo Bieber für das Konzert einen der gefragtesten jungen Cellisten unserer Zeit, den vielfach ausgezeichneten Ungarn István Várdai, dafür gewinnen konnte.

Aus Rücksicht auf das wertvolle Instrument, auf dem Várdai musiziert, hatte man den Abend aus dem noch zu kalt temperierten alten Benewerk Zell in den Kristallsaal des Rothschildschlosses verlegt. Immerhin handelt es sich bei dem Cello um das legendäre „Jacqueline du Pré“-Stradivari-Cello, benannt nach der ebenso legendären englischen Cellistin. „Es ist das älteste und eines der besten Stradivari-Celli“, verriet der Künstler. Man schätzt es auf einen Wert von rund 20 Millionen Euro, käme es auf den Markt. Gebaut worden war es 1673 in Cremona, noch zwölf Jahre bevor der Thomaskantor selbst das Licht der Welt erblickte. István Várdai ist es von einem privaten Gönner zur Verfügung gestellt worden.

Standing Ovations für Várdai

István Várdai übertraf an Virtuosität alle Erwartungen, gab dem Konzertabend einen Guss und führte die Suiten wie in einer Geschichte zu einem Ganzen zusammen. Mit Standing Ovations wurde der Künstler immer wieder auf die Bühne zurückgefordert. Er spiegelte die Begeisterung: „Dieser Abend wird mir immer in Erinnerung bleiben. Denn ich habe hier in Waidhofen zum ersten Mal in Österreich alle sechs Suiten an einem einzigen Abend gespielt.“

Angesichts der Länge des Konzerts, es erstreckte sich mit zwei Pausen über vier Stunden, reichte man zwischen fünfter und sechster Suite eine außerordentliche Speise, ein Lieblingsgericht, wie es Johann Sebastian Bach selbst geschätzt hat: gekochtes Rindfleisch in Sardellensoße. Intendant Thomas
Bieber war in einem Leipziger Kochbuch aus dem 17. Jahrhundert fündig geworden, Schlosswirt Andreas Plappert hat es zubereitet und damit dem Abend auch noch eine kulinarische Note verliehen.