Waidhofner FUFU-Stadtrat: „Wir sind immer noch bissig“. Martin Dowalil über seine politische Rolle, sein Verhältnis zur WVP, Stadtentwicklung und die Citybahn.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 19. Juli 2019 (04:10)
Kössl
Seit zweieinhalb Jahren ist FUFU-Mandatar Martin Dowalil Baustadtrat. Mit seiner kritischen Haltung sei diese Funktion durchaus vereinbar. Stadtchef Werner Krammer hält er für einen Visionär, Dispute gibt es dennoch.

NÖN: Seit zweieinhalb Jahren ist die Liste FUFU nun Teil der Stadtregierung. Sie sind aber auch als Stadtrat ein kritischer Geist geblieben. Wie lässt sich der Spagat zwischen Regierung und Opposition bewerkstelligen?

Martin Dowalil: Diese Unterteilung in Regierung und Opposition finde ich nicht ganz richtig. Ich würde nämlich nie ein Arbeitspapier unterschreiben, wie das die UWG vor sieben Jahren getan hat, wo man dann bei Sachen mitgehen muss, bei denen man eigentlich nicht mitgehen möchte, nur um dann im Gegenzug etwas zu bekommen. Bei uns ist das so: Wenn etwas Sinn macht, gehen wir mit und wenn etwas keinen Sinn macht, gehen wir nicht mit.

Wie ist zurzeit Ihr Verhältnis zur Bürgermeisterpartei WVP?

Dowalil: Mit Bürgermeister Werner Krammer verstehe ich mich generell gut. Er ist ein Visionär, der Dinge verbessern möchte und dabei auch über Grenzen geht – nicht wie sein Vorgänger, der war für mich ein Systemerhalter. Wenn Bürgermeister Krammer etwas Gutes forciert, dann sind wir dabei. Es gibt aber genauso Projekte, bei denen er sich verrennt oder die einfach nur ein Goodie für ein paar Leute sind. Das meiste ist für die Gemeinde aber in Ordnung und deshalb fallen auch die meisten Beschlüsse einstimmig aus.

Die Dispute zwischen Liste FUFU und WVP im Gemeinderat sind zuletzt weniger geworden.

Dowalil: Ich habe mit dem Bürgermeister nach wie vor Dispute, die tragen wir aber oft gar nicht mehr im Gemeinderat aus. Ich sehe diese Dispute auch nicht als aussichtslos an. Der Bürgermeister würde das wohl nie öffentlich sagen, aber er hört schon zu, denkt darüber nach und greift manches später sogar auf. Dann gibt es auf einmal ein grünes Netz in der Bebauung oder in der Siedlung Schatzöd kleine Wege zwischen den Parzellen. Auch wenn sich vielleicht manche denken, seit der FUFU Stadtrat ist, tut er nichts mehr, wir sind sehr wohl noch immer bissig. Der Umgang untereinander ist jedoch ein anderer geworden. Die Emotionen kochen nicht mehr so hoch. Man weiß im Vorhinein, wie jemand ein Thema sieht, und lässt dessen Meinung einfach so stehen. Ich glaube, die WVP hat mittlerweile realisiert, dass man den anderen nicht immer vom Gegenteil überzeugen muss. Das funktioniert sowieso nicht.

„Die Verkürzung der Citybahn ist für mich komplett hirnrissig und nicht nachvollziehbar.“FUFU-Stadtrat Martin Dowalil

Sie haben gesagt, die Liste FUFU geht mit, wenn sie ein Thema als sinnvoll erachtet. Jetzt gibt es bei Ihnen aber keinen Fraktionszwang. Wie sehr versuchen die vier FUFU-Mandatare, eine gemeinsame Linie zu finden?

Dowalil: Je mehr Mandatare man hat, desto schwieriger ist das natürlich. Bei uns ist es aber sicher nicht so, wie zuletzt bei der SPÖ, dass der Vorstand quasi brüskiert wird. Wir reden im Vorfeld über die Themen, aber ich mische mich nicht in die Ausschussarbeit der anderen ein – auch wenn ich ein paar Jahre mehr Erfahrung habe. Ich sage immer: Ihr seid in den Ausschüssen, ihr müsst mir sagen, warum und wieso. Und wenn wir einmal nicht einer Meinung sind, sehe ich auch kein Problem. Man soll- te aber schon aufstehen und sagen, warum man anderer Meinung ist. Das haben wir etwa bei der Beschneiungsanlage für die Forsteralm so gehabt. Oft kommt es aber nicht vor, dass wir verschiedener Meinung sind. Wenn wir das bei jeder Sitzung hätten, wäre es komisch. Lächerlich ist für mich, wie das bei der WVP gehandhabt wird. Da geht dann einer bei der Abstimmung aufs Klo, weil er wo mittun muss, wo er nicht mittun kann.

Der Unterschied ist aber schon der, dass es bei der Liste FUFU letztlich egal ist, wenn zwei dafür und zwei dagegen sind. Wenn bei der WVP sechs dagegen sind, kann es sein, dass der Beschluss nicht umgesetzt wird.

Dowalil: Ja, aber da muss man schon fragen, ob das demokratiepolitisch gut ist. Wenn alle immer einer Meinung sind, dann macht mich das skeptisch.

Glauben Sie, dass die derzeit vier Mandate der Liste FUFU schon die obere Grenze sind? Oder geht da noch etwas?

Dowalil: Ich persönlich glaube, dass das unser Zenit ist. Ich habe 2012 mit nichts kandidiert und zwei Mandate erreicht. Dann haben die Leute nach fünf Jahren gesehen, dass wir nicht nur irgendwelche Kasperl sind und wir haben vier Mandate bekommen. Aber was soll jetzt noch passieren? Ich höre immer wieder, ich solle die Uniform weglegen. Ich sage dann aber, wir haben 700 Wähler und die haben uns gewählt, weil wir so sind, wie wir sind. Wenn ich jetzt die Uniform weglasse, vergraule ich vielleicht die, die uns gewählt haben. Deshalb machen wir das nicht und lassen alles, wie es ist. Wir machen keinen Wahlkampf, wir machen unsere politische Arbeit.

Was halten Sie vom Vorschlag von UWG-Gemeinderat Michael Elsner, dass sich die Kleinparteien für die nächste Wahl zusammentun sollten?

Dowalil: Es stimmt natürlich: Je mehr Parteien kandidieren, desto mehr Wählerstimmen fallen aufgrund des d’Hondtschen Systems durch den Rost. Deshalb wäre es gescheiter, wenn nur zwei Fraktionen kandidieren. Derartige Überlegungen gab es mit der SPÖ schon vor der letzten Wahl und ich fand das damals auch kurzzeitig durchaus charmant. Letztendlich glaube ich aber nicht, dass das für uns funktioniert. Wir sind für Leute wählbar, die eben nicht rot oder grün wählen wollen. Die wollen lieber ein lokales Phänomen, das nicht auf die Goschen gefallen ist, das auffällt, einen Schmäh hat und sich trotzdem in Themen reintigert. Einen Zusammenschluss mit der UWG kann ich mir noch am ehesten vorstellen, mit den anderen aber nicht. Ich glaube, wir sind mit anderen Parteien nicht kompatibel.

NOEN
FUFU-Stadtrat Martin Dowalil plädiert für Bahn und Radweg und spricht von einem „Paket-Schmäh“.

Aufhören ist für Sie kein Thema?

Dowalil: Nein. Es gibt natürlich Momente, wo ich mir denke, warum tue ich mir das an. Uns haben aber 700 Leute gewählt. Da hat man Verantwortung. Außerdem möchte ich mich bei der Stadt- und Raumentwicklung einbringen.

Bleiben wir gleich bei der Stadtentwicklung: Werden Ihrer Meinung nach da die richtigen Projekte forciert?

Dowalil: Was forciert gehört, sind Betriebsansiedelungen. Das wird auch gemacht. Hier sollte man aber schauen, dass möglichst wenig Bodenfläche versiegelt wird. Man darf nicht einfach Parkplätze betonieren, sondern sollte Parkhäuser schaffen mit einer Infrastruktur darunter und einer begrünten Fassade.

Und wie sieht es beim Thema Wohnen aus?

Dowalil: Ich habe nicht das Gefühl, dass wir in Waidhofen zu wenig Wohnraum hätten. Wir haben vielleicht keinen leistbaren Wohnraum für junge Leute, aber wir werden sicher nicht überrannt. Waidhofen ist eine Abwanderungsgemeinde, auch wenn mir hundert Mal erzählt wird, Waidhofen wächst. Zen-trumsnahes Wohnen halte ich aber für sehr wichtig. Deshalb ist das Kinoparkplatz-Projekt eine gute Idee. Je näher die Leute bei der Stadt sind, desto unrealistischer ist es, dass sie mit dem Auto fahren. Geschäfte dürfen aber nicht Teil dieses Projekts sein. Da gehören Ärzte oder Anwälte rein, unten eine Tiefgarage und darüber leistbares Wohnen für junge Leute. Auch betreutes Wohnen wäre wichtig. Die Bevölkerung wird schließlich immer älter.

Wie stehen Sie zur Belebung des Hohen Marktes?

Dowalil: Dass man den Hohen Markt wieder zum Pulsieren bringt, halte ich für irrsinnig schwierig. Eine Schnapsidee war die Neupflasterung. Die hat sich Architekt Ernst Beneder eingebildet. Es schaut zwar schön aus, aber wo ist der Mehrwert? Haben wir mehr Lokalbetreiber? Dazu kommt, dass dieses Pflaster nur zum Teil barrierefrei ist. Abgesehen davon bin ich aber ein Beneder- Fan, der ist auch ein Visionär. Er sieht die Dinge immer gesamtheitlich und zieht ein Netz über Waidhofen. Das gefällt mir sehr.

Sie haben den Verkehr angesprochen. Was könnte die Gemeinde tun, um den motorisierten Individualverkehr einzudämmen?

Dowalil: Jetzt hat die Politik jedenfalls das komplett Falsche getan. Die Verkürzung der Ybbstalbahn ist ein No-Go. Dadurch werden der AFW-Fußballplatz und die Weitmannsiedlung abgeschnitten. Wenn ich so etwas tue, brauche ich mich nicht zu wundern, wenn der Individualverkehr zunimmt. Die Verkürzung der Citybahn ist für mich das Schrecklichste, was dieses Jahr durchgegangen ist. Wenn es dem Bürgermeister ernst damit ist, dass die Leute öffentliche Verkehrsmittel nutzen und nicht mit dem Auto fahren sollen, dann ist das die größte Schnapsidee, die er gehabt hat. Das ist komplett hirnrissig und für mich nicht nachvollziehbar.