Barbara Hörndler ist auch ohne Haare stark. Die Waidhofnerin Barbara Hörndler geht offen mit ihrer Autoimmunerkrankung um.

Von Doris Schleifer-Höderl. Erstellt am 12. November 2019 (13:54)
Barbara Hörndler vor zwei Jahren, mit voller Haarpracht und heute ganz ohne.
Hörndler, Doris Schleifer-Höderl

Noch vor zwei Jahren hatte Barbara Hörndler lange naturblonde Locken. Heute ist ihr Kopf kahl. „Als ich plötzlich eines Morgens beim Kämmen ein ganzes Haarbüschel in der Hand hatte, war ich richtig geschockt“, gesteht Hörndler, die damals eine ziemlich stressige Zeit hatte.

„Alleinerziehende Mutter von zwei Töchtern, selbstständig mit einer Kommunikationsagentur und obendrein noch am Schreiben meiner Diplomarbeit als Lebensberaterin – das war scheinbar alles zu viel“, berichtet sie. „Doch das habe ich nicht realisiert.“

Erst als der Haarausfall anhält und die Waidhofnerin binnen zwei Wochen alle Haare auf ihrem Körper sowie auch Wimpern und Augenbrauen verliert, weiß sie, dass irgendetwas nicht stimmt. Relativ rasch stand dann auch die Diagnose Alopecia areata universalis, der komplette Verlust der Körperbehaarung, fest.

„Es handelt sich dabei um eine Autoimmunerkrankung. Körpereigene Abwehrzellen, die für die Bekämpfung von Krankheitserregern zuständig sind, richten sich aus unbekannten Gründen gegen die Zellen der Haarwurzeln. Dadurch kommt es zu einer Entzündungsreaktion, die das Haarwachstum stört und zu einem Abstoßen des Haars führt. Allerdings wird die Haarwurzel nicht zerstört, ein erneutes Haarwachstum ist jederzeit möglich“, erklärt Hörndler.

„Habe Zeit gebraucht, mich zu akzeptieren.“

Als Barbara Hörndler die Diagnose bekam, zog es ihr den Boden unter den Füßen weg. „Ich habe schon Zeit gebraucht, um mich, sowie ich jetzt bin, zu akzeptieren. Man sieht plötzlich komplett anders aus. Mich haben viele Leute gar nicht mehr erkannt.“

Herausfordernd war für die Kommunikationswissenschaftlerin, ihre Töchter – damals acht und zehn Jahre alt – über ihre Erkrankung aufzuklären. „Kindgerecht habe ich ihnen gesagt, dass ich zwar meine Haare verloren habe, aber ansonsten gesund bin und sie sich nicht sorgen müssen. Denn natürlich wurden sie in der Schule darauf angesprochen und auch gefragt, ob ich nicht bald sterben würde. Die meisten Menschen setzen Haarverlust mit einer Krebserkrankung gleich. Zunächst steht man dem allen völlig ohnmächtig gegenüber und man will sich eigentlich auch gar nicht ständig erklären müssen.“

Auf das Tragen von Perücken, Tüchern oder Hüten verzichtete Barbara Hörndler von Anfang an. „Ich habe einige Perücken probiert, fühlte mich damit aber nicht wohl, es passte einfach nicht zu mir. Im Nachhinein gesehen war es mit Sicherheit mutig, sich ganz ohne zu zeigen, aber für mich der einzige gangbare Weg. Ich wollte mich nicht verstellen müssen. Ich hatte zwar keine Haare mehr, aber ich war noch immer die Barbara.“

„Ich stehe zu mir und verzichte bewusst auf eine Perücke oder Kopfbedeckungen, weil ich auch anderen Mut machen möchte.“Barbara Hörndler

Sich bewusst nicht zu verstecken und den Haarverlust letztendlich anzunehmen, war Barbara Hörndler unsagbar wichtig. „Ich fühlte mich ohne Haare plötzlich demaskiert, reduziert auf mich selbst. Ich schaute genau hin, was tut mir gut, was nicht: beim Essen, bei der Kleidung, welche Menschen, wie verbringe ich meine Freizeit. Wenn man so will, war es ein Lernprozess, wenn auch ein harter, der mich lehrte, mehr auf mich und meine Bedürfnisse zu achten und nicht immer nur anderen entsprechen zu wollen. Weniger ist mehr, bekam für mich von einem Augenblick auf den anderen eine besondere Bedeutung.“

Heute geht die sympathische Unternehmens- und Kommunikationsberaterin selbstbewusster denn je durchs Leben. „Ich kann sagen, dass die meisten Menschen, die mir beruflich und privat begegnen, positiv auf mich reagieren. Vielleicht trage ich auch ein wenig dazu bei, dass man offener und unvoreingenommen auf sein Gegenüber zugeht und es nicht immer nur nach dem Äußeren beurteilt. Es ist doch wirklich völlig gleich, ob jemand graue, kurze, lange oder überhaupt keine Haare hat. Entscheidend ist die innere Schönheit.“

Bleibt noch eine Frage offen: Wenn ihre Haare wieder zu wachsen beginnen, würde sie sich dann darüber freuen? „Selbstverständlich“, meint Barbara Hörndler lachend. „Aber wenn nicht, dann ist es für mich auch okay. Denn dann gibt es zumindest für mich tatsächlich keine ,Bad Hair Days‘ mehr!“