Vize schnallt den Gürtel enger

Erstellt am 08. Februar 2011 | 00:00
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INTERVIEW / Vor einem Jahr betrat Fritz Huber wieder die politische Bühne. Heute ist er als Sonntagberger Vizebürgermeister gefordert. Ein Gespräch über Politik und Gewicht.

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Fritz Huber: „Am 20. Oktober kommt Marc Pircher in die Festhalle. Den kenne ich persönlich recht gut.“ZACHER
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VON STEFAN HACKL

SONNTAGBERG / Nach dem Marktfest im September zog Fritz Huber die Reißleine. Er verordnete sich eine strikte Abnehmkur (Metabolic Balance), strampelte im Fitnesscenter und achtete beharrlich auf seine Gesundheit. Sein Umdenken hatte einen ernsten Hintergrund, lag der bullige Polizeibeamte und Entertainer doch im Sommer mit Verdacht auf Herzinfarkt darnieder.

27 Kilogramm hat der Sonntagberger Vizebürgermeister seitdem abgenommen, zehn weitere sollen folgen. Ein politisches Leichtgewicht ist der ehemalige SPÖ-Ortsparteiobmann und nunmehrige Bürgerlisten-Chef dennoch nicht - wie er im NÖN-Interview beweist.

 

NÖN: Vor einem Jahr haben Sie angekündigt, in die Politik zurückzukehren. Bei der Gemeinderatswahl holte Ihr „Soziales Bürgerforum“ zwei Sitze, jetzt sind Sie Vize in einer Koalition mit der ÖVP. Gleichzeitig gab es aber auch viele Anfeindungen. Haben Sie jemals den Schritt zurück in die Kommunalpolitik bereut?

Fritz Huber: Nein, überhaupt nicht. Kommunalpolitik ist eine hochinteressante, spannende Sache. Die Attacken, die am Anfang geritten wurden - vor allem gegen meine Kollegin Katharina Progsch -, haben uns nur noch mehr bestärkt. Es hat sich gezeigt, wie notwendig unsere Forderungen nach einem Kassasturz und einem Sanierungskonzept gewesen sind. Das hat Zahlen zutage gefördert, die bisher nicht bekannt waren.

 

NÖN: Hat sich die politische Situation in Sonntagberg mittlerweile beruhigt?

Huber: Es ist in der Tat ruhiger geworden. Man spürt es aber hin und wieder, dass man mit uns keine Freude hat. Andererseits erhalten wir auch sehr viel Zuspruch aus der Bevölkerung, besonders von Leuten, die der ganzen bisherigen politischen Situation kritisch gegenüber gestanden sind. Viele erkennen, dass eine politische Veränderung nach den Jahren der absoluten Mehrheit der SPÖ wichtig war. Die Weltuntergangsstimmung, die von der SPÖ inszeniert wurde, ist nicht eingetreten.

 

NÖN: Welche Erfolge konnte die neue Koalition von ÖVP und Bürgerforum bisher verbuchen?

Huber: Der Kassasturz war sicher entscheidend. In der Folge haben die ersten Konsolidierungsmaßnahmen gegriffen. Hätten wir von Erwin Pröll nicht gerade noch die Bedarfszuweisung in Höhe von einer Million Euro erhalten, hätte die Gemeinde im Jänner keine Gehälter mehr zahlen können.

NÖN: Was ist in Ihrem Ressort, der Kultur, weitergegangen?

Huber: Eine große Herausforderung war das Marktfest, das trotz bescheidener Geldmittel ein großartiger Erfolg mit etlichen tausend Besuchern wurde. Die Vereine haben zu diesem Erfolg wesentlich beigetragen. Das Marktfest zeigt die Richtung auf, in die ich gehen will: Das Hauptinteresse soll den eigenen Kulturmachern gelten, gespickt mit bekannten Künstlern. Heuer zählt sicher die Ausstellung über die Gemeinde Böhlerwerk von Erwin Wimmer zu den Highlights. Am 11. und 12. März tritt das Vokalensemble Biberbach mit irischer Musik in der Festhalle auf. Mit den Vierkantern und Kammerhofer bin ich in Verhandlungen. Fix ist, dass Marc Pircher am 20. Oktober kommt. Den kenne ich persönlich recht gut.

NÖN: Trotz Pröll-Unterstützung ist der Abgang im Gemeindebudget sehr groß. Wird es weitere Sparmaßnahmen geben?

Huber: Weitere Einsparungsmaßnahmen sind unausweichlich. Deshalb ist es wichtig, dass wir ein Sanierungskonzept auf Schiene bringen. Das betrifft auch das Personal. Einsparungen in diesem Bereich müssen aber sozial ausgewogen und nicht zum Nachteil der Bediensteten sein. Darauf werden wir achten.

 

NÖN: Wie ist Ihr Verhältnis zu Bürgermeister Thomas Raidl?

Huber: Thomas Raidl ist bereit, zum Wohl der Gemeinde zu arbeiten. In der Zusammenarbeit merkt man, dass ihm das persönlich ein Anliegen ist. In seinem Team hat er Topleute, speziell wenn ich an Genoveva Leitner denke. Thomas ist aber eher auf der diplomatischen Seite, während ich den geraden Weg gehe. Da haben wir schon immer wieder unterschiedliche Ansichten. Letztlich finden wir aber einen gemeinsamen Nenner.

 

NÖN: Kritiker bezeichnen das Bürgerforum als ÖVP-Beiwagerl. Laufen Sie nicht Gefahr, geschluckt zu werden?

Huber: In einer Koalition muss man zusammenarbeiten. Das ist klar. Aber wir sehen das Soziale Bürgerforum sehr wohl als Langzeitprojekt. Wir wollen uns als Plattform für kritische Zeitgeister etablieren und bei der nächsten Wahl stärker werden. Parteien werden heutzutage eher kritisch gesehen. Das ist eine Chance für unser Bürgerforum.

 

NÖN: Wie ist Ihre Gesprächsbasis mit der SPÖ?

Huber: Mit Fraktionsführer Günther Hammerschmid habe ich eine sehr gute Gesprächsbasis.

 

NÖN: Bleibt noch Zeit für Ihr Alter Ego, Entertainer Frederik?

Huber: Er lebt noch (lacht). Aber natürlich bin ich musikalisch nicht mehr so viel unterwegs.