Kritik an Baggerungen

Erstellt am 29. Juli 2014 | 08:00
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Foto: NOEN, Kössl
Gewässerschutz / Um Effizienz zu steigern entfernen Bagger angeschwemmten Schotter unterhalb des Kraftwerks Stadtwehr. Verein Rettet die Ybbsäsche spricht von Fehlplanung.

Mit Baggerungsarbeiten wurde vergangene Woche unterhalb des Kraftwerks Stadtwehr begonnen. „Dabei wird der Schotter, der sich nach dem Hochwasser im Frühjahr unterhalb des Kraftwerks angesammelt hat, rausgebaggert“, erklärt Stadtrat Franz Sommer. So werde die Fallhöhe wieder erhöht, wodurch die Effizienz des Kraftwerks um etwa 20 Prozent steige.

Für derartige Arbeiten gebe es genau festgelegte Zeiten, wann diese durchgeführt werden dürfen, hält Sommer fest. Die Laichzeiten der Fische seien davon natürlich ausgenommen. Da noch im Sommer die Kollaudierung – die amtliche Abnahme – des Kraftwerks Stadtwehr erfolgen solle, müsse der Schotter davor entfernt und die Baggerungen nun durchgeführt werden, so der Stadtrat.

Obmann-Stellvertreter vermutet Fehlplanung

Kritik an den Baggerungen kommt jedoch vom Verein Rettet die Ybbsäsche. „Man hat uns damals im Zuge einer ökologischen Begleitplanung versprochen, die Unterwassereintiefung naturnah zu gestalten“, sagt Obmann-Stellvertreter Leo Hochpöchler. „Davon ist man ein ganzes Stück weit entfernt.“ Durch die Baggerungen entstehe nun eine kanalartige Situation.

Hochpöchler hält fest, dass er verstehe, dass man die Effizienz des Kraftwerks steigern wolle, hier sei es aber offensichtlich zu einer Fehlplanung gekommen. „Es kann doch nicht sein, dass man nach jedem Hochwasser wieder Schotter entnehmen muss, um die Effizienz zu erhalten.“

"Auf ökologische Nachhaltigkeit wurde kein Wert gelegt"

Schuld an der Misere trage die zuständige Behörde. Diese müsse sich künftig derartige Projekte genauer anschauen. Schließlich gebe es die FFH-Richtlinie – die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie. Die Behörde würde sich aber an den ökologischen Richtlinien zu wenig orientieren. „Wir haben damals vom Verein Rettet die Ybbsäsche den Vorschlag gemacht, eine andere Technologie zu verwenden. Damit hätte man zwar nicht den maximalen Energieoutput erzielt, aber auch nicht permanent Instandhaltungsmaßnahmen im Fluss durchführen müssen“, so Hochpöchler. Dieser Vorschlag sei jedoch nicht aufgegriffen worden. „Man hat nur auf die ökonomische Nachhaltigkeit nicht aber auf eine ökologische Nachhaltigkeit Wert gelegt. Das halte ich für ein falsches Signal.“ Die Behörde müsse überdenken, ob sie derartige Projekte in Zukunft genehmige.

Was die Laichzeit betrifft, so sei zwar richtig, dass diese mittlerweile vorbei sei, fährt Hochpöchler fort, dennoch würden die Baggerungen zu einer grundlegenden Zerstörung des Substrats und einer Verarmung des Gewässers führen. „Nun zerstört man zwar keine Fischeier, aber die Jungfische, die sich unterhalb des Kraftwerks befinden, sind massiv betroffen. Wenn die schreien könnten, wäre es da unten ziemlich laut.“