Umschwung bleibt aus

Erstellt am 27. Jänner 2015 | 06:04
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Foto: NOEN, Markus Huebmer
SPÖ baut Stimmenvorsprung auf ÖVP aus. Hobiger zieht Konsequenzen.

Lediglich zwei Stimmen trennten SPÖ und ÖVP in St. Georgen/Reith bei der Gemeinderatswahl 2010. Für den 25. Jänner 2015 wurde wieder ein knappes Ergebnis erwartet. Ein Wahlkrimi, wie im Jahr 2010, blieb allerdings aus. Die Gemeinderatswahl am Sonntag brachte recht klare Verhältnisse.

Die SPÖ von Bürgermeister und Landtagsabgeordneten Helmut Schagerl konnte gegenüber 2010 um 45 Stimmen zulegen und kam auf 50,95 Prozent der Stimmen. Die Sozialdemokraten konnten damit ihre absolute Mehrheit gut absichern, auf ein weiteres Mandat fehlten lediglich rund zehn Stimmen.

Die ÖVP verzeichnete hingegen nur ein Plus von drei Stimmen und kam auf 43,35 Prozent. Der Mandatsstand im Gemeinderat blieb dadurch unverändert. Die SPÖ hält nach wie vor bei acht Mandaten, die ÖVP bei sieben. Knapp verpasst hat den Einzug in den Gemeinderat die Bürgerliste MIR – Miteinander für Reith. Sie erhielt mit 33 Stimmen 5,7 Prozent. Nur zwei bis drei Stimmen fehlten den drei Damen rund um Spitzenkandidatin Esther Hejj-Helmel auf ein Mandat.

Erfreut über das Abschneiden der SPÖ zeigte sich Bürgermeister Helmut Schagerl. „Wir haben ganz schön zugelegt. Das ist ein toller Erfolg“, so der Bürgermeister. Es zeige, dass die bisherige Arbeit honoriert werde. Man werde die Bevölkerung sicher auch weiterhin nicht enttäuschen.

Weniger zufrieden mit dem Ergebnis gibt man sich bei der ÖVP. „Ja, ich bin sehr enttäuscht“, so Klaus Hobiger, der bei der Wahl als einer von zwei ÖVP-Spitzenkandidaten ins Rennen ging. Für das mäßige Abschneiden seiner Fraktion und den Erfolg der SPÖ macht er zwei Faktoren verantwortlich: „Zum einen hat die Zweitwohnsitzerproblematik klar uns geschadet, zum anderen hat der Herr Bürgermeister als Landtagsabgeordneter doch einen großen Bonus gehabt.“

Das Antreten der Liste MIR habe der ÖVP wahrscheinlich zusätzlich geschadet. Auch ÖVP-Mandatar Josef Pöchhacker als zweiter ÖVP-Spitzenkandidat gibt sich enttäuscht. Die Zweitwohnsitzer und der Bonus des Bürgermeisters als Landtagsabgeordneter seien für den Wahlausgang letztlich entscheidend gewesen, ist Pöchhacker überzeugt. „Wenn man diese Faktoren berücksichtigt, so muss man zufrieden sein.“

Liste MIR verpasst knapp den Einzug

Das Ergebnis gelte es aber zu akzeptieren, fügt Hobiger an. Der ÖVP-Fraktionschef sieht sich als Hauptverantwortlichen für das Wahlergebnis und will deshalb Konsequenzen aus dem Wahlausgang ziehen. „Ich
werde künftig höchstwahrscheinlich nicht mehr im Gemeinderat vertreten sein“, kündigt der ÖVP-Fraktionschef an. „Ich bin nun zehn Jahre an der Spitze der ÖVP gestanden. Nun ist es Zeit, junge Leute ranzulassen.“

Hobigers Entschluss, sich aus der Politik zurückzuziehen, ist schon so gut wie fix, auch wenn er unter den Kandidaten, die für die ÖVP zur Wahl gestanden sind, die meisten Stimmen erreicht hat. „Wir sind ein gutes Team, es braucht aber nun eine Rotation.“

Wer nun für die ÖVP tatsächlich in den Gemeinderat einziehen wird, soll in den nächsten Tagen entschieden werden. Natürlich werde man sich an die vergebenen Vorzugsstimmen (siehe Infobox) halten, sagt ÖVP-Obmann Pöchhacker. Man müsse aber auch die Entscheidungen der einzelnen Kandidaten zur Kenntnis nehmen.

Die SPÖ wird ihre acht Gemeinderatssitze gemäß ihrer Listenreihung besetzen. Damit zieht Stefan Göttlinger neu in den Gemeinderat ein.

Nicht sonderlich enttäuscht gibt sich MIR-Spitzenkandidatin Esther Hejj-Helmel. „Natürlich hätten wir uns ein Mandat erhofft. Wir hätten gerne mitgearbeitet, aber dass wir den Einzug doch nicht geschafft haben, ist nicht so schlimm. Vielleicht hat das Antreten der Liste MIR ja bewirkt, dass SPÖ und ÖVP in Zukunft doch wieder miteinander kommunizieren“, gibt sich Hejj-Helmel optimistisch.
 

IM GEMEINDERAT

SPÖ (8 Mandate)
Helmut Schagerl
Helmut Spanring
Thomas Aigner
Birgit Krifter
Robert Kern
Ulrike Katzensteiner
Stefan Göttlinger (neu)
Walter Kern

ÖVP (7 Mandate)
Die Reihung nach Vorzugsstimmen:
Klaus Hobiger
Josef Pöchhacker
Franz Hager
Johann Schölnhammer
Thomas Haidler (neu)
Petra Ortner (neu)
Engelbert Auer
Michaela Hochauer (neu)
Erich Baumann
Gertraud Lengauer (neu)
Rainer Frühwald
Johann Lindner (neu)
Wer letztendlich tatsächlich einen Gemeinderatssitz übernehmen wird, steht erst in den nächsten Tagen fest.
 

ZITIERT

„Das Wahlergebnis bringt klare Verhältnisse. Es zeigt, dass die Arbeit, die wir in den letzten Jahren als Team für St. Georgen/Reith geleistet haben, von der Bevölkerung gut geheißen wird.“
Bürgermeister Helmut Schagerl, SPÖ

„Das Ergebnis ist die Bestätigung des bisher erfolgreichen Weges. Damit ist gesichert, dass die SPÖ in St. Georgen/ Reith nun insgesamt 25 Jahre die Geschicke lenkt. Ich möchte meinem Nachfolger gratulieren, ich weiß, dass er seine Sache gut macht.“
Altbürgermeister Andreas Rautter, SPÖ

„Ich freue mich, dass es so gut geklappt hat. Ganz besonders freue ich mich auf meine Aufgaben als Sozialgemeinderätin. Ich darf mit einem super Team zusammenarbeiten, wo man untereinander Verständnis hat.“
Birgit Krifter, SPÖ

„Es hat sich nichts verändert. Natürlich bin ich enttäuscht. Eine Trendumkehr wäre schön gewesen. Ich bin überzeugt, die Nebenwohnsitzsituation war ausschlaggebend für den großen Unterschied. Die SPÖ hat das ausgenutzt.“
Josef Pöchhacker, ÖVP

„Das Bittere ist, dass wir uns in den letzten Jahren so eingesetzt haben. Wir wollten ständig zeigen, dass wir besser sind. Die Wahlbeteiligung von 94,8 % freut mich.“
Klaus Hobiger, ÖVP

„Ich bin nicht sehr enttäuscht. Vielmehr bin ich glücklich und auch ein bisschen stolz, dass uns doch so viele Bürger gewählt haben. “
Esther Hejj-Helmel, Liste MIR