Citybahn Waidhofen ab 2020 im Halbstundentakt. Stadtbahn wird 2020 verkürzt. Zwei neue Haltestellen werden geprüft. Umweltfreundliche Triebwagen geplant.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 17. Juli 2019 (03:24)
Kössl
NÖVOG-Geschäftsführerin Barbara Komarek und Bürgermeister Werner Krammer präsentierten am Freitag die Zukunftspläne für die Citybahn.

Nun ist es fix: Im kommenden Jahr wird die 5,5 Kilometer lange Citybahn-Strecke auf knapp drei Kilometer verkürzt. Die Waidhofner Stadtbahn wird dann nur noch zwischen dem Hauptbahnhof und dem Vogelsang verkehren. Die Haltestellen Kreilhof und Gstadt fallen künftig weg.

Wie die NÖN berichtete, beschloss der Waidhofner Gemeinderat Ende April mit den Stimmen von WVP und SPÖ-Verkehrsstadtrat Erich Leonhartsberger, die Landesverkehrsgesellschaft NÖVOG, welche die Bahn betreibt, zu ersuchen, die Bahnstrecke zu verkürzen. Auf Anregung der SPÖ wurde dabei der Zusatz eingebracht, die Möglichkeit zweier zusätzlicher Haltestellen bei der Firma Oberklammer und beim Eurospar zu evaluieren.

Am Freitag präsentierten nun NÖVOG-Geschäftsführerin Barbara Komarek und Bürgermeister Werner Krammer (WVP) die Zukunftspläne für die Waidhofner Stadtbahn. „Die Citybahn soll als innerstädtisches Verkehrsmittel zwischen dem Hauptbahnhof und dem Vogelsang attraktiviert und langfristig weiterbetrieben werden“, berichtete Komarek.

Pilotprojekt bei Eisenbahnkreuzungen

Die Installierung der zwei weiteren Haltestellen werde derzeit geprüft. Unabhängig davon werden die Gleise im Vogelsang weiterhin bis zur Hammerschmiedstraße reichen. Als weitere Neuerung wird die Stadtbahn ab Ende 2020 nicht mehr im Stunden- sondern im Halbstundentakt verkehren.

Um die Citybahn fit für die Zukunft zu machen, werden derzeit gerade die Gleise auf einer Länge von einem Kilometer neu verlegt. 2020 stehen dann großräumige Umgestaltungsmaßnahmen bei der Eisenbahnkreuzung beim Hauptbahnhof samt Gleisverschwenkungen an.

Die Landesverkehrsgesellschaft wird danach die Betriebsführung der Citybahn von den ÖBB übernehmen und den Zugverkehr vom NÖVOG-Zentrum in Laubenbachmühle aus steuern.

Eisenbahnkreuzungen als Pilotprojekt

Ein Pilotprojekt kündigte die NÖVOG-Geschäftsführerin für die im Zuge der Umsetzung der Eisenbahnkreuzungsverordnung vorgesehenen Sicherungsmaßnahmen der Eisenbahnkreuzungen entlang der Strecke an. Man wolle in Waidhofen eine vereinfachte technische Sicherung ausprobieren.

Wie diese konkret aussehen könne, werde derzeit geprüft. Die Pfeifsignale an den Bahnkreuzungen sollen jedenfalls wegfallen. Für die Stadt würde diese vereinfachte Sicherung eine finanzielle Entlastung bedeuten, muss sie als Straßenerhalter doch 50 Prozent der Kosten tragen.

Geplant ist außerdem, dass die Citybahnzüge, die derzeit mit Diesel betrieben werden, in Zukunft umweltfreundlich unterwegs sind. In einem Kooperationsprojekt mit der Fachhochschule St. Pölten sollen alternative Antriebsmöglichkeiten für die nächste Generation der Schienenfahrzeuge gefunden werden. Erste Ergebnisse erwartet sich Komarek bis Ende des Jahres. In sieben bis acht Jahren sollen die Züge dann verkehren.

Diese Entscheidung ist ein Bekenntnis zur Citybahn als innerstädtisches Verkehrsmittel und zum Erhalt eines Kulturguts.“Bürgermeister Werner Krammer

„Die Citybahn ist nach der Mariazeller Bahn unsere ertragreichste Bahn“, hielt die NÖVOG-Geschäftsführerin fest. „Im Jahr 2018 hatte die Citybahn mit 200.000 Fahrgästen und einem Plus von 500.000 Euro ihr erfolgreichstes Jahr. 90 Prozent der Fahrgäste verkehren zwischen dem Hauptbahnhof und dem Vogelsang.“

Für Waidhofen sei dies eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft, meinte Bürgermeister Werner Krammer. „Diese Entscheidung ist ein Bekenntnis zur Citybahn als innerstädtisches Verkehrsmittel und zum Erhalt eines Kulturguts.“

Betriebsgebiet und  Radweg bis Gstadt

Die Stadt möchte nun das sechs Meter breite Trassenband zwischen Gstadt und Kreilhof von der NÖVOG kaufen, um ein durchgehendes Betriebsgebiet zu realisieren und einen Radweg auf Waidhofner Seite Richtung Gstadt zu errichten.

Dieser Radweg soll dann über die einstige Eisenbahnbrücke auf die gegenüberliegende Ybbsseite führen. „Ziel ist es, alle Ybbstal-Gemeinden für den Alltagsradverkehr zu verbinden“, sagt Krammer. Umgesetzt werden soll das Vorhaben in den nächsten fünf Jahren.

Die Versetzung der Haltestelle bei der HTL auf die andere Seite der Gleise, wie im Stadtprojekt von Architekt Ernst Beneder vorgesehen, möchten sich Stadt und NÖVOG gemeinsam anschauen. Eine Renovierung der Citybahn-Haltestellen ist vorgesehen, eine generelle Neugestaltung wird überlegt. Man sei gerade auf der Suche nach der „Haltestelle der Zukunft“, ließ Komarek wissen.

Eine Verschlechterung für jene Fahrgäste, die bislang die Haltestellen Kreilhof und Gstadt nutzten, sieht der Stadtchef durch die Verkürzung der Citybahn nicht. Die betroffenen Personen könnten ohne Probleme mit den bestehenden öffentlichen Verkehrsmitteln Citybus und Mostviertellinie transportiert werden, meint Krammer.

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