Thomas Raidl: „2020 wurde doch viel gemacht“. Bürgermeister Thomas Raidl (ÖVP) über Corona, Gemeindefinanzen, Breitband, Wohnen, Radwege und den Ausbau der B 121.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 07. Mai 2021 (05:51)
Trotz der schwierigen finanziellen Situation kann Bürgermeister Thomas Raidl auf zahlreiche Projekte im Jahr 2020 zurückblicken und auch 2021 zentrale Vorhaben in der Gemeinde Sonntagberg, wie den Breitbandausbau oder die Verbesserung der Wasserversorgung, in Angriff nehmen.
Andreas Kössl

NÖN: Die Corona-Infektionszahlen in der Gemeinde sind zuletzt etwas zurückgegangen. Wie ist die Stimmung? Halten sich die Leute an die Maßnahmen?

Bürgermeister Thomas Raidl: Erfreulicherweise haben wir aktuell nur noch drei Betroffene. Vor wenigen Wochen waren es zwischen 20 und 25. Ich hoffe, dass die Zahlen weiter unten bleiben. Hinsichtlich der Maßnahmen merkt man, dass in der Bevölkerung unterschiedliche Meinungen herrschen. Der größte Teil nimmt das aber ernst und hält sich daran. Auch für die Gemeinde ist die Situation eine Herausforderung. Bis jetzt haben wir das aber sehr gut gemeistert. Die Teststraße, die in der Festhalle Rosenau jeden Montag in Kooperation mit der örtlichen Apotheke betrieben wird, wird sehr gut angenommen. Zwischen 150 und 200 Personen nutzen das Angebot wöchentlich. Man wird sich jetzt anschauen, ob angesichts der bevorstehenden Öffnung eine Erweiterung notwendig ist.

Die Corona-Krise hat auch Auswirkungen auf die Gemeindefinanzen. Wie stark ist da Sonntagberg betroffen?

Die Haupteinnahmequelle der Gemeinden sind ja in erster Linie die Ertragsanteile und die Kommunalsteuer. Bei den Ertragsanteilen sind wir für 2020 noch optimistisch von 3.339.000 Euro ausgegangen. Die Kommunalsteuer hatten wir auf 2.065.000 Euro angesetzt. Durch die wirtschaftliche Situation sind die Ertragsanteile im Vorjahr um ca. 340.000 Euro weniger gewesen, bei der Kom- munalsteuer waren es 235.000 Euro. Mit einem Nachtragsvoranschlag haben wir im Herbst schon abgebildet, dass die Ziele nicht erreicht werden können. Erfreulicherweise hatten wir dann aber bei den Ertragsanteilen doch um 130.000 Euro mehr Einnahmen als im Herbst angenommen. Trotzdem blieb ein Delta von ca. 540.000 Euro. Auf der anderen Seite gab es von Bund und Land einmalige, nicht rückzahlbare Zuschüsse und wir hatten Mehreinnahmen bei den Aufschließungsabgaben. Beim Winterdienst hatten wir Minderausgaben und wir haben das eine oder andere Projekt zurückgestellt. So konnten wir den Fehlbetrag auf 207.000 Euro reduzieren. Aber natürlich tut auch das weh. Nichtsdestotrotz ist 2020 doch relativ viel gemacht worden, wie die Abbiegespur auf der B 121 in Bruckbach, die Sanierung der Mittelschule Rosenau, der Glasfaserausbau, diverse Wasser- und Kanalprojekte, die Umfeldgestaltung am Sonntagberg oder der Eingang des Böhlerzentrums.

Auch für 2021 sind einige große Projekte geplant. Eines davon ist der Breitbandausbau der nöGIG, der schon am Laufen ist. Wie weit ist man da?

In der ersten Ausbauphase sind nun drei Partien mit elf Arbeitern unterwegs, die die Glasfaserverbindung von Allhartsberg bis zum POP, das ist die Versorgungszentrale, die bei der Volksschule Rosenau entsteht, herstellen. Mitte Mai wird der POP fertig sein. Dann wird die Verbindung Richtung Bruckbach fortgesetzt und die Anschlüsse an die Liegenschaften werden fertiggestellt. Bis Ende des Jahres soll die Funktionsfähigkeit im Ausbaugebiet von Hilm bis Bruckbach gegeben sein.

Auch an der Trinkwasserversorgung wird weiter gearbeitet. Wie ist da der Stand?

Wir haben in Sonntagberg gute Wasserressourcen. Jetzt geht es darum, die Verteilung zu verbessern. Der Hochbehälter Wagenreith spielt da für Bruckbach und Böhlerwerk eine große Rolle. Derzeit wird zwischen Rosenau und dem Hochbehälter Wagenreith eine Transportleitung gebaut. Das wird noch ein paar Wochen dauern.

Welche Wohnprojekte sind gerade am Laufen?

Für die Bevölkerungsentwicklung ist es natürlich wichtig, dass man Wohnmöglichkeiten anbieten kann. Da braucht es verschiedene Angebote, wobei es wichtig ist, dass man bestehende Widmungen und Ressourcen nutzt. Neben den 300 Gemeindewohnungen, die wir jetzt schon haben, baut die Siedlung Amstetten gerade am Standort des ehemaligen Kinogebäudes in Böhlerwerk einen Wohnbau. Daneben gibt es auch Einfamilienhausprojekte, wie auf den Kinzlgründen am Sonnenhang. Dort werden im Laufe des Jahres von einer Immobilien GmbH Einfamilienhäuser errichtet. Daneben gibt es noch weitere Projekte, zum Teil von Privaten, zum Teil von Wohnbaugenossenschaften, die momentan in Vorbereitung sind. Das reicht bis zu betreubarem Wohnen in Gleiß, wo man über zusätzliche Wohneinheiten nachdenkt. In Hilm wiederum hat eine Wohnbaugenossenschaft Gründe erworben, um Doppelhäuser zu errichten.

Sonntagberg arbeitet gerade an einem Radwegnetz. Wie weit ist man da?

Die Planung ist am Laufen, ebenso wie die Gespräche mit den Liegenschaftseigentümern. Sie sind es, die man dafür gewinnen muss. Das ist oft ein sehr langwieriger Prozess. Auch bei der Förderkulisse für Radwege hat sich in den letzten Monaten etwas getan, auch wenn da noch einiges etwas praxisfern ist und Adaptierungen nötig sind.

In Böhlerwerk wurde zuletzt der Wunsch laut, dass eine Radwegverbindung durch den Ort entlang der B 121 und nicht auf Nebenstraßen hinten rum verlaufen solle. Wie realistisch ist das?

Hier nimmt eine Lösung immer mehr Form an. Ich möchte da aber noch keine verbindliche Aussage machen.

Bis wann soll es eine durchgängige Radwegverbindung von der Gemeindegrenze zu Kematen bis nach Waidhofen geben?

Waidhofen möchte bis 2023 eine Radwegverbindung bis Böhlerwerk schaffen. Bis dahin wollen auch wir so weit sein. Für eine durchgängige Radwegverbindung durch Sonntagberg wird es sicher noch ein, zwei Jahre länger dauern.

Der von den Ybbstaler Bürgermeistern geforderte Ausbau derB 121 in Kematen hat bei Klimaaktivisten große Widerstände hervorgerufen. Wie stehen Sie zu diesen Ausbauplänen? Ist der Ausbau notwendig oder sind die Einwände berechtigt?

Klimaschutz ist natürlich ein ganz wichtiges Thema. Da ist in den letzten Jahren auch viel von Gemeindeseite geschehen und es geschieht noch immer viel. So ist es uns gelungen, dass die Rudolfsbahn nun bis Mitternacht zwischen Waidhofen und Amstetten verkehrt. Das ist ein ganz wichtiges Angebot. Wo sich freilich etwas tun muss, ist der Preis. 9,60 Euro von Rosenau bis Amstetten und wieder zurück sind sicher zu viel, um die Leute für die Öffis zu begeistern. Tatsache ist aber auch, dass der Speckgürtel im urbanen Bereich wächst, während die inneren Talschaften Einwohner und damit auch Infrastruktur sukzessive verlieren. Um hier entgegenzuwirken, werden attraktive Straßenanbindungen auch in Zukunft eine wichtige Rolle spielen. Unsere Forderung nach einem Ausbau der B 121 war einmal ein Denkanstoß. Wenn es so weit ist, muss der Straßenbetreiber, also das Land NÖ, ein solches Projekt einreichen. Dann wird geprüft, ob ein derartiges Projekt realisierbar ist oder nicht.

Das Böhlerzentrum entwickelt sich gerade zu einem Handwerks- und Dienstleistungszentrum. Gerade hat sich ein neues Unternehmen angesiedelt. Gibt es hier noch Potenzial für weitere Ansiedelungen?

Das vorhandene Platzangebot ist hier enorm. Gespräche mit weiteren interessierten Firmen laufen. Die Gemeinde darf das Gebäude, das der voestalpine Precision Strip gehört, nutzen. Neben dem Handwerks- und Dienstleistungszentrum haben wir im Böhlerzentrum ja auch den Veranstaltungssaal, diverse Vereinsräumlichkeiten und eine Fußballhalle. Für mich ist das ein schönes Beispiel, wie man Bestehendes sinnvoll nutzen kann.

Der Ausbau der Mittelschule Rosenau soll 2021 weitergehen. Was ist da für heuer angedacht?

Heuer sollen der Sanitärbereich und die Garderoben erneuert werden. Um Barrierefreiheit zu erreichen, werden heuer auch die Vorarbeiten für einen Lift erfolgen. 500.000 Euro sollen 2021 investiert werden.

Sind für 2021 in Sonntagberg Veranstaltungen geplant?

Nein. Das Ostbahnkurti-Konzert haben wir drei Mal verschoben. Das Marktfest vom letzten Jahr musste abgesagt werden. Wir befinden uns nun in Warteposition. Leider kann ich nicht sagen, was im August sein wird. Wir werden die Situation beobachten und dann reagieren. Es ist ganz wichtig, dass das Gesellschaftsleben, wenn es wieder möglich ist, sukzessive in die Höhe gefahren wird.