Ybbstaler Politik an den Unis. Dietlinde Oberklammer, Marianne Hofbauer und Sabine Hanger stellen sich den ÖH-Wahlen.

Von Lisa Hofbauer. Erstellt am 23. Mai 2019 (04:00)
The Bigsy, VSStÖ/Gabrielli, AG
von links nach rechts: Die Waidhofnerin Dietlinde Oberklammer geht als Spitzenkandidatin für die Liste GRAS bei der ÖH-Wahl ins Rennen. Die Opponitzerin und Studentin der Rechtswissenschaften Marianne Hofbauer kandidiert für den VSStÖ auf Listenplatz fünf. Die Ybbsitzerin Sabine Hanger ist seit eineinhalb Jahren Obfrau der AG Jus und kandidiert auch auf Bundesebene für die AG.

Österreichs Studierende gehen in der kommenden Woche gleich zweimal zu den Wahlurnen: Direkt nach der Europawahl findet von 27. bis 29. Mai an allen österreichischen Universitäten und Fachhochschulen die Wahl zur „Österreichischen Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft“ (ÖH) statt. Rund 400.000 Studierende in ganz Österreich wählen an diesen drei Tagen ihre Interessensvertretung.

Gleich drei Ybbstalerinnen kandidieren bei der ÖH-Wahl 2019 auf Spitzenplätzen. Sabine Hanger geht für die ÖVP-nahe Aktionsgemeinschaft (AG) und Marianne Hofbauer für den SPÖ-nahen Verband sozialistischer Student_innen (VSStÖ) ins Rennen. Beide stehen bundesweit auf Listenplatz fünf. Dietlinde Oberklammer kandidiert bei den Grünen und Alternativen Student_innen (GRAS) sogar als eine von zwei Spitzenkandidatinnen. Nachdem die AG bei der letzten Wahl 15 der insgesamt 55 Mandate, der VSStÖ zwölf und die GRAS neun Mandate zählte, ist ein Einzug aller Ybbstaler Kandidatinnen in die Bundesvertretung schon relativ fix.

Die 26-jährige Spitzenkandidatin der Liste GRAS, Dietlinde Oberklammer, wuchs in Waidhofen auf. Nach ihrer Matura an der Handelsakademie Waidhofen begann Oberklammer, Betriebswirtschaftslehre (BWL) zu studieren. „Ich lebe seit 2012 in Wien, aber ich freue mich auch immer wieder, für ein paar Tage der Stadt entfliehen und Energie am Land tanken zu können“, sagt Oberklammer.

„Für ein gutes Klima braucht es eine laute, politische ÖH sowie eine Hochschule ohne Diskriminierung.“Dietlinde Oberklammer (GRAS)

Ihr BWL-Studium schloss Oberklammer 2017 ab und schnupperte daraufhin eineinhalb Jahre in die Arbeitswelt hinein. Seit Oktober studiert sie an der FH Krems Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement im Master. Ihr Interesse an Umweltthemen schlägt sich aber nicht nur in Oberklammers Studienwahl, sondern auch in ihren Wahlforderungen nieder: Ihr wichtigstes Anliegen ist es, dass sich die Hochschulen „endlich zur Klimapolitik bekennen. Wir fordern eine Reduzierung von Plastik, eine biologische und regionale Mensa, die Aufnahme der Klimakrise in Forschung und Lehre sowie die Digitalisierung von Lernmaterialien“, sagt sie.

Außerdem wolle die Liste GRAS ein gutes Klima an den Unis schaffen. „Dazu braucht es eine laute und politische ÖH und eine Hochschule ohne Diskriminierung“, sagt Oberklammer. Ein „freies Studium“ ist Oberklammer ebenfalls ein wichtiges Anliegen. „Auch ich musste und muss neben dem Studium arbeiten und weiß, womit sich Studierende tagtäglich herumschlagen müssen“, sagt sie. „Wir wollen, dass Studierende ihr volles Potenzial entwickeln können. Dazu gehört, dass sie selbst entscheiden können, wie und wo sie sich den Lernstoff aneignen.“

„Bildung soll allen zur Verfügung stehen“

Eine Uni ohne Diskriminierung ist auch der VSStÖ-Kandidatin Marianne Hofbauer (24) ein großes Anliegen. „Bildung soll nicht nur jenen zur Verfügung stehen, die das Privileg haben, von ihren Eltern genug Geld zu bekommen“, sagt sie. Keinesfalls dürfe man Studierende durch Zugangsbeschränkungen, Aufnahmetests und hohe Gebühren von den Hochschulen fernhalten. „Der VSStÖ setzt sich für ein besseres Beihilfensystem, leistbaren Wohnraum sowie die soziale Absicherung aller Studierenden ein – damit auch wirklich alle studieren können, die studieren wollen.“

Hofbauer wuchs in Opponitz auf und maturierte 2012 am Gymnasium in Waidhofen. Danach absolvierte sie das Bachelorstudium Kultur- und Sozialanthropologie an der Uni Wien. Seit 2016 studiert Hofbauer am Juridicum in Wien, wo sie schließlich auch mit der Hochschulpolitik in Berührung kam. „Schon zuvor habe ich Lust an der Vereinsarbeit gewonnen, als ich im Waidhofner Verein Mit-Menschen mithelfen durfte“, sagt Hofbauer.

„Ich habe dann auch in Wien einen Verein gesucht, bei dem ich mich engagieren kann.“ Die Hochschulpolitik sei da naheliegend gewesen, meint sie. „In der Studienvertretung an der Rechtswissenschaft lief zu der Zeit viel schief“, sagt Hofbauer, die mittlerweile Gruppensprecherin des VSStÖ Jus ist. „Dazu kam, dass die schwarz-blaue Bundesregierung eine extrem studierendenfeindliche Politik und eine Politik, die meinen Grundwerten der Solidarität widerspricht, betreibt.“

„Studierende in ihrem Alltag entlasten“

Auch die Ybbsitzerin Sabine Hanger kam am Juridicum mit der Hochschulpolitik in Berührung. Die 24-Jährige maturierte 2013 am Gymnasium in Waidhofen und studiert nun in Wien Rechtswissenschaften. „Ich habe es selbst erlebt, dass man nach der Schule an der Uni schnell überfordert ist. Damals hat mir die Fakultätsvertretung am Juridicum sehr weitergeholfen, weshalb ich dann etwas zurückgeben und mich ebenfalls engagieren wollte“, erzählt Hanger. Seit zwei Jahren ist sie nun Mitglied in der AG Jus, seit eineinhalb Jahren Obfrau.

Nun will sich Sabine Hanger auch auf Bundesebene für die Anliegen der Studierenden einsetzen. „Vor allem in den Bereichen Digitalisierung und Mobilität braucht es bundesweite Lösungen“, sagt sie. „Wir setzen uns für ein Studententicket für circa 360 Euro im Jahr ein – was zum Beispiel für uns Ybbstaler eine große Erleichterung wäre.“ Auch für die Einführung von Online-Plattformen, auf denen Lernunterlagen und Skripten zur Verfügung stehen sollen, will sich die AG einsetzen. „Mir persönlich ist es ein großes Anliegen, dass die Bundes-ÖH endlich Lösungen in die Tat umsetzt, die Studierende in ihrem Alltag entlasten“, sagt Hanger.