Bürger für besondere Dienste geehrt. Stadt Waidhofen vergab höchste Auszeichnungen an Reinhard Kittl und Martin Reifecker.

Von Andreas Kössl. Erstellt am 04. Dezember 2019 (03:16)

Die zwei höchsten Auszeichnungen, welche die Stadt zu vergeben hat, wurden am Montag im Rathaus an zwei große Söhne Waidhofens vergeben. Der im September ausgeschiedene SPÖ-Vizebürgermeister Martin Reifecker erhielt den Ehrenring der Stadt und dem pensionierten Zeller Pfarrer Reinhard Kittl wurde die Ehrenbürgerschaft verliehen.

Die beiden Geehrten hätten in ihren jeweiligen Bereichen mit viel Beharrlichkeit im positiven Sinne Spuren hinterlassen, würdigte Bürgermeister Werner Krammer ihr langjähriges Wirken. „Ich stimme zwar nicht immer mit ihnen überein, aber das muss auch nicht so sein“, sagte der Stadtchef. „Wichtig ist, dass sie von dem, was sie tun, zu 100 Prozent überzeugt sind.“

Reifecker (46) kam 2005 in den Waidhofner Gemeinderat und war von 2009 weg knapp zehn Jahre als zweiter Vizebürgermeister der Stadt aktiv. Er war Vorsitzender des Verkehrs- und zuletzt des Sozialausschusses. Die Laudatio auf ihn hielt sein Nachfolger Armin Bahr. Reif ecker sei für ihn ein Parteivorsitzender und Mentor gewesen, der ihm stets das Gefühl gegeben habe, alles sei machbar, sagte der amtierende SPÖ-Vize. „Für Themen, die für ihn wichtig waren, hat er immer klar Stellung bezogen.“

60.000 Beichten und täglich eine hl. Messe

Mit der höchsten Auszeichnung der Stadt, der Ehrenbürgerschaft, wurde anschließend der seit 1. Oktober pensionierte Zeller Pfarrer Reinhard Kittl (71) bedacht. Fast 40 Jahre lang war er als Pfarrer der Pfarrgemeinde aktiv. 1980 folgte er Johann Litsch nach, der dieses Amt von 1942 bis 1979 bekleidete. Damit ist Kittl der längstdienende Zeller Pfarrer, ein Umstand, den auch Altbischof Klaus Küng in seiner durchaus launigen Laudatio hervorhob. Als gebürtiger Waidhofner sei Kittl einer der seltenen Fälle, in denen ein Pfarrer in seiner Heimatgemeinde tätig sei. „Normalerweise wird das vermieden“, sagte Küng. „Hier war das aber offensichtlich kein Problem.“

Der Altbischof strich Kittls Bescheidenheit sowie seine bodenständige und herzliche Art hervor. „Jeder wusste, sein Leben gehört der Pfarre und sein Herz hängt an Gott“, sagte Küng. Er verwies auf die tägliche heilige Messe, die Kittl fast 40 Jahre lang auf der Zell gehalten hatte, sowie auf 60.000 abgenommene Beichten. „Die Pfarrkirche Zell gehört nicht zu jenen Kirchen, die immer leerer geworden sind“, strich Küng hervor. „Im Gegenteil, sie ist immer gesteckt voll.“

Einen Grund dafür sieht der Altbischof in der Redegewandtheit des neuen Waidhofner Ehrenbürgers. „Pfarrer Kittl steht zu 100 Prozent zu dem, was er sagt. Er schöpft aus dem Glauben und seiner Frömmigkeit und redet aus dem Herzen heraus.“ Es sei ihm immer ein Anliegen gewesen, den Glauben weiterzugeben und verständlich zu machen, so Küng weiter. Genau das brauche es heutzutage.

Er bewundere Pfarrer Kittl ob seiner rhetorischen Brillanz, gab Stadtchef Krammer zu und fügte im Scherz an: Indem Kittl stets auf die Bedeutung der Zell als erster Bezirk Waidhofens beharre, komme ihm nun ein geschätzter Sparringspartner abhanden. So wie alle Ehrenbürgern habe auch Kittl ein Anrecht auf eine tägliche Suppe und ein Bett, hielt Krammer fest. Da er aber für seine Pension das „freiwillige Exil“ – er lebt nun in einem kleinen Haus in der Natur in Ybbsitz – gewählt habe, bekomme er von der Stadt für die nächsten 20 Jahre einen Festmeter Holz pro Jahr.

Es werde nirgends so viel gelogen wie bei einer Leichenrede, scherzte der Geehrte in seiner Ansprache und verwies auf Franz von Assisi: „Das, was du in den Augen Gottes bist, das bist du wirklich.“ Den Stadtchef wies Kittl darauf hin, dass die Mehrheit der Waidhofner Ehrenbürger Zeller seien, bevor er abschließend meinte: „Wenn manche durch mich den Weg nach oben gefunden haben, so war es nicht ganz umsonst.“

Ehrenbürger

  • Manfred Bene
  • Franz Forster
  • Wolfgang Mair
  • Erwin Pröll
  • Bischof Alfredo Schäffler
  • Wolfgang Sobotka