Erstellt am 13. Juli 2018, 04:57

von Andreas Kössl

„Kematen hat sehr viel zu bieten“. Bürgermeisterin Juliana Günther (ÖVP) über Schulumbau, Umfahrung, Radweg, Kinderbetreuung und Dorferneuerung.

Mit dem Umbau der Volksschule wird in Kematen demnächst ein großes Bauprojekt abgeschlossen. 5 Millionen Euro wurden investiert. Nun möchte Ortschefin Juliana Günther die Lichtwellenleiterverlegung forcieren.    |  Kössl

NÖN: Frau Bürgermeister, die Gemeinde hat derzeit mit dem Umbau der Volksschule ein großes Projekt am Laufen. Wie weit ist man da?

Bürgermeisterin Juliana Günther: Nach drei Jahren Bauzeit befinden wir uns nun in der Fertigstellung. Derzeit wird noch das Foyer umgebaut. Ansonsten ist alles fertig. Nur der Garten muss dann noch gestaltet werden, damit die Kinder nach der Lernzeit auch einen Ort zum Spielen und Toben haben. Im Herbst können wir die neue Schule dann schon in Betrieb nehmen. Die offizielle Eröffnung soll allerdings erst im Jänner erfolgen.

Was genau wurde bei der Schule gemacht?

Günther: Das 40 Jahre alte Gebäude wurde komplett renoviert. Dort wo einmal ein Hallenbad geplant war, haben wir einen Turnsaal mit Kletterwand realisiert. Der 60 Jahre alte Trakt wurde hingegen weggerissen und ein Neubau errichtet. Jetzt haben wir mehr Klassen und eine Schulküche. Für den Unterricht ist das neue Schulgebäude ideal. Die Klassenräume wurden eher nördlich situiert, wodurch die Sonneneinstrahlung für den Unterricht besser ist. Im Süden befinden sich nun die Musikschulräume, die Lehrer- und die Lehrmittelzimmer. Insgesamt wurden in dieses Projekt fünf Millionen Euro investiert.

Der Schulgarten soll ja auf das Grundstück des ehemaligen Nachtlokals ausgeweitet werden. Was ist hier geplant?

Günther: Ja, der bisherige Schulgarten ist durch den Neubau etwas kleiner geworden. Durch dieses Grundstück, das die Gemeinde angekauft hat, wird er wieder eine dementsprechende Größe bekommen. Hier wird noch die Straße um einige Meter verlegt und ein Gehsteig wird errichtet, um die Sicherheit der Kinder zu gewährleisten. Das soll heuer im Herbst erfolgen.

Wie weit ist man bei der Straßenverlegung von Kematen nach Biberbach? Diese Straße soll künftig ja nicht mehr durch das Betriebsgebiet der Firma Mondi Business Paper verlaufen?

Günther: Da sind wir gerade bei den Grundablösen. Hier gibt es bereits eine Planung, wobei man da wohl einige Abstriche wird machen müssen. Erst nach den Ablösegesprächen, die heuer erfolgen sollen, wird man wissen, wo die Straße konkret verlaufen wird.

Und wie schaut es mit einer generellen Umfahrung von Kematen aus?

Günther: In Kematen ist ein derartiges Umfahrungsprojekt nicht mehr möglich, weil alles schon seit 30 Jahren verbaut ist. Wenn eine Umfahrung gemacht werden soll, dann geht das nur großräumig.

Kematen verzeichnet ja nach wie vor einen Zuzug bei der Bevölkerung. Hat man genug Wohnraum?

Günther: In den letzten Jahren wurden in der Gemeinde viele Arbeitsplätze geschaffen. Das bringt Zuzug, denn die Jungfamilien suchen natürlich einen Wohnort, von dem sie nicht zu lange in die Arbeit brauchen. Dafür haben wir genug Baugrundstücke, etwa hinter der Gemeinde oder in der Heide, aber auch Wohnprojekte, die realisiert werden. So baut die Wohnbaugesellschaft GED im Ortszentrum 21 Wohnhäuser. Da wird im Juli der Spatenstich erfolgen. An der B 121 im Ortszentrum baut die Sparkasse um. Da wird das alte Sparkassengebäude abgerissen und ein neues Gebäude errichtet. Das Erdgeschoß wird dann von der Sparkasse genutzt und darüber sollen Wohnungen entstehen. Mit dem betreuten Wohnen haben wir auch für ältere Menschen ein passendes Angebot. Wir haben in Kematen alles, was das Wohnen schön und erfreulich macht. Wir haben Geschäfte und einen Arzt und mit dem Naturbad, dem Schneerosenweg oder dem Heidewald auch im Freizeit- und Erholungsbereich sehr viel zu bieten.

Vor einiger Zeit wurde erhoben, ob es in Kematen Bedarf an einer Kleinkinderbetreuung gibt. Wie schaut das Ergebnis aus?

Günther: Wir haben das jetzt ausgeschrieben und wenn wir fünf Kinder haben, kann die Tagesbetreuung im Herbst losgehen. Dafür haben wird die nötigen Vorbereitungen in der Schule getroffen. Das Angebot richtet sich an Kinder im Alter von einem Jahr bis zum Kindergartenalter und wird je nach Bedarf vormittags und nachmittags angeboten.

Wie wurde die Einführung des Gelben Sacks in Kematen von der Bevölkerung angenommen?

Günther: Alle Neuerungen sind natürlich mit Ungewissheit und mit Problemen behaftet. Aber ich glaube trotzdem, dass es nach dem ersten Abholtermin zur Beruhigung kommt.

Und wie hat sich die Einführung der neuen Recycling Platzl ausgewirkt?

Günther: Für uns hat sich das zum Guten gewendet. Wir hatten nämlich in der Heide einen Bereich, wo zwei Plastikcontainer standen, aber alles abgelagert wurde. Hier haben wir nun eine Besserung erreicht.

Letztes Jahr wurde in Kematen ein Dorferneuerungsprozess gestartet. Welche Projekte wurden da bislang realisiert?

Günther: Wir haben einen Bauernmarkt mit Bioprodukten installiert, der alle zwei Wochen stattfindet, und freuen uns, da dieser sehr gut angenommen wird. In den nächsten Jahren haben wir vor, beim betreubaren Wohnen einen Generationenpark zu errichten. Da sind wir gerade in der Einreichphase.

Hat man in Kematen noch freie Gewerbeflächen?

Günther: Ja, wir haben noch Flächen und freuen uns über jeden Klein- und Mittelbetrieb, der sich in Kematen ansiedelt. Unsere Türen stehen offen. Im Wirtschaftspark sind wir zwar schon voll, es gibt aber die Möglichkeit zur Erweiterung. Die voestalpine Precision Strip GmbH macht von dieser Möglichkeit gerade Gebrauch. Auch die Knorr Bremse GmbH will erweitern. Die haben sich mit 250 Mitarbeitern in Kematen angesiedelt, stehen derzeit aber bei 370 Mitarbeitern und wollen noch auf 400 ausbauen.

Im Herbst wurde damit begonnen, ein Verkehrskonzept für die Gemeinde zu erstellen. Wie weit ist man da?

Günther: Wir wollen den Radweg im Gemeindegebiet verbessern. Durch den neuen Radweg im Oberen Ybbstal wollen wir in der Gemeinde die Radweg-Verbindung bis nach Amstetten schaffen. Da haben wir schon Vorstellungen darüber, wie die Trasse verlaufen soll. Dieser Radweg soll aber nicht nur dem Tourismus, sondern auch dem Alltagsradverkehr dienen. Es soll eine Möglichkeit geschaffen werden, von Kematen per Rad zu den Betrieben zu kommen.

Kann Kematen touristisch ein wenig am Ybbstalradweg-Boom partizipieren?

Günther: Wir spüren das schon. Manche fahren den Radweg schon über Kematen nach Waidhofen. Aber es ist halt keine schöne Strecke. Eine Problemstelle ist die Ybbsbrücke. Da fahren 11.000 Fahrzeuge am Tag drüber. Wenn man da mit dem Rad fährt, ist das nicht angenehm. Vielleicht können wir mal eine Brücke für Radfahrer schaffen, aber da sind wir noch in der Ausarbeitung.

Welche Projekte sind in der Gemeinde derzeit sonst noch in Umsetzung?

Günther: Jetzt schließen wir mal die Volksschule ab, das ist schon ein großer Brocken. Dann gibt es einige Straßenprojekte und natürlich die Lichtwellenleiterverlegung. Da verlegen wir die Leerverrohrung bei jeder Baustelle schon mit, damit wir da auf den Zug aufspringen können, wenn es so weit ist. Vor allem ein Breitbandanschluss des Wirtschaftsparks wäre ganz wichtig.

2020 finden die nächsten Gemeinderatswahlen statt. Werden Sie wieder für das Amt des Bürgermeisters zur Verfügung stehen?

Günther: Die Kraft dazu hätte ich. Wenn meine Fraktion das will, bin ich gerne bereit wieder durchzustarten.