Woher kommt Zell? Diskussion um Ortsnamen. Uneinigkeit herrscht, woher der Name für den Ortsteil von Waidhofen an der Ybbs kommt. Wahrscheinlichste Version ist, dass Mönchszelle gemeint war.

Von Leo Lugmayr. Erstellt am 18. April 2021 (04:49)
Der Ortsteil Zell wird gerne als Waidhofens 1. Bezirk bezeichnet und dank seiner Südhanglage als sonnige Zell gelobt. Soviel steht fest. Foto: Lugmayr
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Für die Herkunft der Ortsbezeichnung Zell an der Ybbs existieren zumindest drei Versionen. „Ich habe festgestellt, dass mein Enkelkind in der Volksschule mit mehreren Versionen konfrontiert wird. Woher soll es wissen, was stimmt?“, sagt der in Zell lebende Fritz Močnik, der sich mit dieser Frage in einem Leserbrief an die NÖN gewandt hat.

Tatsächlich wird von den Waidhofner Nachtwächtern gerne die Version erzählt, dass der Name sich von einer dem Ufer entlang errichteten Häuserreihe, einer „Zeile“, ableitet. Das bestätigt Nachtwächterin und Historikerin Gudrun Huemer.

Historiker Walter Zambal verweist auf ein Buch des Zeller Historikers Peter Maier, der sich in dem 2006 von ihm verfassten und von der Stadt Waidhofen anlässlich der Landesausstellung herausgegebenen Werk „Waidhofen an der Ybbs – Spuren der Geschichte“ dazu äußert. Auf Seite 64 schreibt Maier: „Die Namensform cella weist eindeutig auf die kirchenlateinische Sonderbedeutung des Wortes Cella hin.“ Eine Cella ist gleichzeitig Wohnraum eines Mönchs, eine Klause also. Eine Herleitung von Zeile schließt Maier aus. „Das erscheint auch mir am wahrscheinlichsten“, sagt Zambal.

Močnik hält eine andere Version für zutreffender: „Wissenschaftler führen Zell auf „selo“, slawisch für Dorf oder Siedlung zurück, was für Bad Zell (OÖ) oder Zell am See eindeutig belegt ist“, sagt er. Dass Namen wie Ybbs, Opponitz sowie zahlreiche Flur- und Hofnamen im Ybbstal auf slawische Wurzeln zurückgehen, ist erwiesen. Bis ins 8. Jahrhundert hinein war das Ybbstal tatsächlich fast ausschließlich slawisch besiedelt.

Letzte Sicherheit gibt es laut Huemer für keine Version: „Aber es lässt sich darüber trefflich diskutieren.“