Sturzflut an Ybbs gibt Rätsel auf

Erstellt am 30. August 2018 | 05:03
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Augenzeugen berichten von Flutwelle. Kraftwerksbetreiber können sich das nicht erklären.

Von einem gefährlichen Zwischenfall an der Ybbs am Sonntag, 19. August, berichten Augenzeugen gegenüber der NÖN. Um 10 Uhr habe sich eine Sturzflut vom EVN-Kraftwerk Kaiser-Jubiläumswehr schwallartig bis zum Kraftwerk Stadtwehr der stadteigenen Energiegesellschaft EGW ergossen. Spaziergänger an der Ybbs hätten sich gerade noch in Sicherheit bringen können, bevor die Ybbs in kürzester Zeit um zwei Meter angeschwollen sei. Davor sei der Wasserstand der Ybbs in dem Bereich ungewöhnlich niedrig gewesen.

„Das hätte leicht in einer Katastrophe enden können“, berichtet ein Anrainer, der sich zu dem Zeitpunkt mit seiner Tochter am Ybbsuferweg befand. Viele Leute hätten an diesem Sonntagvormittag die freiliegenden Sandbänke und Felsen genossen. „Ich habe ein wildes Rauschen vernommen, ehe eine Sturzflut daherkam, wie ich sie nur aus Filmen kenne“, erzählt der Mann.

„Mit unserem Kraftwerk hat das aber sicher nichts zu tun“Stefan Zach

EVN-Sprecher Stefan Zach kann sich das nicht erklären. „Mit unserem Kraftwerk hat das aber sicher nichts zu tun“, sagt er und verweist darauf, dass an dem Sonntag vor dem Stadtwehr extremes Niedrigwasser festgestellt worden sei. Um das Überleben der Fische zu sichern und den Wasserstand zu heben, habe man beim Jubiläumswehr manuell den Durchfluss erhöht. Eine Flutwelle habe sich dabei aber sicher nicht ergossen, hält Zach fest. Dass ein technischer Defekt am Kaiser-Jubiläumswehr eine solche verursacht haben könnte, schließt er aus.

Bei Niedrigwasser schalte sich die Turbine des Kraftwerks Stadtwehr aus und der Ablass öffne sich, erklärt Bürgermeister Werner Krammer. Deshalb sei an besagtem Tag oberhalb des Wehrs sehr wenig und unterhalb viel Wasser gewesen.

Von einer Flutwelle habe er nichts gehört. Der Obmann des Vereins „Rettet die Ybbsäsche“ Leopold Hochpöchler spricht von einer brenzligen Situation und verweist auf die Problematik der sich oft ändernden Pegelstände in Fließgewässern, welche die Stromproduktion optimieren sollen. „Auch wenn das in der Intensität nicht üblich ist, für die Biodiversität im Fluss ist das auf Dauer katastrophal“, sagt er.