Klimademo in Waidhofen/Ybbs: Forderung nach Mobilitätswende

Erstellt am 26. Oktober 2022 | 06:12
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Waidhofner Klimaprotest startete wieder. Rund 100 Teilnehmer bei Protestzug.

Nach zweieinhalbjähriger Pause versammelten sich am vergangenen Samstag um 11.15 Uhr wieder Klimaaktivistinnen und Klimaaktivisten aus dem Ybbstal am Wenzl parkplatz in Waidhofen, um im Zuge einer Protestkundgebung wirksame Klimaschutzmaßnahmen von der Politik einzufordern.

Bereits zwischen April 2019 und März 2020 waren die Ybbstalerinnen und Ybbstaler im Zuge der weltweiten Klimaprotestbewegung monatlich für mehr Klimaschutz auf die Straßen gegangen. „Unser Protest hat bereits gewirkt“, hielt Organisator Raphael Kößl zu Beginn der Protestveranstaltung fest und verwies auf den Stopp der Waldviertelautobahn, den auf Eis gelegten Lobau-Tunnel und das österreichische Klimaticket. „Es wurden auch gute politische Entscheidungen getroffen. Das sehen wir und das wollen wir honorieren“, sagte Kößl. Dennoch stimme die Richtung noch immer nicht, ergänzte Organisatorin Julia Bösendorfer. Der CO₂-Ausstoß sinke nicht und deshalb gehe man nun wieder auf die Straße.

Forderungskatalog an Regional- und Bundespolitik

Im Fokus der samstäglichen Kundgebung stand die Forderung nach einer Mobilitätswende. Dazu haben die Organisatoren der Waidhofner Klimaproteste einen Forderungskatalog ausgearbeitet (siehe Infobox), welcher sowohl an die Regional- als auch die Bundespolitik adressiert ist. „Die steigenden Emissionen im Verkehrssektor machen die Klimaschutz-Bemühungen in allen anderen Sektoren zunichte“, sagt Organisator Georg Wagner. „Wir brauchen deshalb rasch eine Mobilitätswende, die es allen Menschen ermöglicht, klimafreundlich mit den Öffis, dem Rad oder zu Fuß unterwegs zu sein.“

Um ihre Anliegen zu untermauern, setzten sich am Samstag um die Mittagszeit rund 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf der Mühlstraße Richtung Stadtzentrum in Bewegung, wo dann beim Forellenbrunnen eine Abschlusskundgebung stattfand. Dabei skandierten sie unter anderem gegen Billigflüge und die dritte Piste am Flughafen Wien.

Eine zentrale Forderung der Klimaaktivisten ist eine Reduktion des allgemeinen Tempolimits auf 100 km/h auf Autobahnen, 80 km/h im Freiland und 30 km/h auf nicht bevorrangten Gemeindestraßen. „Die Temporeduktion ist eine sehr einfache und extrem wirksame Maßnahme sowohl gegen die Klimaerhitzung als auch gegen die Teuerung. Sie hilft Menschen Geld zu sparen, sie schützt das Klima, sie erhöht die Verkehrssicherheit, sie reduziert den Stress und Lärm auf Straßen“, argumentierte Klimaaktivist Eduard Beer bei einem Zwischenstopp am Ende der Mühlstraße.

Eine wichtige regionale Forderung der Organisatorinnen und Organisatoren der Waidhofner Klimaproteste ist es, eine breitflächige Kampagne für die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel umzusetzen. Mit der Rudolfsbahn und den Bussen der Mostviertel-Linie gebe es im Ybbstal schon sehr gute Öffis, die nun auch verstärkt genutzt gehörten, ist man überzeugt. „Die Gemeinden, die Stadt Waidhofen und die Betriebe müssen viel größere Anstrengungen unternehmen, damit die Menschen auch tatsächlich in die Öffis umsteigen“, meint Kößl.

Was die Radinfrastruktur betrifft, so wird das rasche Schließen der Lücken im vorhandenen Wegenetz gefordert. „Radinfrastruktur gehört von den Wohnbereichen bis ins Zentrum durchgehend geführt. Es braucht schnelle, direkte und durchgehende Wege für Alltagsradfahrerinnen und -radfahrer“, sagt Wagner. Die Planungen für die in Aussicht gestellte Radschnellstrecke zwischen Waidhofen und Amstetten müssten umgehend aufgenommen und gemeinsam mit Experten der Radlobby rasch abgeschlossen werden.

Beim Protest thematisiert wurde auch die seit Kurzem in Waidhofen umgesetzte Begegnungszone in der Innenstadt. Von dieser merke man wenig, kritisierte Wagner. „Wir brauchen eine Begegnungszone, die auch ausschaut wie eine Begegnungszone.“ Gefordert werden bauliche Maßnahmen, die die derzeitige Trennung der Verkehrsteilnehmer durch Fahrstreifen, Parkstreifen und Gehsteig aufheben. Bis zu deren Umsetzung solle die Begegnungszone durch Bodenmarkierungen in Fahrspurbreite oder Transparente an den Einfahrten sichtbar gemacht werden. „Was ich gerne hätte: autofreie Städte“, skandierten die Demonstrationsteilnehmer.

Am Ende der Kundgebung wurden die Forderungen der Klimaaktivisten öffentlichkeitswirksam von Organisator Hermann Wagner auf der Rathaustür „angeschlagen“.

Seitens der Kommunalpolitik beteiligten sich der Waidhofner Verkehrsstadtrat Erich Leonhartsberger und die Waidhofner Gemeinderätin Katharina Bahr (beide SPÖ) sowie FUFU-Stadtrat Martin Dowalil am Klimaprotest.