Trockenperiode im Ybbstal: „Wir können nur hoffen“

Erstellt am 30. März 2022 | 04:03
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anton kasser
Anton Kasser, Bürgermeister von Allhartsberg und Bezirksobmann des Bauernbunds, hofft auf Regen für den nun anstehenden Maisanbau.
Foto: Marktgemeinde Allhartsberg
Geringe Niederschlagsmengen bringen Probleme für die Landwirtschaft.

Der ausbleibende Regen beschäftigt derzeit die Bevölkerung und tatsächlich könnte dieser März als der trockenste seit Beginn der Aufzeichnungen 1946 in die Geschichte eingehen. Solche Trockenperioden können Probleme für die Landwirtschaft, die Trinkwasserversorgung und eine erhöhte Waldbrandgefahr mit sich bringen. Die NÖN sprach mit Bauernvertretern über Gründe und Auswirkungen der Trockenheit und wie man mit ihr umgehen kann.

Anton Kasser, Bürgermeister von Allhartsberg und Bezirksobmann des Bauernbunds, schildert die Dringlichkeit der Situation: „Der Frühjahrsanbau steht jetzt an und wo kein Regen, da kein Wachstum.“ Auch wenn die derzeitige Trockenperiode schon ungewöhnlich lange anhält, so ist sie dennoch nicht gänzlich unüblich für die Jahreszeit, wie Josef Aigner, Obmann der Bezirksbauernkammer Amstetten, erklärt: „Man muss nur 20, 30 Jahre zurückblicken und sieht, dass der März meistens eine trockene Zeit war. Der 19. März ist traditionell das Datum für den Haferanbau und dafür muss es trocken sein.“

Dürreperioden betreffen die gesamte Landwirtschaft, wenn auch manche Bereiche unmittelbarer vor Problemen stehen als andere. „Der Mais- und Sojaanbau stünde jetzt gerade großflächig an“, berichtet Kasser, „aber auch im Grünlandbereich ist die Trockenheit ein großes Problem, denn wo kein Regen, da kein Futter.“

Starkregen und Trockenheit tragen zur Erosion bei

Die Landwirte hoffen also auf baldigen Regen und wenn die Meteorologen Recht behalten, soll es auch bald so weit sein. „Wir können nur hoffen“, meint Mario Wührer, Bauernkammerobmann im Bezirk Waidhofen. „In der Landwirtschaft ist das einfach so, dass man wetterabhängig ist. Der Klimawandel macht sich da jetzt bemerkbar, das kann man nicht verleugnen. Gleichzeitig steigen auch die Energiepreise und insgesamt ist das eine starke Belastung für die Landwirtschaft. Wir hoffen also jeden Tag auf Regen und auf Entlastungspakete der Politik.“ Doch nicht jede Art von Regen ist unbedingt gut für die Landwirtschaft, wie Wührer erläutert: „Es soll regnen, es bräuchte auch viel Regen aber keinen Starkregen, sondern langsamen, gemütlichen Regen, der auch in den Boden einziehen kann.“ Speziell der Wechsel zwischen Trockenperioden und Starkregen kann massiv zur Erosion der Böden beitragen. Derzeit erforscht ein internationales Team von Wissenschaftlern dieses Phänomen im Weinviertel. Als eine Form der Absicherung für Landwirte bei witterungsbedingten Ausfällen weist Aigner auch auf die Möglichkeit einer Dürreversicherung hin:. „Im Rahmen der Hagelversicherung kann man mittlerweile auch eine Dürreausfallversicherung abschließen. Politik und Agrarvertretung haben dafür gesorgt, dass es diese Möglichkeit gibt, und sie wird auch von Landwirten genutzt, das muss aber jeder selbst entscheiden. In manchen Gebieten wird derzeit auch versucht, den immer häufiger vorkommenden und länger anhaltenden Trockenheitsperioden durch Bewässerungssysteme entgegenzuwirken. Für unsere Region sind solche Maßnahmen aber weniger geeignet, wie Kasser erklärt: „In Berggebieten ist Bewässerung nicht finanzierbar oder nicht möglich.“ Eine weitere Möglichkeit kann in der Bepflanzung mit angepassten, resistenteren Pflanzen gesehen werden, hier ist es aber schwierig, kurzfristig zu reagieren. „Die Ackerbauern reagieren teilweise schon auf die Klimaveränderung“, erzählt Wührer, „Die Wissenschaft ist hier aber auch noch am Anfang. Es gibt dazu einige Untersuchungen, wichtig ist ja auch, dass das Futter dann für die Tiere passt. Jedenfalls müsste auch eine komplett neue Einsaat gemacht werden, und das ist sehr aufwendig.“

Wasserversorgung und Waldbrandgefahr

Weitere Probleme, die lange Trockenheitsperioden mit sich bringen können, sind eine erhöhte Waldbrandgefahr und Wasserknappheit. In vielen Teilen Niederösterreichs wurde heuer bereits eine Waldbrandverordnung erlassen, so auch im Bezirk Amstetten. Für die Bäume und Pflanzen im Wald sieht Bezirksförster Fritz Hinterleitner durch die derzeitige Trockenheit jedoch noch kein großes Problem, da in dieser Jahreszeit das Wachstum noch sehr eingeschränkt sei und es in tieferen Schichten noch genug Wasser gebe. „Wenn es im April ausreichend regnet, kann sich das alles noch ausgleichen“, hofft Hinterleitner auf einen baldigen Wetterumschwung.

Bezüglich der Wasserversorgung versuchen immer mehr Gemeinden für den Notfall vorzusorgen. In Allhartsberg wurden Trinkwasserbehälter errichtet, die dann von Amstetten aus mit Wasser versorgt werden. „Die erste Etappe der Wasserleitung bis Hausmening ist bereits fertig“, erzählt der Bürgermeister. „Bald soll die Leitung bis Winklarn verlängert werden. Ende Mai wird wahrscheinlich der Baubeginn für die zweite Etappe sein.“

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