Bürgermeisterin Günther: „Da geht es um das Ybbstal“. Kematens Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) über Corona, Radbrücke, Nahversorgung und den Ausbau der B 121.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 14. Mai 2021 (05:48)
Bürgermeisterin Juliana Günther würde heuer im August im Rahmen des Marktfestes gerne das 150-jährige Jubiläum der Marktgemeinde Kematen feiern. Ob das mit den dann geltenden Corona-Bestimmungen möglich ist, weiß die Ortschefin derzeit allerdings noch nicht.
Andreas Kössl

NÖN: Vor gut einem Jahr hat die Corona-Pandemie unser aller Leben verändert. Wie geht Kematen mit der Situation um? Halten sich die Leute an die Vorgaben?

Bürgermeisterin Juliana Günther: Die Pandemie stellt für uns alle eine große Herausforderung dar. Vor allem die Jugendlichen tun mir leid, weil es keine Veranstaltungen gibt und soziale Kontakte weitestgehend untersagt sind, auch wenn Kematen mit seinen ausgedehnten Naturräumen genug Raum für Erholung und Entspannung bietet. Angesichts der fallenden Infektionszahlen, bin ich zuversichtlich, dass wir bald Licht am Ende des Tunnels haben und wieder zusammenkommen können, es wieder Veranstaltungen gibt und das Leben wieder normal wird.

In Kematen gibt es auch Gratis-Covid-Testmöglichkeiten. Wie werden die angenommen?

Sehr gut. Es gibt Dienstag und Donnerstag die Möglichkeit zum Testen in unserer Apotheke. Jetzt muss man schauen, welche Bestimmungen gelten, wenn die Gastronomie wieder öffnen darf. Ich könnte mir vorstellen, dass die Nachfrage nach Testungen weiter zunimmt, und die diesbezüglichen Angebote auch gemeindeübergreifend so abgestimmt werden sollten, dass bedarfsgerechte Testmöglichkeiten vorhanden sind. Vielleicht bieten aber auch die Nachbargemeinden noch etwas an. Falls nicht, werden wir uns selbst bemühen, dass wir auch am Wochenende eine Testmöglichkeit haben.

Die Corona-Krise hatte auch Auswirkungen auf die Einnahmen der Gemeinden. Wie steht es in Kematen um die Gemeindefinanzen?

Kematen hat es da nicht so schlimm getroffen, weil wir nicht so stark vom Fremdenverkehr abhängig sind. Was fehlende Kommunalsteuer-Einnahmen betrifft, so hat man da bei den Konzernen weniger gemerkt als bei den kleinen Betrieben.

In Kematen hat vor Kurzem der Breitbandausbau durch die nöGIG begonnnen. Wie weit ist man da und wie schaut der zeitliche Horizont aus?

Der Ausbau dieser wichtigen Infrastruktur ist derzeit voll im Gange. Vier Arbeitspartien der Firma Held & Francke arbeiten im Auftrag der nöGIG gleichzeitig an der Verlegung der Glasfaserleitungen im Gemeindegebiet. Bis Oktober soll das ganze Gemeindegebiet flächendeckend mit schnellem Internet versorgt sein. Davon profitieren auch die Betriebe unseres Wirtschaftsparks und alle, die via Homeoffice lernen oder arbeiten, in besonderem Ausmaß.

Auch die Sicherung der Trinkwasserversorgung läuft gerade. Was wird da genau gemacht?

Am Kreuzstöcklberg wird um 1,4 Millionen Euro ein zusätzlicher Wasserbehälter gebaut, um dadurch auch im Falle eines Betriebsausfalls der Trinkwasser-Verbandsleitung gut versorgt zu sein. Der Grund wurde bereits gekauft und das Projekt bei Land und Bund zur Förderung eingereicht. Derzeit werden Bodenuntersuchungen gemacht. Zusätzlich werden alte Kanalstränge am Kreuzstöcklberg um 500.000 Euro erneuert. Im Herbst sollen die Arbeiten starten. Im nächsten Jahr sollen sie abgeschlossen werden.

Welche Bauarbeiten sind heuer noch vorgesehen?

Überall dort, wo die Lichtwellenleitungen verlegt werden, erneuern wir auch die Straßenbeleuchtung. Teilweise sind das noch sehr alte Leitungen. In Stritzlhof wird außerdem für die Sicherheit der Kinder ein Gehsteig gebaut, weil durch den Reithof dort viele Kinder unterwegs sind. Auch die Straßenbeleuchtung wird dort ausgebaut. In Wollmersdorf wiederum wird der Geh- und Radweg jetzt fertig asphaltiert. Damit haben wir dann eine gute Radweganbindung an den Mostviertel-Radweg Richtung Biberbach.

Wie schaut es mit dem Radweg zwischen Amstetten und Waidhofen aus? Kematen wünscht sich ja, dass der Ybbstalradweg auf Kematner Seite verläuft.

Günther: Für den Klimaschutz ist es wichtig, mehr aufs Rad umzusteigen. Wir Ybbstaler Bürgermeister haben uns ja dafür eingesetzt, dass die Rudolfsbahn einen attraktiven Taktverkehr bekommt. Da brauchen wir eine Radverbindung zum Bahnhof und das geht nicht ohne eine neue Brücke über die Ybbs. Bei unserer historischen Brücke kann man keinen Anbau machen.

Wie viel würde diese Brücke kosten und wie realistisch ist es, dass sie kommt?

Wir sprechen von einem Investitionsvolumen von zwei Millionen Euro. Das Projekt ist beim Bund eingereicht. Wir haben auch die Unterstützung von Nationalratsabgeordnetem Andreas Hanger. Ich bin optimistisch, dass diese Brücke nächstes oder übernächstes Jahr realisiert wird.

Bleiben wir noch bei der Mobilität: Die Petition der Ybbstaler Bürgermeister, in welcher der Ausbau der B 121 in Kematen gefordert wurde, hat bei Klimaschützern zu heftigen Einwänden geführt. Wie notwendig ist dieser Ausbau wirklich?

Da geht es nicht um die Gemeinde Kematen, sondern um das Ybbstal insgesamt. Wer einen weiten Anfahrtsweg zur Arbeit hat, für den ist es gut, wenn er eine breite Straße hat. Wer seinen Arbeitsplatz vor der Haustür hat, denkt nicht daran, dass es einen solchen Ausbau braucht. In dem diskutierten Straßenbereich fließt täglich viel Verkehr und dementsprechend ist die Unfallhäufigkeit ebenfalls sehr hoch. Deshalb muss etwas geschehen. Entweder es kommt im Bereich von Betriebszufahrten bzw. bei Kreuzungen zum Einbau von Aufstellflächen für Linksabbieger oder der Ausbau. Ich weiß, dass jeder Baum wichtig ist und wir auf den Klimaschutz schauen müssen. Auf der anderen Seite braucht man aber auch Straßenverbindungen zum Arbeitsplatz bzw. zu den Wirtschaftsbetrieben.

Wie weit ist die geplante Umfahrung der Firma Mondi Richtung Biberbach?

Hier braucht man noch Unterschriften von Grundbesitzern. Ich hoffe, dass wir die heuer bekommen.

Die Gemeinde hat das Schanzer-Haus gekauft. Welche Pläne hat man damit?

Unser Wunsch wäre ein Drogeriemarkt im Untergeschoß. Das ist das einzige in Kematen, was uns wirklich fehlt. Da wird es Anfragen an Bipa oder dm geben. Im Obergeschoß würde sich eine Arztpraxis anbieten. Eine Anfrage habe ich auch schon für Therapieräume bekommen. Nächstes Jahr soll dieses Projekt realisiert werden.

Kematen soll auch eine Hundefreilaufzone bekommen. Wo soll dieses Projekt realisiert werden?

Vis-à-vis vom Skaterplatz soll ein schattiger Auslaufplatz mit einer Wasserversorgung hinkommen. Auch das wird heuer noch umgesetzt.

Wie schaut es mit dem Umbau des Gemeindeamtes aus? Dieser ist ja schon länger in der Warteschleife.

Da sind wir noch nicht weiter. Es wird aber sicher in nächster Zeit anstehen, weil die Büroräume nach heutigem Verständnis zu klein sind. Es gibt keine Empfangszone für den Parteienverkehr und die Orientierung über die einzelnen Sachgebiete und Mitarbeiter ist nicht mehr zeitgemäß. Ich habe dieses Projekt immer geschoben, weil mir Kindergarten und Schule wichtiger waren. Da sind uns auch zwei Meisterstücke gelungen. Der Kindergarten ist top und auch die Volksschule ist so modern, da bin ich sehr stolz darauf. Das nächste Projekt ist das Gemeindeamt. Ich hoffe, dass wir bis Ende nächsten Jahres eine Planung haben.

Welche Projekte sind noch für heuer vorgesehen?

Wir werden unsere Spielplätze durchleuchten und kontrollieren. Und bei der Wasserversorgung ist noch ein Ringschluss zum Wirtschaftspark geplant. Die Straße zur Firma Großalber wurde asphaltiert und es werden sicher noch weitere Straßen folgen, wenn die Glasfaserleitungen verlegt wurden. In die Räumlichkeiten des ehemaligen Vögele-Modegeschäfts wird nun ein Spar-Markt einziehen.

Sind für heuer Veranstaltungen in Kematen geplant?

Derzeit wissen wir noch nicht, wie es weitergeht. Wir hätten ab Jänner schon Veranstaltungen geplant gehabt, aber leider mussten diese aufgrund der behördlichen Schutzmaßnahmen ausfallen. Wir wissen auch nicht, ob wir unser Marktfest am 1. August abhalten können. Wir würden ja heuer gerne unser 150-jähriges Jubiläum feiern. Da wäre schon viel vorbereitet. Man bräuchte nur losstarten, aber ob es sein darf, wissen wir nicht.