Kleine Ernte, gute Qualität

Erstellt am 12. Oktober 2010 | 00:00
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Foto: NOEN
Obsternte lief in den letzten Tagen an. Bei Birnen werden nur 30-40 Prozent der üblichen Menge erreicht.

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Seit 14 Tagen läuft die Verarbeitung bei Ferdinand sen. und Ferdinand Litzellachner jun. in Kematen auf Hochtouren: „Die Landwirte kommen gerne zu uns und die Wertschöpfung bleibt in der Region.“HACKL
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VON H. HIRTENLEHNER UND S. HACKL

BEZIRK, YBBSTAL /Als „durchwachsen“ bezeichnet Ing. Andreas Ennser, Obstbaureferent der Bezirksbauernkammer Amstetten, die heurige Birnenernte: „2009 war ein starkes Jahr, daher war heuer ein schwächeres zu erwarten. Das ist nun auch eingetreten: Heuer werden nur 30 bis 40 Prozent einer normalen Ernte erreicht.“

Dennoch ist Ennser insgesamt recht zufrieden: „Es kommt trotzdem jeder Most- oder Safterzeuger zu seinen Birnen - auch in den einzelnen Sorten wie Schweizer Wasserbirne, Rote Pichlbirne oder Dorschbirne. Auch Äpfel gibt es - trotz einer leicht unterdurchschnittlichen Ernte - heuer genug.“

Die meisten Betriebe hätten überdies noch genug Saft, der zu Most vergärt werden kann. Und vor allem habe die Ernte wirklich auch etwas Gutes, betont Ennser: „Die inneren Werte bei Zucker, Säure und Mineralstoffen passen. Schöne sonnige Herbsttage und kühle Nächte sind ideal für die Zuckerbildung. Und wir haben auch tatsächlich bereits sehr schöne Säure- und Zuckermengen gemessen. Die Qualität der Ernte ist sehr gut.“

Für gewisse Sorten würden unter den Bauern auch höhere Preise bezahlt, berichtet Ennser: „Jeder verarbeitende Betrieb ist froh, wenn er genug Birnen in sauberer Qualität zur Verfügung hat. Dafür werden dann, je nach Sorte, auch zehn bis 15 Cent pro Kilogramm bezahlt. Damit wird die Mühe des Obstklaubens abgegolten. Für den Most- oder Schnapserzeuger passt es auch.“

„Direktvermarktung hat  stark zugenommen“
Mostobst, das von den Landwirten nicht verarbeitet oder direkt vermarktet wird, wird von den Lagerhäusern der Region angekauft. Ing. Engelbert Aigner, Geschäftsführer des Raiffeisen-Lagerhauses Amstetten, betont: „In den letzten zehn bis 15 Jahren hat die Direktvermarktung der Landwirte stark zugenommen. Daher sind auch die Überschussmengen deutlich zurückgegangen. Es ist aber sicher auch wichtig, dass auch dieses Obst verarbeitet wird. Deshalb übernehmen wir das Mostobst in allen unseren Betriebsstellen. Das bedeutet für uns zwar einen größeren Arbeitsaufwand, aber für die Bauern ist es eine Serviceleistung, weil sie Birnen und Äpfel nicht so weit transportieren müssen.“

Die alte Regel, dass bei einer kleinen Ernte ein hoher und bei einer großen Ernte ein kleiner Preis zu erzielen sei, stimme allerdings längst nicht mehr, betont Aigner: „Der Preis wird durch den Weltmarkt geregelt, da spielt es keine Rolle, wie viele Birnen es im Mostviertel gibt.“

Als immer wichtigerer Partner der Landwirte entwickelt sich Ferdinand Litzellachners Betrieb in Abetzdorf, Kematen. 50.000 bis 70.000 Kilogramm Obst verarbeitet Litzellachner derzeit pro Tag. Auch er spürt die schwache Ernte: „In Spitzenzeiten verarbeiten wir 120.000 Kilo pro Tag.“ Gerade bei Birnen erhält der Familienbetrieb um die Hälfte weniger angeliefert: „Spätere Sorten kriegt man fast gar nicht.“

Litzellachners Ass im Ärmel: Er zahlt über die gesamte Ernte hinweg einen einheitlichen Preis - heuer sind es 12 Cent pro Kilo für Äpfel und Birnen. 2 bis 2,5 Millionen Kilo wird Litzellachner heuer pressen. Eine Million Liter Birnensaft geht nach Deutschland.