„Mit viel Geschick umgesetzt“

Erstellt am 23. September 2010 | 13:12
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Musikschulen des Bezirks haben sich großteils gut auf neue Förderrichtlinien eingestellt. Nur wenige Erwachsene mussten den Unterricht beenden.

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VON H. HIRTENLEHNER UND S. HACKL

BEZIRK, YBBSTAL /Unterschiedliche Erfahrungen haben die Musikschulleiter des Bezirks mit der Umstrukturierung der Förderungen des Landes NÖ gemacht. Mit dem neuen Schuljahr werden ja Einzelstunden für Erwachsene nicht mehr gefördert.

Am stärksten trifft diese Änderung offenbar die Musikschule Amstetten.

Pussecker: „Bei zwei Lehrern

sind noch Stunden frei“

„Von den 30 bis 35 erwachsenen Schülern nehmen jetzt eben viele Privatunterricht. Schlimm ist es in ein paar Einzelfällen, in denen sich junge Erwachsene das nicht leisten können. Natürlich schauen wir, dass wir die Erwachsenen möglichst in geförderten Vierergruppen unterbringen. Aber die Entwicklung geht eben jetzt schon weg von der Qualität hin zur Massenabfertigung“, kritisiert Robert Pussecker, Leiter der Musikschule Amstetten.

Eine nicht geförderte Erwachsenenstunde würde in Amstetten 218 Euro kosten. Inzwischen kämen die meisten Lehrer aber trotz der neuen Regelung wieder auf ihre gewohnte Stundenanzahl, berichtet Pussecker: „Nur bei zwei Klavierlehrern sind noch Stunden frei.“ Insgesamt könnte die Zahl der Schüler, die sich zwischen 600 und 700 bewegen wird, aber sogar steigen.

Auch in der Musikschule Aschbach werden viele Erwachsene künftig in Vierergruppen unterrichtet, einige haben ihre Ausbildung aber auch beendet. Der Anteil der Erwachsenen ist durch die Vierergruppen sogar gestiegen. Finanziell gut gestellte Musikschüler leisten sich den Einzelunterricht, der monatlich 130 Euro kostet. Insgesamt ist die Zahl der Schüler von 650 auf 670 gestiegen.

Ewald Huber, Leiter der Carl Zeller Musikschule, meint wiederum: „Wir wünschen uns eine langfristige Lösung für die Zukunft. Wir wollen nicht jedes Jahr wieder die Diskussion um die Stunden haben und auch nicht jedes Jahr eine neue Regelung.“

„Keine dramatischen Veränderungen“ gebe es auch beim Musikschulverband Behamberg-Ernsthofen-Haidershofen erklärt Leiter Dietmar Winkler: „Wir haben nicht so einen hohen Erwachsenenanteil, dafür gibt es einen Boom bei Kindern und Jugendlichen.“ Laut Walter Reitbauer, Direktor des Musikschulverbands Waidhofen-Ybbstal (950 Schüler), habe sich die Situation für Lehrer nicht verändert. Erwachsene könnten über die Mangelinstrumente-Regelung (gilt etwa für E-Bass, Oboe und Fagott) oder in Vierergruppen weiterhin geförderten Unterricht in Anspruch nehmen.

Sobotka: „Musikstunde

günstiger als Maurerstunde“

Für Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka sind die Musikschulen primär dazu da, „Kindern die Möglichkeit zu geben, ein Instrument zu lernen.“ In Zeiten knapper werdender Budgets sei eine Ausweitung der Stunden nicht möglich gewesen („Mit 50.000 Schülern haben wir schon jetzt das größte Musikschulwesen Österreichs“), daher habe man bei den Erwachsenen angesetzt, um Wartelisten abzubauen. Sobotka: „Eine Musikschulstunde ist nach wie vor billiger als eine Maurer- oder Schlosserstunde.“

Sollte es zu Härtefällen kommen - ein Direktor berichtete etwa von einem 23-jährigen Arbeitslosen, der sich den Musikunterricht nun nicht mehr leisten könne - seien „in erster Linie die Gemeinden gefragt. Bei besonderen Umständen muss man sich das anschauen“, so Sobotka.

Die Musikschuldirektoren hätten die Reform jedenfalls mit „großer Ernsthaftigkeit und mit viel Geschick umgesetzt.“ Künftig werde man im Vorfeld aber intensiver kommunizieren. Und: „In den nächsten drei Jahren gibt es keine Strukturänderungen.“

Landeshauptmann-Stellvertreter Wolfgang Sobotka: „Der Mann fürs Grobe hat nicht immer unrecht.“

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