Waidhofen/Ybbs: Forderung nach Entlastung für Bauern

Erstellt am 28. September 2022 | 04:15
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UBV-Kammerrat Hubert Buchinger, Bezirksbauernkammer-Obmann Mario Wührer, Bäckermeister Norbert Moshammer, ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser und Kammersekretär Gottfried Losbichler präsentierten die Forderungen der Bauernschaft.
Foto: Kössl
Gemeinsame Resolution von Bauernbund und UBV in der Bezirksbauernkammer Waidhofen, um Teuerung abzufedern.

In ungewohnter Konstellation lud die Bezirksbauernkammer Waidhofen am Freitag zum Pressegespräch in die Bäckerei Moshammer nach Böhlerwerk. Nicht nur ÖVP-Landtagsabgeordneter Anton Kasser, gleichzeitig Bauernbundobmann im Bezirk Amstetten, und Bauernkammer-Obmann Mario Wührer (ebenfalls Bauernbund) brachten dabei die Anliegen der Waidhofner Bauernschaft vor, sondern auch UBV-Landeskammerrat Hubert Buchinger kam zu Wort.

Anlass des Gesprächs waren die aktuellen Teuerungen, von denen durch steigende Energie- und Betriebskosten auch die Landwirtschaft stark betroffen ist. „Am meisten trifft die Landwirte die Entwicklung beim Strompreis“, hielt Kasser eingangs fest. Von Fällen, wo die neue Strompreisvorschreibung eine Steigerung von 18 Cent pro Kilowattstunde auf 1,02 Euro vorsieht, wusste Wührer zu berichten. „Das ist eine Verteuerung um fast das Sechsfache. Das ist nicht mehr tragbar.“

Kostenausgleich für Landwirtschaft gefordert

40 Jahre lang habe sich an den Preisen für Milch und Fleisch nichts geändert, meinte Buchinger. „Mit Corona hat sich die Situation zwar etwas gebessert, nun wird aber die Energie wahnsinnig teuer“, beklagte der UBV-Mandatar. „Wir können uns die Landwirtschaft nicht mehr leisten. Da werden wohl einige aussteigen.“

Buchinger fordert deshalb einen Kostenausgleich von Bund und Land für die Landwirtschaft. Da die Landwirtschaft und die lebensmittelverarbeitenden Betriebe in der Region stark voneinander abhängen, wurde auch Bäcker Norbert Moshammer eingeladen, seine Sicht der Dinge darzulegen.

„Uns ist es ein Anliegen, regional einzukaufen“, hielt der Unternehmer fest. „Durch die Teuerung bei Gas und Strom um das Fünf- bis Sechsfache wissen wir aber langsam nicht mehr, wie wir kalkulieren sollen, damit wir unsere Produkte auch noch dem Endkunden anbieten können“, sagte Moshammer und verwies darauf, dass der Handel zusätzlich die Preise drücke. „Das Problem ist, dass wir wie bei Butter oder Obers nur Tagespreise haben und nicht wissen, wie sich der Herbst entwickelt.“ Zudem bekomme man derzeit keine Mitarbeiter. Sechs Stellen sind in dem Familienbetrieb derzeit offen.

Privatpersonen seien in Sachen Teuerung durch diverse Unterstützungsmaßnahmen im Grunde gut versorgt, meinte Kasser. „Bei der Landwirtschaft und den Handwerksbetrieben zwickt es jedoch. Hier braucht es eine rasche Lösung.“ Der ÖVP-Landtagsabgeordnete hielt jedoch auch fest, dass zuletzt bei der Dieselversorgung und der Sozialversicherung Erleichterungen für die Landwirte beschlossen worden seien und sich auch der Milchpreis gut entwickelt habe. Druck brauche es hingegen, um den Ausbau von Photovoltaikanlagen weiter voranzutreiben und so die Energiewende zu schaffen.

Was Kasser und die anderen Bauernvertreter nicht verstehen, ist die Diskussion auf EU-Ebene, Energie aus Biomasse – im Gegensatz zu Atomenergie – künftig nicht mehr als „Erneuerbare Energie“ einzustufen. „Zum Glück wurde das im EU-Parlament zuletzt noch abgewendet. Falls das aber kommen sollte, fallen viele aus den Förderungen raus, das wäre dramatisch“, hielt Kasser fest. Angeschnitten wurde auch die Herkunftskennzeichnung von Lebensmitteln. Eine solche brauche es auch in der Gastronomie, hielt Kasser fest.

Die Forderungen der Ybbstaler Bauernvertreter sollen in eine Resolution an die Landwirtschaftskammer NÖ einfließen, die in der nächsten Vollversammlung am 12. November von Bauernbund und UBV beschlossen werden soll. „Wir wollen damit ein gemeinsames Signal setzen“, sagte Wührer und Buchinger meinte: „Es freut mich, dass der Bauernbund und der UBV hier einer Meinung sind.“

Kritik an der ÖVP-Bauernschaft konnte sich der UBV-Kammerrat aber dennoch nicht verkneifen. „Der UBV ist nur den Wählern und den Landwirten verpflichtet, der Bauernbund hingegen auch der ÖVP-Fraktion“, meinte er. „Deshalb steht die Landwirtschaft finanziell so schlecht da.“

Nach dem Pressegespräch legte Buchinger der NÖN noch weitere Forderungen des UBV vor, darunter den Ausstieg Österreichs aus den Russland-Sanktionen. Das werde der Bauernbund sicher nicht mittragen, stellte Wührer klar.