Bürgermeister Raidl: „Das Ziel ist die 4.000er- Marke“

Erstellt am 29. Juni 2018 | 05:00
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Thomas Raidl
Foto: Thomas Raidl
Sonntagbergs Bürgermeister Thomas Raidl (ÖVP) über Felssturz, Bauprojekte, Tourismus, Wohnen und Gemeindefinanzen.

NÖN: Herr Bürgermeister, vor einem Jahr kam es zu dem spektakulären Felssturz in Böhlerwerk. Wie weit ist man hier mit der Sanierung und was wurde gemacht?

Bürgermeister Thomas Raidl: Diesen 6. Juni 2017 werde ich nie vergessen. Gott sei Dank kam hier niemand zu Schaden. Mittlerweile wurde der Hang mit einer Spritzbetonschale gesichert und die Straße und die Nebenanlagen wurden saniert. Es müssen zwar noch ein paar Arbeiten bei der Absicherung durchgeführt werden, die Straße konnte aber bereits letzte Woche wieder für den Verkehr freigegeben werden. Bis Mitte Juli sollen dann auch die Restarbeiten abgeschlossen sein.

Ist der Straßenabschnitt nun sicher?

Raidl: Es gab hier mehrere Untersuchungen von verschiedenen Geologen. Laut ihnen ist die Sicherheit durch die nun durchgeführten Arbeiten gewährleistet.

In Böhlerwerk wurde nun das alte Kinohaus abgerissen. Was ist an seiner Stelle geplant?

Raidl: Das Gebäude gehörte der Amstettner Wohnbaugenossenschaft „Die Siedlung“. Diese plant hier nun drei Wohnhäuser mit 40 Wohneinheiten zu bauen. Der Baustart soll 2019 sein.

Welche weiteren Wohnprojekte hat man in der Gemeinde derzeit noch am Start und welche befinden sich in der Fertigstellung?

Raidl: Wir haben kürzlich die ersten Wohneinheiten der GEDESAG in Nelling übergeben. Hier wurde eine Wohnanlage mit 16 Wohneinheiten errichtet. Mit dem Bau eines zweiten Wohnblocks wird hier nächstes Jahr gestartet. Die Gemysag errichtet gerade in Gerstlöd zehn Reihenhäuser. Daneben werden von einem Privaten noch acht Wohneinheiten in Hilm errichtet und entstehen 20 bis 21 Bauparzellen auf den Kinzlgründen in Bruckbach. Und dann haben wir noch unsere Gemeindewohnungen, die sukzessive renoviert werden.

Hier wurde in der letzten Gemeinderatssitzung angekündigt, dass eine Prioritätenreihung für die Sanierung erstellt werden solle. Liegt diese bereits vor?

Raidl: Im Wohnausschuss gab es hier bereits erste Festlegungen. Zehn Wohnungen wurden heuer ja bereits renoviert. Zuletzt gab es in Bruckbach eine Mieterversammlung, um zu überlegen, wie man auch das Umfeld interessanter gestalten und die Wohnungen dadurch attraktiver machen kann.

Wie wirkt sich die rege Bautätigkeit in der Gemeinde auf die Einwohnerzahl aus?

Raidl: Zum Glück sehr positiv. Die Einwohnerzahl stieg zuletzt. Unser mittelfristiges Ziel ist, dass wir wieder die 4.000-Einwohner-Marke erreichen.

Im Fertigwerden ist auch das Wildbachprojekt Baichberg. Wann soll dieses endgültig abgeschlossen sein?

Raidl: Die Arbeiten werden voraussichtlich Ende August abgeschlossen sein. Es handelt sich hier um ein Kooperationsprojekt mit der zuständigen Wildbachabteilung mit einem Gesamtvolumen von 1,5 Millionen Euro. Das ist eine ganz wichtige Investition zur Sicherung der dortigen Liegenschaften.

Bei der Revitalisierung des Sonntagbergs als Wallfahrtsort kümmert sich die Gemeinde um die Umfeldgestaltung. Was wird hier derzeit umgesetzt bzw. steht als nächstes an?

Raidl: Momentan wird die Oberflächenentwässerung vom Kindergarten abwärts in Kooperation mit der Straßenmeisterei gemacht. Dann steht die Aktivierung des Lehrpfades „Wald der Sinne“ an. Hier wurden kürzlich der Spielplatz neu gestaltet und die Infopoints verbessert.

Macht sich die Revitalisierung der Basilika touristisch bemerkbar?

Raidl: Auf jeden Fall. Unser Fokus liegt ja auf dem Tagestourismus, da haben wir jetzt auch unter der Woche eine rege Frequenz. Zu verdanken ist das einem guten Marketing, aber auch den vielen Veranstaltungen, wie zuletzt dem Rad-Weltrekordversuch. Am 13. Juli findet am Sonntagberg auch wieder die Österreich-Radrundfahrt statt. Durch die Aktivitäten des Vereins Sonntagberg und das engagierte Pfarrteam rund um Pater Franz Hörmann ist fast immer irgendein Event bei uns.

Kurz vor der Fertigstellung befindet sich auch die Sportarena in Böhlerwerk. Was wurde hier gemacht und was ist zur Eröffnung geplant?

Raidl: Hier befinden wir uns gerade im Endspurt. Die Tribüne wurde hier neu gestaltet und neue Vereinshäuser und Unterkünfte für den FC Sonntagberg und die Tennisspieler des KSV Böhlerwerk wurden errichtet. Die Eröffnung startet am Freitag, 6. Juli, um 18 Uhr mit einem kleinen Festakt. Im Anschluss wird es ein Lokalderby zwischen Sonntagberg und Waidhofen geben. Am Samstag haben wir einen Nachwuchstag im Fußball und Aktivitäten im Tennisbereich vorgesehen. Für Sonntag ist um 10 Uhr noch ein Frühschoppen mit der Werksmusikkapelle geplant.

Dass die Rudolfsbahn seit dem letzten Fahrplanwechsel der ÖBB in der Haltestelle Sonntagberg nur mehr sporadisch stehen bleibt, war für die Gemeinde sehr schmerzhaft. Wie möchte man das wieder ändern?

Raidl: Der Gemeinderat hat eine Resolution verabschiedet, in welcher gefordert wird, die Haltestelle mit dem nächsten Fahrplanwechsel im Dezember wieder voll zu installieren. Wir haben so nochmals zum Ausdruck gebracht, dass die derzeitige Situation für uns nicht in Ordnung ist. Natürlich muss man froh sein, dass die Shuttle-Variante eingeführt wurde. Wir werden über den Sommer aber noch einmal die zuständigen Stellen daran erinnern, dass wir da nicht locker lassen.

Wie wurde die Umstellung auf den Gelben Sack in der Gemeinde angenommen?

Raidl: Natürlich gibt es auch bei uns unterschiedliche Meinungen dazu. Für den einen oder anderen ist die neue Regelung sicher gewöhnungsbedürftig. Aber es ist sicher ein Argument, dass die Recyclingquote verbessert wird, indem die Eigenverantwortung erhöht wird.

Auch die neuen Recycling-Platzl gibt es in Sonntagberg bereits. Wie wurden diese aufgenommen? Raidl: Hier gab es eine ähnliche Diskussion, weil die eine oder andere Müllsammelstelle dadurch aufgelassen wurde, obwohl sie vielleicht praktisch war. Die Gemeinde muss da weiter informieren, auch über die Wohnbaugesellschaften. Die eine oder andere Nachjustierung ist hier aber sicher noch notwendig.

In Sonntagberg wurde nun auch wieder ein Dorferneuerungsprozess gestartet. Welche Projekte sind da am Laufen?

Raidl: Hier gibt es verschiedene Arbeitskreise, die sehr engagiert bei der Sache sind. Touristisch wird etwa an einer Neubeschilderung der Wanderwege oder am Beherbergungsangebot gearbeitet. Ein anderer Arbeitskreis setzt sich mit dem Glasfaserausbau auseinander, wieder ein anderer mit den Themenbereichen Energie, Mobilität und Umwelt. Da soll etwa ein Projekt „Essbare Gemeinde“ umgesetzt werden und auch das Öffi-Schnupperticket zum Ausleihen fällt da rein. Wir sind da also schon voll in der Umsetzungsphase.

Sonntagberg liegt auch am Ybbstalradweg. Kann die Gemeinde ein wenig vom Radler-Boom im Oberen Ybbstal profitieren?

Raidl: Man merkt schon, dass der Radverkehr mehr geworden ist. Der Sonntagberg ist da sicher ein Anziehungspunkt. Obwohl die meisten schon weiter Richtung Waidhofen fahren, radeln doch auch viele auf den Sonntagberg rauf.

Der Radweg im Vorderen Ybbstal wurde schon mehrfach als nicht ideal kritisiert. Gibt es hier Überlegungen, um den Radweg durch Sonntagberg zu verbessern?

Raidl: Es gibt hier sicher noch Verbesserungsbedarf. Der Radweg ist bei uns aber einfach anders gewachsen und es hat ja auch seine Reize, durch Siedlungen zu fahren und die Ortschaften zu sehen. Überlegungen zur Verbesserung des Radwegnetzes gibt es gemeinsam mit Waidhofen hinsichtlich des Alltagsradverkehrs. Hier gibt es ein Konzept von Hilm nach Waidhofen, aber das geht nicht von einen Tag auf den anderen, weil es ja auch der Zustimmung der Liegenschaftsbesitzer bedarf.

Wie steht es um die finanzielle Situation der Gemeinde?

Raidl: Die ist nach wie vor angespannt, wir sind Sanierungsgemeinde und ohne der außerordentlichen Hilfestellung des Landes wären keine Investitionen und auch kein ausgeglichener Haushalt möglich. Aber wir haben trotz großer Investitionen auch heuer wieder einen Schuldenabbau vorgesehen. Das ist schon erfreulich.

In zwei Jahren finden wieder Gemeinderatswahlen statt. Werden Sie wieder als Bürgermeister kandidieren?

Raidl: Wenn die Gesundheit passt und das Vertrauen da ist, habe ich schon vor, noch einmal zu kandidieren und mich für Sonntagberg einzubringen.