Ybbstaler Johanniter helfen beim Abschied vom Leben. Palliativteam der Johanniter Waidhofen an der Ybbs steht bei tödlichen Erkrankungen zur Seite.

Von Christa Hochpöchler. Erstellt am 09. Mai 2021 (04:01)

Für Menschen, die mitten im Leben stehen, ist der Begriff der Palliativmedizin weitgehend unbekannt. Für die Johanniter ist „Palliative Care“ jedoch Hauptbestandteil der täglichen Tätigkeit.

Der Abschied vom Leben ist schwer. Wenn die medizinischen Möglichkeiten zur Heilung einer Krankheit ausgeschöpft sind und die Lebenserwartung begrenzt ist, beginnt die Palliativmedizin und die Palliativpflege.

„Es ist schwer für die Patienten und deren Familien, mit Problemen umzugehen, die mit einer lebensbedrohlichen Erkrankung einhergehen. Dabei geht es hauptsächlich um Fragen zur Schmerztherapie, künstlicher Ernährung oder Schlaflosigkeit. Wir möchten ein Umfeld schaffen, in dem die Bewältigung krankheitsbedingter Krisen ermöglicht wird und die Zeit des Abschiednehmens als wertvoll erlebt werden kann. Die Angehörigen sollen sich bei der Pflege der Patienten sicher sein“, berichtet Anneliese Gottwald, die Bereichsbeauftragte der Johanniter in Waidhofen.

„Wir möchten ein Umfeld schaffen, in dem die Zeit des Abschiednehmens als wertvoll erlebt werden kann.“ Anneliese Gottwald

Das wichtigste Ziel der Palliativpflege ist, die Beschwerden zu lindern und eine höchstmögliche Lebensqualität für die Patienten zu erreichen. Genauso wichtig wie die körperliche Versorgung ist auch die spirituelle Begleitung. Die Johanniter helfen dem Patienten, Frieden mit dem eigenen Schicksal zu schließen und das Unabänderliche zu akzeptieren.

„Wir nehmen uns Zeit für unsere Klienten und reden über das Lebensende und über ungelöste Belastungen. So möchten wir Angst und Verunsicherung nehmen“, erklärt Gottwald. Selbstbestimmung und die Würde der Menschen stehen im Vordergrund für die Johanniter, auch wenn das manchmal bedeutet, in Absprache mit dem Erkrankten auf eine möglicherweise lebensverlängernde Therapie zu verzichten.

Die Diagnose über eine unheilbare Krankheit wird meistens im Krankenhaus gestellt, Ärzte informieren das Palliativteam. Gemeinsam mit den Ärzten wird schon im Krankenhaus die Situation besprochen, das Palliativteam berät und schult Betroffene und Angehörige. Durch ein maßgeschneidertes Entlassungsmanagement wird ein lückenloser Übergang vom stationären in den häuslichen Bereich gewährleistet. „Gerade hier im Mostviertel ist der Zusammenhalt der Familien enorm spürbar, die Familien schauen aufeinander, die Patienten werden überwiegend zuhause gepflegt“, erzählt Gottwald.

Doch grundsätzlich geht es den Johannitern um das Leben, um die Lebensqualität und da rum, letzte Wünsche noch zu ermöglichen. „Manche Patienten möchten noch heiraten oder ein letztes Mal einen Urlaub am Meer verbringen. Bei anderen kann das ein Ausflug nach Hause sein oder das Sterben in der fernen Heimat. Wir schreiben Anträge und füllen Formulare aus, was speziell bei manchen Medikamenten im Ausland nicht immer einfach ist“, gibt Diplomkrankenpflegerin Regina Seyrlehner einen Überblick.

Die Corona-Pandemie prägte im vergangenen Jahr sämtliche Lebensbereiche. So war auch das Johanniter-Palliativteam gefordert, sich an die neuen Herausforderungen anzupassen, um die Betreuungen aufrechtzuerhalten und die Erkrankten weiterhin bestmöglich zu versorgen. Den Mitarbeiterinnen wurden Laptops und Mobiltelefone zur Verfügung gestellt, die Besprechungen wurden auf Videokonferenz umgestellt. „Trotzdem wurden jederzeit dringende Hausbesuche durchgeführt, natürlich mit Schutzkleidung und Masken“, erzählt Seyrlehner.

Neben den Hausbesuchen wurde zu allen Patienten und deren Angehörigen regelmäßiger Telefonkontakt gehalten. Die größte Befürchtung bei den Patienten und Angehörigen ist nach wie vor die Notwendigkeit einer stationären Aufnahme in das Krankenhaus, weil in der Corona-Krise keine Besuche möglich sind.

Umso wichtiger ist es für das mobile Palliativteam, die Betreuungen in den eigenen vier Wänden so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Das mobile Palliativteam der Johanniter ist seit Juli 2010 in Waidhofen aktiv und hat seinen Stützpunkt im Bürgerspital. Das interdisziplinäre Team besteht aus Arzt, diplomiertem Gesundheits- und Krankenpflegepersonal mit Zusatzausbildung in Palliative Care und einer Assistenz der Teamleitung. Die Betreuung durch das mobile Palliativteam ist kostenlos.