Hollenstein: "Große Pädagogin" geht in Pension. Christine Bauer tritt in den Ruhestand. Ihr folgt Erika Reisinger nach.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 29. Juli 2021 (06:13)
440_0008_8138147_ybb30_bauer_reisinger.jpg
Direktorin Christine Bauer (4. von links) blickt auf eine reiche Ernte in ihrem Berufsleben zurück. Sie bedankte sich bei Bürgermeisterin Manuela Zebenholzer (6. von links) und den Gemeindevertretern und wünschte Nachfolgerin Erika Reisinger (5. von rechts) viel Glück.
Gemeinde, Gemeinde

In der Naturparkgemeinde geht im Sommer eine Ära zu Ende. Langzeit-Direktorin Christine Bauer tritt in den Ruhestand. Aus diesem Anlass lud sie Weggefährten und Gemeindevertreter zu einer Corona-adäquaten Feier ein. „Ich habe eingeladen, um Danke zu sagen all jenen Personen, die die von mir geführten Schulen und mich über die vielen Jahre unterstützt haben“, sagt Bauer.

Tatsächlich beeindruckt ihre Bilanz. Bereits vor 24 Jahren übernahm sie die Leitung der Mittelschule Hollenstein, die 1997 noch Hauptschule hieß. Als ihr Gatte, der die Volksschule Hollenstein leitete, 2005 überraschend starb, wurde ihr in Personalunion auch die Leitung der Volkschule übertragen, die im selben Gebäude untergebracht ist.

Stete Weiterentwicklung dreier Schulen

In der Folge erneuerte sie die Schule von Grund auf. Ein moderner Turnsaal entstand. Jahr für Jahr wurden Baumaßnahmen und Modernisierungsschritte gesetzt. Ab 2017 leitete Bauer zusätzlich die Volksschule in St. Georgen/Reith, wo sie inzwischen auch eine Generalsanierung mit ihren Ideen bereichert hat.

Das klingt nach viel Arbeit und Engagement neben der pädagogisch-didaktischen Arbeit und den mehrmaligen pädagogischen und organisatorischen Schulreformen. Würde sie das wieder tun? „Auf jeden Fall, es war eine traumhafte Arbeit“, sagt Bauer und gerät ins Schwärmen.

„Vielfältig, kein Tag ist wie der andere. Gerade als Leiterin einer Volks- und Mittelschule begleitet man junge Menschen vom Kleinkind bis zum reifen Teenager, eine tolle Aufgabe!“ Auch hat sie aus ihrer Arbeit heraus gleich einen Vorschlag für Schulorganisation am Land: „Ich würde plädieren, für jeweils eine Talschaft eine gemeinsame Schule der Primär- und Sekundarstufe zu schaffen, sofern die Größe überschaubar bleibt“, sagt sie. Vor zu großen Einheiten warnt sie aber: „Wenn ein Schulleiter seine Kinder nicht mehr persönlich kennt, ist das nicht gut, denn Bildung geht nur über Bindung“, meint sie.

Ab Herbst leitet Erika Reisinger die Schulen

Dass ab September die Ybbsitzerin Erika Reisinger mit der Leitung der drei Schulen betreut wird, freut Bauer. Damit ist ihre Wunschkandidatin Nachfolgerin geworden. „Ich bin sehr froh, dass sie es macht, weil sie eine gestandene Person ist, die weiß, wie es in der Wirtschaft zugeht, die viele Felder abdeckt und die einen menschlichen Führungsstil erwarten lässt“, sagt Bauer.

Gleichzeitig gibt sie zu, dass Corona ihr den Abschied erleichtert hat. „Es war alles vage, man konnte sich auf nichts verlassen, oft wurden die Bedingungen von einer Stunde auf die andere anders und man musste sofort reagieren, ohne zu wissen, wie lange eine neue Vorschrift hält.“

In Hollenstein habe man das immer mit Augenmaß gemacht und sei dabei stets „in Rufweite des Gesetzes“ geblieben, wie sie den ehemaligen Landesschulratspräsidenten Adolf Stricker zitiert. Gleichzeitig streut sie ihrem Team Rosen: „Die Lehrer haben in der Corona-Zeit viel geleistet und es wurde von ihnen viel erwartet, was gar nicht ihre Aufgabe war.“

Für den Ruhestand hat sich die scheidende Direktorin viel vorgenommen. „Ich würde gerne reisen und wollte eigentlich einmal ein halbes Jahr am Stück in England verbringen“. Daraus wird angesichts Corona und Brexit vorerst einmal nichts.“ Aber das Kulturangebot im Mostviertel und in Wien biete ihr auch viel. Als ausgebildete Lehrerin für Deutsch, Geografie, Wirtschaftskunde und Informatik sowie mit einem Lehramtskurs in Geschichte und Sozialkunde sind ihre Interessen ja breit gestreut.

Zebenholzer: „Große Pädagogin und Leiterin“

Auch seitens der Gemeinde gibt es viel Lob für Bauer. „Sie ist eine große Pädagogin und Schulleiterin, die in Hollenstein viel bewegt hat.“ Bei den vielen Umbauarbeiten und Kooperationen mit der Gemeinde sei Bauer stets eine verlässliche und kreative Partnerin gewesen.

Nachfolgerin Erika Reisinger übernimmt die Leitung der drei Schulen im September. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe und glaube, ich passe gut zur Naturparkschule Hollenstein, weil ich mich selbst sehr naturverbunden fühle.“ Ihr sei bewusst, dass eine große Aufgabe auf sie wartet. „Die Fußstapfen von Christine Bauer sind groß. Ich weiß aber, dass das Team an den dei Schulen sehr engagiert und positiv gestimmt ist. So können wir den Weg gemeinsam fortsetzen“, sagt sie.