Caritas-Bilanz: Steigender Bedarf an häuslicher Pflege. Die Bilanz der Caritas der Diözese St. Pölten zeigt einen steigenden Bedarf an häuslicher Pflege.

Von Christa Hochpöchler. Erstellt am 21. Februar 2019 (04:00)
Hochpöchler
Gaben Rückblick über das Jahr 2018 und einen Ausblick auf 2019: Regionalleiter Johannes Hofmarcher, die Einsatzleiterinnen Eva-Maria Pechhacker, Silvia Gassner, Marianne Steiner, Elisabeth Beutl, Regionalleiter Markus Lurger und Arbeitsgemeinschaft-Vorsitzender Franz Sommer (v.l.).

Acht Damen und Herren, alle im fortgeschrittenen Alter, sitzen gemütlich beisammen und sprechen über Bräuche im Winter. Wie es früher einmal war. Da fällt vielen etwas dazu ein, und so mancher meldet sich zu Wort, der sonst eher wortkarg die Tage verbringt. Organisiert und betreut werden die Betreuungsnachmittage von den Heimhelferinnen der Caritas.

„Die Betreuungsnachmittage gibt es einmal im Monat und sie sind sehr beliebt“, erzählt Waidhofens Caritas-Einsatzleiterin Marianne Steiner. „Dazwischen sind Veranstaltungen der Arbeitsgemeinschaft, wie Maiandachten, Sommerfeste oder Gedenkmessen.“ Diese Begegnungen werden von ehrenamtlichen Mitarbeitern unter der Leitung vom Vorsitzenden Stadtrat Franz Sommer organisiert. „Hier leben wir Gemeinschaft, das ist immer sehr berührend“, erzählt Sommer.

„2018 hatte die Caritas in der Region Ybbstal ein überdurchschnittliches Wachstum. Wir können das darauf zurückführen, dass die Bedürfnisse unserer Kunden gut abgedeckt sind“, erzählt der Regionalleiter Markus Lurger (Mostviertel West). Doch jeder Tag ist eine neue Herausforderung für die Mitarbeiter. Sie haben eine hohe Eigenverantwortung und sind immer wieder mit neuen und oftmals herausfordernden Situationen konfrontiert. „Ich bin wirklich positiv berührt von der Einsatzbereitschaft“, sagt der Regionalleiter für das Gebiet Mostviertel Ost, Johannes Hofmacher. „Es gab kein Jammern trotz Schnee und Kälte, es war heftig, aber wir haben es geschafft.“

Die Mitarbeiter der Caritas sind oft die einzigen Menschen, mit denen die pflegebedürftigen Kunden Kontakt haben. Sie nehmen sich Zeit, um ihre Bedürfnisse zu berücksichtigen, achtsam und wertschätzend.

Grundbedürfnis nach Eigenständigkeit

Die Menschen haben ein Grundbedürfnis danach, solange wie möglich zu Hause im Kreise der Familie betreut zu werden. Ein möglichst selbstständiges Leben in der eigenen Wohnumgebung soll ermöglicht werden. Hier bietet die Caritas nicht nur die individuelle Pflege und Betreuung durch qualifizierte Fachkräfte, sondern auch Beratung und Schulung von pflegenden Angehörigen. Auch Unterstützung bei Anträgen für Pflegegeld oder Gebührenbefreiung wird angeboten.

Die größte Herausforderung für das Jahr 2019 ist die Suche nach qualifiziertem Pflegepersonal. Es werden Heimhilfen ebenso gesucht wie diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger oder Fachsozialbetreuer. „Die Zahl der pflegebedürftigen Personen steigt dramatisch an. Momentan sind es in Österreich 450.000 Pflegebedürftige, im Jahr 2050 werden es 750.000 sein“, erzählt Lurger. Der Schlüssel zu qualifiziertem Personal ist für ihn die Ausbildung:

„Wir bieten Lehrgänge für die Ausbildung zur Heimhilfe an, der erste Lehrgang ist bereits abgeschlossen, am 23. April startet der nächste.“ Hauptaufgabengebiete sind Haushaltstätigkeiten und Körperpflege. „Es ist ein Beruf, der eine gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie zulässt und ideal für Wiedereinsteigerinnen ist – ein Beruf, bei dem man das Herz der Kunden finden muss“, sagt Regionalleiter Johannes Hofmarcher. „Nur wenn wir ausreichend Personal finden, können wir die Nachfrage bedienen.“