Gemeinderatswahl in Waidhofen/Ybbs: Fragen an die Spitzenkandidaten

Erstellt am 28. Jänner 2022 | 14:19
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Foto: APA/ROLAND SCHLAGER

Was braucht es in Waidhofen im Wohnbereich?

Werner Krammer, Bürgermeister, WVP: Waidhofen bietet leistbaren Wohnraum für alle Lebensentwürfe. Am Lokalbahnhof werden junge Menschen unterstützt. Mit dem Neubau des Pflegezentrums schaffen wir eine sichere Möglichkeit im Alter. Am alten Standort entsteht ein Generationenwohnprojekt. Wir setzen auf Nachverdichtung, um Flächen zu schonen.

Armin Bahr, Vizebürgermeister, SPÖ: Zu allererst braucht es eine Leerstandserhebung. Wir müssen wissen, was, wo und aus welchem Grund leer steht, bevor wir neue Wohnungen auf der grünen Wiese bauen. Wir sind für leistbaren Wohnraum für alle Menschen. Wohnen darf kein Luxus sein. Bei neuen Wohnprojekten gilt: Revitalisierung vor Neubau.

Martin Dowalil, Liste FUFU: Wir sind gegen eine ausufernde Zersiedelung, es fehlen uns definierte Siedlungsgrenzen. Weiters braucht es eine Wohnbedarfsanalyse, um eine bedarfsgerechte Entwicklung beim Wohnen zu gewährleisten. Bodeninanspruchnahmen für Wohnbauten sind einzustellen, die Nachverdichtung im Stadtzentrum ist zu forcieren.

Josef Gschwandegger, FPÖ: Es gibt in Waidhofen mehr als ausreichend Wohnraum, aber leere Wohnungen sind für durchschnittliche Einkommensbezieher oft nicht erschwinglich. Die wachsende Anzahl der Wohnungen steht mit der stagnierenden Einwohnerzahl in keinem angemessenen Verhältnis. Der vorhandene Wohnraum gehört genutzt.

Karl-Heinz Knoll, UWG: Das Wichtigste wäre die Revitalisierung der bestehenden alten Wohnungen – sei es in der Innenstadt oder der bestehenden Genossenschaftswohnungen. Dies würde zusätzliche Flächenversiegelung vermeiden. Das Projekt Lokalbahnhof wird sicher ein Vorzeigeobjekt was junges, leistbares Wohnen anbelangt.

Matthias Plankenbichler, Grüne: Alle Projekte, die im Zentrum verdichten, wie das junge Wohnen beim Lokalbahnhof, der beta campus oder das Hochfeld, sind zu begrüßen. Projekte in der Peripherie, wie die Siedlung in der Schatzöd, sind hingegen abzulehnen. Generell ist das Wohnen in Waidhofen nicht gerade günstig.

Wolfgang Durst, MFG: Sinkende Einwohnerzahlen sowie steigender Eigenheim- und Wohnungsbau im Stadtbereich werden nicht zu einem Mangel an Wohnungsangebot führen. Deshalb sollte man angedachte Projekte nochmals überdenken. Die Zukunft liegt in den Ortsteilen. Grundstückspreise, Verkehrslage und Naturangebot sind dort erfüllbar.

Wie sehen Sie die Bemühungen der Stadt in Sachen Mobilität?

Werner Krammer, Bürgermeister, WVP: Wir wollen Alternativen zum Privatauto schaffen, die bequem sind und angenommen werden. Die E-Scooter, das Carsharing-Angebot und das EMIL-System sind wichtige Anfänge. Wir verbessern laufend das Angebot bei Bus und Bahn. Das Radwegenetz in die Region wird weiter ausgebaut.

Armin Bahr, Vizebürgermeister, SPÖ: Nur wenn es eine sichere und komfortable Alternative zum Auto gibt, wird man eine Verkehrswende erreichen. Gut ausgebaute Öffis, alternative Mobilitätsangebote und weitere Radwege sind auch eine Sache von Gerechtigkeit. Geringverdiener verfügen oft nicht über ein eigenes Auto.

Martin Dowalil, Liste FUFU: Die Zerstörung der Ybbstalbahn ist reiner Wahnsinn. Der öffentliche Verkehr muss ausgebaut, nicht rückgebaut werden. Doch wenn die Bahn schon zerstört wurde, soll dies zumindest dem Radverkehr zugutekommen. Statt E-Scooter sollte man das Konzept des Bike-Sharings andenken.

Josef Gschwandegger, FPÖ: Die Möglichkeiten zum Radwegausbau sind begrenzt. Das Citybus-Angebot ist ausreichend. Die E-Scooter sind im Hinblick auf die Stadtverhältnisse unzweckmäßig.

Karl-Heinz Knoll, UWG: Speziell die E-Leih-Scooter werden von den Jungen und Junggebliebenen gut angenommen. Für die Stadt fordert die UWG seit 27 Jahren ein Citytaxi, denn auch unsere ältere Bevölkerung möchte die „letzte Meile“ nicht zu Fuß gehen. Die Verkürzung der Citybahn ist für mich der falsche Weg gewesen.

Matthias Plankenbichler, Grüne: Die E-Scooter sind cool. Der Radwegausbau ist zu begrüßen, die Citybahn-Verkürzung hingegen nicht, auch wenn der Halbstunden-Takt eine gute Sache ist. Für Carsharing gibt es bei uns offenbar nicht so Bedarf. Der Öffi-Verkehr gehört verdichtet und es braucht ein Waidhofner Klimaticket.

Wolfgang Durst, MFG: Beim Radwegausbau ist für mich der Sicherheitsaspekt wichtig. Viele Straßen sind Hauptverbindungen und als solche intensiv befahren. Das kann für Radfahrer und Autofahrer unangenehm werden. Die Gemeinde sollte eine Kosten-Nutzen-Analyse von geförderter Mobilität durchführen.

Was kann die Stadt in Sachen Klimaschutz tun?

Werner Krammer, Bürgermeister, WVP: Mit dem Manifest für klimaaktive Standortentwicklung wird Klimaschutz bei jeder Entscheidung mitgedacht. Den Weg zur 5-E-Gemeinde mit einem umfangreichen Maßnahmenkatalog zum lokalen Klimaschutz hat der Gemeinderat gemeinsam beschlossen. Er wird auch gemeinsam umgesetzt.

Armin Bahr, Vizebürgermeister, SPÖ: Klimaschutz fängt im Kleinen an: bei öffentlichen Mülltrennsystemen statt Mistkübeln oder Plastikvermeidung bei Stadt-Veranstaltungen. Große Hebel können bei der Vermeidung von Bodenversiegelung, der ökologischen Gemeindebausanierung oder mit einer Solarlandkarte angesetzt werden.

Martin Dowalil, Liste FUFU: Die Bodenversiegelung muss gestoppt und eine aktive Bodenpolitik betrieben werden. In der Innenstadt braucht es eine Begegnungszone. Die 25 Querparkplätze am Oberen Stadtplatz sollen durch einen Grün- und Mehrzweckstreifen ersetzt werden. Haltestellen sollen als Grünoasen ausgeführt werden.

Josef Gschwandegger, FPÖ: Wir fordern einen Stopp der Verbetonierung und Bodenversiegelung. Heimatschutz ist Umweltschutz!

Karl-Heinz Knoll, UWG: Jeder Einzelne sollte sich fragen, was er selbst noch für das Klima tun kann. Ist es notwendig, jeden Meter mit dem Auto zu fahren? Ist es notwendig, tropische Früchte zu kaufen? Ist es notwendig, die Wohnung im Winter auf 25 Grad zu heizen und im Sommer auf 18 Grad zu kühlen?

Matthias Plankenbichler, Grüne: Wir sind für eine E-Bike-Förderung seitens der Stadt. Dann braucht es noch mehr Begrünung und mehr Verdichtung. Und natürlich die autofreie Innenstadt.

Wolfgang Durst, MFG: Ob Waidhofen der Klimakrise entgegenwirken kann, bezweifle ich. Wir haben aber eine Verantwortung, mit unseren Ressourcen ausgewogen umzugehen. Deshalb sollte bei allen Vorhaben der Naturschutz einfließen. Jede weitere Bodenversiegelung muss genau geprüft werden.

Was unterscheidet Sie von den anderen Parteien?

Werner Krammer, Bürgermeister, WVP: Natürlich haben wir inhaltlich unterschiedliche Ansichten. Natürlich unterscheiden wir uns im Stil. So soll das in einer Demokratie sein. Wichtig ist, dass wir alle wissen: Es geht um Waidhofen.

Armin Bahr, Vizebürgermeister, SPÖ: Wir machen keine Klientelpolitik. Für uns stehen alle Waidhofnerinnen und Waidhofner im Fokus. Ihre Anliegen sind unsere Anliegen. Als Team sind wir der Überzeugung, dass es eine sozialere Politik braucht.

Martin Dowalil, Liste FUFU: Äußerlich sollte das klar sein. Inhaltlich nimmt keine andere Fraktion den Klimaschutz so ernst wie wir. Außerdem treten wir offen gegen die Allmachtsphantasien des Bürgermeisters auf.

Josef Gschwandegger, FPÖ: Wir haben konkrete Themen und Ziele und sind wirklich für den kleinen Bürger da – mit all seinen Sorgen und Ängsten. Jetzt ganz besonders, mit dieser Impftyrannei durch die anderen Parteien.

Karl-Heinz Knoll, UWG: Frei von bundes- und landespolitischen Zwängen sind wir nur der Waidhofner Bevölkerung verpflichtet. Als unabhängige Wahlgemeinschaft und älteste Bürgerliste Waidhofens gibt es auch keinen Klubzwang.

Matthias Plankenbichler, Grüne:  Wir wollen einen besseren Planeten. Die Grünen braucht’s für den Kampf gegen die Klimakrise.

Wolfgang Durst, MFG: Keine Angaben 

Wie sieht Ihr Ziel in Mandaten aus?

Werner Krammer, Bürgermeister, WVP: Ich persönlich bewerbe mich, weil ich mich weiter als Bürgermeister mit voller Kraft für diese Stadt einsetzen möchte – so wie ich es in den vergangenen Jahren getan habe.

Armin Bahr, Vizebürgermeister, SPÖ: Aufgrund der vielen Listen ist ein konkretes Ziel schwierig. Wir hoffen, mit unseren Ideen und unserem Einsatz überzeugen zu können und würden uns über einen Zugewinn freuen.

Martin Dowalil, Liste FUFU: Wenn wir unsere vier Mandate halten können, sind wir höchst zufrieden. Den Titel „Bürgermeister der Herzen“ trage ich ohnehin schon seit Jahren.

Josef Gschwandegger, FPÖ: Unsere zwei Mandate halten und eventuell einen Stimmenzuwachs.

Karl-Heinz Knoll, UWG: Jeder Zuwachs an Stimmen und Mandaten ist nicht nur für uns, sondern auch für die Bevölkerung ein Gewinn. Es ist wichtig, dass die UWG ihre Kontrollfunktion ausüben kann.

Matthias Plankenbichler, Grüne: Zwei Mandate.

Wolfgang Durst, MFG: Keine Angaben.