LEKO-Chefin Strauß hat Spaß am Lernen geweckt. Seit 15 Jahren leitet Melitta Strauß das Lernkompetenzzentrum Ybbstal. Ende des Schuljahres übergibt sie.

Von Ulrich Musa-Rois. Erstellt am 23. April 2021 (04:08)
Seit 15 Jahren leitet Melitta Strauß das Lernkompetenzzentrum Ybbstal. Ende des Jahres wird sie die Leitung abgeben.
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Seit nunmehr 15 Jahren leitet Melitta Strauß das Lernkompetenzzentrum Ybbstal (LEKO), das nach seinen Anfängen an der Volksschule Zell mittlerweile eine Heimat an der Volksschule Böhlerwerk gefunden hat und bereits vielen Kindern zu einem erfolgreicheren Lernerlebnis verhelfen konnte.

Melitta Strauß wuchs in Waidhofen auf. Ihren unbändigen Wissensdrang führt sie zu großen Teilen auf ihre Kindheit zurück. Ihre Familie wohnte in einer der Wohnungen, die damals im Schloss Zulehen an der Grenze zu Böhlerwerk eingerichtet waren. „Dieses Aufwachsen mit dem Wald, dem Park und der Ybbs hat, glaube ich, meine Vielseitigkeit gefördert. Wir waren als Kinder auch nicht so beaufsichtigt, wie Kinder das heute sind“, erinnert sich Strauß.

„Wir sehen das Kind als Individuum und versuchen es auch ganzheitlich zu fassen.“ Melitta Strauß

In ihrer Jugend engagierte sie sich dann bei den Pfadfindern. Die Tätigkeit als Gruppenleiterin weckte das Interesse an der Pädagogik und so beschloss sie, eine Lehrerinnenausbildung zu absolvieren.

Seit 15 Jahren leitet Melitta Strauß das Lernkompetenzzentrum Ybbstal. Ende des Jahres wird sie die Leitung abgeben.
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Nach ihrem Schulabschluss begann sie also an der Pädagogischen Hochschule in Krems mit der Ausbildung zur Pflichtschullehrerin für die Fächer Deutsch und Turnen und hängte danach noch eine berufsbegleitende Ausbildung für das Fach Biologie an. Ihre erste Stelle als Lehrerin trat sie in Hollenstein an. Nach Episoden in Strengberg und Wallsee begann sie schließlich an der Hauptschule II in Waidhofen zu unterrichten und war dort später auch am Aufbau der Sporthauptschule wesentlich beteiligt.

Da sich Melitta Strauß schon immer dafür interessiert hat, wie Kinder die Welt unterschiedlich wahrnehmen, begann sie ihre erste Zusatzausbildung, die sich mit der Erfassung von Wahrnehmungsproblemen bei Kindern beschäftigte. Im nächsten Schritt absolvierte sie eine Ausbildung zur Therapeutin für Menschen mit ADHD und ADS und danach noch eine Ausbildung für Psychoedukation für Kinder, Jugendliche und Erwachsene an der Sigmund-Freud-Universität in Wien.

Ziel: Besseres Lernerlebnis für Kinder

Die Motivation für diese zahlreichen Ausbildungen war stets, Kindern mit schulischen Problemen ein besseres Lernerlebnis zu ermöglichen, und vor etwa 15 Jahren konnte dieses Vorhaben mit der Gründung des ersten Lernkompetenzzentrums unter dem jetzigen Bildungsdirektor Josef Hörndler schließlich auch auf eine rechtliche und strukturelle Basis gestellt werden.

Im ersten Jahrzehnt seines Bestehens fand das LEKO in den Räumlichkeiten der Volksschule Zell ein Zuhause, vor vier Jahren wechselte es an die Volksschule Böhlerwerk. Zielsetzung ist es, eine Schnittstelle zwischen Kind, Eltern und Schule zu sein, die Kindern mit Wahrnehmungs- oder Aufmerksamkeitsproblemen sowie mit Lese-, Schreib- und Rechenschwächen helfen kann, den Schulalltag zu absolvieren. Dabei betreuen am LEKO Ybbstal derzeit 14 Lehrerinnen und Lehrer mit Expertenausbildung Kinder im Alter von sechs bis 15 Jahren zwischen St. Georgen/Reith und Allhartsberg.

Um auf die doch sehr unterschiedlichen Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen zu können, ist das Angebot des LEKO sehr vielfältig und immer individuell auf die Kinder zugeschnitten. So gehören Einzeltrainings, die Arbeit in Kleingruppen, Motopädagogik und auch Outdoor-Pädagogik zum Programm. „Wir sehen das Kind nicht als Einzelfaktor, sondern als Individuum, und versuchen es auch ganzheitlich zu fassen“, fasst Strauß einen Grundsatz des LEKO zusammen. Dabei ist es von größter Wichtigkeit, die Kinder zuerst einmal zu erreichen: „Wenn ich ein Kind erreichen kann, kann ich ihm auch etwas beibringen“, erklärt die Pädagogin.

Die Kinder individuell zu fördern, ist das Ziel des Lernkompetenzzentrums Ybbstal. Die Schülerinnen und Schüler der Volksschule Böhlerwerk trainieren ihre Konzentration mit Taifungeschichten.
Evelyn Hörndler, Evelyn Hörndler

Da das LEKO strukturell in das Schulsystem eingebunden ist, erfolgt auch die Anmeldung der Kinder über die Schule. Die Eltern sind jedoch stets in den Prozess mit eingebunden. „Zwei Drittel unserer Arbeitszeit gehören immer dem Kind, der Rest geht in die Beratung“, erzählt Melitta Strauß. Die Inanspruchnahme der Leistungen des LEKO ist dabei immer vollkommen kostenlos für die Eltern.

Strauß ist besonders stolz darauf, mit dem LEKO ein Beispiel dafür geschaffen zu haben, wie gut innerhalb von schulischen Strukturen die Vernetzung zwischen Eltern, Kind, Lehrkräften und Experten funktionieren kann. Auch während der Lockdown-Zeiten im vergangenen Jahr wollte das LEKO für die betreuten Kinder da sein.

Vor-Ort-Betreuung konnte zwar keine stattfinden, dafür wurde aber versucht, unter anderem mit Aufmerksamkeitstraining den Distance-Learning-Alltag für die Schülerinnen und Schüler angenehmer zu gestalten, die Beratung für Eltern konnte ebenfalls online angeboten werden.

Strauß wird nun mit Ende des Schuljahres ein Sabbatical antreten und die Leitung des LEKO abgeben. Auf die Zeit im LEKO und generell ihre Zeit als Lehrerin zurückblickend, stellt sie fest: „Ich habe das Lernkompetenzzentrum leidenschaftlich gerne mit aufgebaut! Ich habe wirklich dafür gebrannt, aus dem Grund, weil ich gesehen habe, es bringt etwas und auch, weil ich stolz darauf war, dass man im Rahmen von Schule so viel Freiheit haben kann und selbst so kreativ sein kann. Auch dass Kinder, die eigentlich nicht so motiviert sind, dann motiviert gekommen sind, ist ein sehr schönes Gefühl.“

Für die Zukunft wünscht sich Strauß, dass die Tätigkeit des LEKO weiter ausgebaut wird und Bildung in der Gesellschaft generell wieder einen höheren Stellenwert bekommt. Gefahren für die jüngere Generation sieht sie in einem teilweise falschen Umgang mit den neuen Medien und in dem in unserer Gesellschaft vorherrschenden Perfektionismus und Leistungsdruck. Den Kindern sollte Zuversicht und Vertrauen in ihre eigenen Fähigkeiten vermittelt werden. „Lassen wir unsere Kinder wieder mehr tun, dabei lernt man am meisten“, meint Strauß.