120 Personen bei Demo: Stadt tritt für Bleiberecht ein

Erstellt am 28. Dezember 2018 | 04:27
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Roswitha Bramauer, Gemeinderätin Ursula Schrefl (FUFU), Stadtrat Erich Leonhartsberger (SPÖ & UA), Ulli Schauer, Saido, Dzhamila und Kristina Babayan, Gemeinderätin Katharina Bahr (SPÖ & UA), Norbert Hummer und Integrationsstadträtin Beatrix Cmolik (WVP) (v.l.) demonstrierten gemeinsam für ein humanitäres Bleiberecht.
Foto: NOEN
Über 100 Personen setzten sich am Samstag in Waidhofen für ein humanitäres Bleiberecht ein.

In sechs Sprachen wünschte Norbert Hummer vor dem Waidhofner Rathaus ein frohes Weihnachtsfest. Mit diesem verbindenden Symbol startete die bereits zweite Demo für humanitäres Bleiberecht in Waidhofen, die sich trotz des strömenden Regens über großen Andrang freuen konnte: 120 Menschen kamen, um sich gegen die restriktive Asylpolitik der türkis-blauen Bundesregierung auszusprechen.

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Nach der Kundgebung vor dem Rathaus zogen die 120 Demonstranten mit Transparenten durch die Stadt.
Foto: Andreas Kössl

Organisiert wurde die Demonstration einmal mehr von der überparteilichen Initiative „Waid-a-hoffen“, die als Reaktion auf mehrere inhumane Abschiebungen gut integrierter Familien ins Leben gerufen wurde. „Ich wünsche uns allen, dass es heuer wirklich ein frohes Weihnachtsfest wird“, sagte Organisator Norbert Hummer nach seiner Begrüßung. „Und ich wünsche uns, dass wir uns im neuen Jahr weniger Sorgen machen müssen als heuer.“

„Ich wünsche uns allen, dass es wirklich ein frohes Weihnachtsfest wird und dass wir uns im neuen Jahr weniger Sorgen machen müssen.“ Organisator Norbert Hummer

Dass der Einsatz für ein humanitäres Bleiberecht und eine menschliche Asylpolitik (fast) keine Parteigrenzen kennt, zeigte sich auch an den bei der Demonstration anwesenden Personen. Sowohl Mandatare der Gemeinderatsfraktion SPÖ & UA, der Liste FUFU als auch der Waidhofner Volkspartei waren dieses Mal unter den Demons tranten. Im Namen der Bürgermeisterpartei sprach Integrationsstadträtin Beatrix Cmolik (WVP) zu den Anwesenden: „Ich setze hier heute sowohl als Integrationsstadträtin als auch als Mensch ein Zeichen für humanitäres Bleiberecht und für ein friedliches Miteinander aller Menschen. Jeder Mensch hat das Recht, ein Leben in Geborgenheit und Sicherheit und ohne Angst zu führen.“

Während bei der ersten Demo der Initiative „Waid-a-hoffen“ Fälle von inhumanen Abschiebungen gut integrierter Flüchtlinge aufgezeigt wurden, kamen am vergangenen Samstag Personen zu Wort, die in Waidhofen leben und die von Abschiebungen betroffen sind.

„Das Warten ist sehr belastend“

So berichteten etwa Dzhamila und Saido Babayan im Gespräch mit Ulli Schauer vom bangen Warten auf einen Asylbescheid. „Das Warten ist sehr belastend“, sagte Dzhamila. Sie und ihr Mann Rustam Khudoyan haben bereits einen negativen Bescheid erhalten, Saido und seine Frau Kristina Babayan bereits ihren zweiten. Dzhamilas und Saidos Eltern haben, obwohl sie schon seit drei Jahren in Waidhofen leben, noch gar nichts von der Asylbehörde gehört. „Das Arbeiten fehlt uns. Wir würden so gerne arbeiten gehen, um etwas für unsere Kinder schaffen zu können“, sagte Dzhamila.

Auch der junge Iraner Shahram Fakhri, der im Gespräch mit Sissi Weichselbaum von seiner Situation berichtete, hofft auf einen positiven Asylbescheid, um endlich arbeiten gehen zu können. Der studierte Bauingenieur hat sich bereits bei doka beworben. „Dort meinten sie, sie würden mich gerne nehmen, aber zuerst brauche ich eine Arbeitsbewilligung“, erzählte er.

Darauf ergänzte SPÖ-&-UA-Mandatarin Katharina Bahr, die durch den Nachmittag führte: „Inte gration kann dann gelingen, wenn jeder Mensch in seinem Leben Sinnhaftigkeit verspürt – und Sinn ist das Mindeste, das man jedem Menschen gewähren soll.“ Zum Abschluss der Kundgebung wurde bei einem Rundgang durch die Stadt noch ein sichtbares Zeichen für die Solidarität gesetzt.